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FEATURED COMPOSERS
Kats-Chernin, ElenaAncient Letters (2016-2017) 20'
Concerto for amplified harpsichord and orchestra

Scoring
1(=picc).1.1.1–1.0.0.0–timp.perc-harp–cel–strings.
Abbreviations (PDF).

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World Premiere
04/05/2017
Recital Centre, Melbourne
Mahan Esfahani, harpsichord / Melbourne Symphony Orchestra / Brett Kelly


Composer's Notes      English
Die „Ancient Letters“ (Alte Briefe) sind die ersten bekannten schriftlichen Zeugnisse der Sogden, einem zentralasiatischen Volk, das im heutigen Usbekistan lebte – meinem Geburtsort. Die Briefe stammen aus dem 4. Jahrhundert und wurden 1907 in einem verlassenen Wachturm der chinesischen Mauer gefunden, weit östlich von der Hauptstadt Samarkand entlang der Seidenstraße nach China.
1. „Tiger Cub“ (Die junge Tigerin): Zwei der fünf Briefe drehen sich um eine Frau namens „Tiger Cub“ oder Mewnai. Tiger Cub hat von ihrem Mann seit drei Jahren nichts gesehen oder gehört. Er ist irgendwo entlang der Seidenstraße verschwunden. Sie verzweifelt angesichts der Jahre, die vor ihr liegen. Wir wissen nicht, was aus Tiger Cub wurde. Ich habe ein Porträt dieser resoluten, verzweifelten, schönen, verlassenen Frau geschrieben, so wie ich sie sehe. Das Cembalo beginnt den Satz alleine. Ich finde, dass dieses Instrument eine schwebende, körperlose Klangqualität besitzt, die sehr vorteilhaft genutzt werden kann. Der Einsatz des Orchesters wirkt unerbittlich gegenüber dem seelenvolleren ersten Thema. Der Konflikt zwischen den beiden Kräften ändert den ganzen Satz: das Cembalo ist der menschlichere Charakter, das Orchester repräsentiert die harte und oft barbarische Realität eines unsicheren Lebens an einem ruhmreichen, aber auch grausamen Ort.
2. „Musk Trade“ (Moschushandel): Handel ist eines der zentralen Themen in dieser Korrespondenz. Die sogdischen Reisenden handelten mit Moschus, Seide und Silber. Der Satz „Musk Trade“ hat zwei sehr unterschiedliche Teile: der langsame, aromatische „Musk“ stellt die Harfe und Celesta mit orientalisch anmutenden Melodien neben das Cembalo, der schnelle „Trade“ zeigt Händler,  Rush Hour und Deals. Solisten und Streicher intonieren ein „Maktplatz-Thema“, das auf einem erweiterten c-Moll-Septakkord aufgebaut ist. Dazu blitzen kleine Momente auf, die die verschiedenen Gewerbe repräsentieren: Metall (Akkorde), Tücher (Tonleitern), Gewürze (Holzbläser mit Cembaloakkorden).
3. „Goodbye Samarkand“ (Lebewohl, Samarkand): Samarkand ist eine der ältesten Städte der Welt. Sie ist heiß, trocken, abgeschieden. Die sogdischen Briefe werden von einem tiefen Gefühl der Ortlosigkeit bestimmt: Diese Menschen leben in riesiger Entfernung von ihren Familien und haben oft kaum Hoffnung, wieder ins 2000 Meilen weite Samarkand zurückzukehren. In „Goodbye Samarkand“ habe ich eine kleine Ballade auf die Heimat geschrieben – der Ort, zu dem, frei nach Thomas Wolfe, man niemals erneut gehen kann. Die Holzbläser sprechen in diesem Satz zuerst davon. Die Melodie kam zu mir, als ich mir vorstellte, in einen Wüstenhorizont zurückzuschauen und zu verstehen, dass das Leben nun für immer anders sein wird: eine Mischung aus Zweifel, Hoffnungen und Sehnsüchten.
Elena Kats-Chernin (Übersetzung: Kerstin Schüssler-Bach)




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