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FEATURED COMPOSERS
Borowski, Johannes Boris: Up and down (2018) 10'
for solo violin

Territory

This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World Premiere

18/06/2018
Church, Aldeburgh
Michael Barenboim, violin /

Composer's Notes

English

Gedanken zu "Up And Down", Dezember 2017
In Up And Down gibt es einen beständigen Wechsel von virtuos-spielerischen und starren, schematischen Elementen.
Steht in den virtuos-spielerischen Elementen das (freudige) Entdecken im Vordergrund, baut das starre, schematische Element eine Distanz auf, welche die naive Freude sofort wieder relativiert. Beeinflussung, Nachahmung, Inbesitznahme, Umdeutung, Resignation und Trotz können einige Beziehungsmomente sein, die wir als Hörer in eine solche Gegenüberstellung hineininterpretieren. Am Ende ist es immer unsere Interpretation, abhängig von unserer Phantasie und unserer Bereitschaft zur Anteilnahme und gestaltenden Mitwirkung.

Die konfrontative, insistierende Gegenüberstellung im Stück mag auch ein "existenzielles" Moment sein, welches ins Politisch-Soziale reicht: Dialogunfähigkeit. Diese wird hier ausgehalten. Es gibt keine Klage, sondern einen Umgang, eine Praktik.

Manchmal muss es keinen Dialog geben.

Up And Down zieht sich mit der Zeit immer mehr in sich selbst zurück – Das Stück droht sich zu verlieren. – Und bleibt doch es selbst.

Der Titel des Stückes kann strukturell verstanden werden: Sequenzartig werden Charakteristika der einzelnen Elemente abwechselnd auf sich jeweils schrittweise erhöhenden und erniedrigenden Stufen wiederholt.

Der Titel des Stückes kann gestisch verstanden werden: Sowohl die rechte Bogenhand als auch die linke Griffhand vollführen Auf- und Abbewegungen.

Der Titel des Stückes kann als Verweis auf ein Gedicht Nelly Sachs' verstanden werden ("Welche geheimen Wünsche", veröffentlicht in dem Gedichtband In den Wohnungen des Todes, 1947).
In einer Zeit des Populismus, der Dialogunfähigkeit und der zunehmenden Gewaltbereitschaft im Alltag erscheint dieses Gedicht erschreckend zeitnah. Die Auseinandersetzung mit dem Horror der NS-Zeit in Nelly Sachs' Gedicht ist weit entfernt von Betroffenheitsästhetik, reiner politischer, bzw. sozialer Aufklärungsarbeit und Anklage. Fast schon spielerisch-zärtlich nähern wir uns dem Unheimlichen des Menschseins an, dem Grauen, welches in jedem einzelnen von uns verborgen liegt.



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