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FEATURED COMPOSERS
Glanert, DetlevNijinskys Tagebuch (Nijinsky's Diary) (2007/08) 95'
for two singers, two actors, two dancers and instrumental ensemble

Music Text      English
Texteinrichtung von Carolyn Sittig nach den Tagebüchern von Waslaw Nijinsky (dt.)

 

Scoring
S,Bar,2actors(f/m),2dancers(f/m); rec(S,T).ob(=corA).ssax.bn(=dbn)-hn(natural).trbn-perc(1):dr set(2tom-t[sm,lg]/wdbl/susp.cym/SD/BD)/vib/timp/tam-t/flexatone/t.bells-pft(=synth,hpd)-git-vlnI(also amplified).vlnII.vla.vla da gamba.db.
Abbreviations (PDF).

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.


For full details on this stagework, including synopsis and roles, please visit our Opera section.


World Premiere
4/6/2008
Theater, Aachen
Ludger Engels, director / Theater Aachen / Daniel Jakobi


Composer's Notes      English
Der Text für das Werk „Nijinskys Tagebuch“ besteht aus Auszügen der vom 19. Januar 1919 bis zum 4. März 1919 geführten Tagebüchern von Waslaw Nijinsky, die er nach seinem letzten öffentlichen Auftreten in St. Moritz und vor seiner Einlieferung in eine Heilanstalt verfaßte.

Die ausgewählten Texteile repräsentieren alle für diese Tagebücher typischen Themen und stilistischen Merkmale, wobei der Schreibstil Nijinskys unter dem Einfluß der beginnenden Schizophrenie vollkommen gewahrt bleibt. Einige wenige Textabschnitte wurden umgestellt, einige sehr wenige Sätze unbedeutend gekürzt, aber die durchgehende Chronologie als Grundaufbau des zu vertonenden Textes gewahrt.

Neben Berichten aus dem Alltag stehen dort Erinnerungen, Zukunftsvisionen, Gedichte, Wortspielereien und der Zerfall der Sprache, neben konkreten und banalen Erlebnissen finden sich Metaphysisches und Naives. Das Faszinierende dieser Tagebücher ist ihr Protokollcharakter der Schizophrenie, als Kommentar schon im Augenblick der Niederschrift.

Der Text wird in der Komposition nicht individualisiert, sondern auf sechs Darsteller verteilt, die alle Nijinsky, bzw. sein sprechendes Ich repräsentieren; dabei kommt es zu wachsenden Überlagerungen und zur kompositorischen Nachbildung der Denkschleifen und -spiralen, die für die Tagebücher so charakteristisch sind.

Die Gestaltung der Bühne und die Regie haben keinerlei Vorgaben, vielmehr soll hier der vorhandene Text in seiner Partiturfassung frei nacherfunden werden, ohne in eine simple Bebilderung zu verfallen; dennoch können und sollten unmittelbare Konkretismen ohne weiteres in die Gestaltung einbezogen werden, auch um deren Auflösung zu vorzuführen.

Die sechs Darsteller haben Aufgabenbereiche, die die übliche Norm ignorieren: Sänger und Tänzer müssen auch sprechen, die Schauspieler manchmal auch singen; die Sänger sind aufgerufen zu einer betont schauspielerischen Gestaltung, die auch Improvisation mit einschließt, während die Schauspieler des öfteren dem Diktat der Partitur unterworfen werden, und somit Teile ihrer Autonomie aufgeben müssen. Die Tänzer sind als Ausgangspunkt der Bewegungsidee des Schreibens zugeordnet, ihnen ist auch die Gestaltung der instrumentalen Zwischenspiele anvertraut; Tanz der Sänger und Schauspieler ist im Rahmen des Gesamtkonzepts ebenfalls denkbar; nur eine Nachstellung des historischen Nijinsky in seinem persönlichen Tanzgestus wäre abzulehnen, da hier nicht die Geschichte, sondern der Tagebuchtext im Vordergrund steht.

Jeder Regisseur ist also aufgerufen, in diesem Stück die Grenzen im Sinne eines Traumtheaters zu überschreiten und zu gestalten, jeder Darsteller soll in die Disziplin des Gegenübers hineinwachsen, bis hin zu einer denkbaren Verschmelzung und Auftrennung eines sechsfachen Körper, einer sechsfachen Stimme.

Der Heterogenität des Darzustellenden und des Textes entspricht die instrumentale Besetzung: Barock-, übliche und moderne Instrumente, die auch für die verschiedenen Zeitebenen stehen, bilden einen Klangkörper, der die Freiräume des Unsagbaren, Unsäglichen und Unnennbaren auslotet, für Melodramatisches, Durchkomponiertes, Rezitativisches, für Tanz, Sprache, Gesang und Stille.
(Vorbemerkung zur Partitur)

Press Quotes      English
„Nach dem großformatigen Caligula atmet Glanert jetzt durch, mit der bei ihm üblichen handwerklichen Akkuratesse und Meisterschaft, auf eher kammermusikalischem Format mit einer einfühlsam kreisenden Studie über den Beginn geistigen Verfalls.“ (Joachim Lange, Frankfurter Rundschau, 09.04.2008)

„Ein Vierteltonintervall, das immer weiter entwickelt wird, wirkt gleichsam verstörend auf den Text zurück. Alles ist formal und dramaturgisch wohlüberlegt, mit sicherer Hand gesetzt, der Textstruktur mit komponierten Schleifen immer auf der Spur... Ein gut gearbeitetes Musiktheaterstück.“ (Gerhard Rohde, Frankfurter Allgemeine, 08.04.2008)

„Musik, die ebenso wie die Worte, Gesten, Verstörungen und Zustände vor allem das Zersplitterte, Widerhallende, nicht mehr linear Stringente eines verschwindenden Bewußtseins imaginiert. Es ist eine lakonische und doch sinnliche Musik, die sich aus der Melodie und dem Rhythmus der Sprache erhebt und in vier kurzen, verstörend schönen Orchesterzwischenspielen auch gänzlich zu sich selber findet.“ (Roberto Becker, Neues Deutschland, 10.04.2008)




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