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FEATURED COMPOSERS
Kalitzke, JohannesStory Teller (2015-16) 28'
for cello and orchestra

Scoring
3(I=picc,II=afl).2.corA.2.bcl.asax.3.dbn-6.3.3.1-perc(3)-harp-elec.gtr-accordion-sample kbd(=cel)-strings(12.10.8.6.6).
Abbreviations (PDF).

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World Premiere
18/01/2017
Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal, Berlin
Johannes Moser, cello / Deutsches Symphonie-Orchester Berlin / Johannes Kalitzke


Programme Note      English
Johannes Kalitzkes Werk Story Teller für Violoncello und Orchester, eine Auftragskomposition des Rundfunks Berlin-Brandenburg für das Festival Ultraschall Berlin 2017, bezieht sich im Titel auf das Schaffen des Modefotografen Tim Walker. Dessen außergewöhnliche fotografische Inszenierungen gehen weit über die üblichen Darstellungen in der Branche hinaus. Davon hat sich Johannes Kalitzke in Story Teller inspirieren lassen: „So wie die Bilder von Walker einen erzählerischen Raum eröffnen, entsteht aus statischen klanglichen Elementen bzw. Zuständen eine musikalische Dramaturgie", hat der Komponist im Interview einige Wochen vor der Uraufführung bei Ultraschall Berlin erklärt. Kalitzkes Story Teller ist eine Art modernes Cello-Konzert, bei dem das Soloinstrument und das Orchester – um im Bild der Fotografie zu bleiben – in unterschiedlicher Weise in den Fokus genommen werden. „Das Verhältnis des Einzelnen zum Kollektiven folgt in jedem Satz einem eigenen Ansatz. Am Anfang im klassischen Sinne als Solo-Instrument verstanden, wird der Solo-Part schrittweise in den Tutti-Apparat eingebunden, also zum Dialogpartner oder zu dessen Bestandteil, und wird am Ende von den rotierenden Klangmassen aufgesogen", hat dies Johannes Kalitzke erläutert.

Gerade diese wechselnde Beziehung zwischen Vorder- und Hintergrund, Einzelnem und Kontext fand er auch im Bildaufbau von Walkers Modefotos, so der Komponist: „Es geht um eine Spiegelung der unterschiedlichen Verhältnisse von einem jeweiligen Objekt und seiner Umgebung, das diese Bilder kennzeichnet. Das Modell verhält sich mal exponiert, mal integriert oder auch marginalisiert zum Raum. Das ist die Spezialität von Walker: er schafft mythische Zusammenhänge und rekonstruiert eine Aura des Märchenhaften, in welchem das Modell zum Akteur wird. Die Geschichte dieses Stückes ist jedenfalls eine des Verschwindens, eine, in der Individualität zur Maske der Umgebung wird, wo das Persönliche, Unvergleichliche, in einem Strom verschwindet, der in seiner Aufladung von Bilderflut und Kommerzialität fast gewalttätig wirkt. Die Arbeiten von Walker enthalten oft völlig zerstörte Räume, das Modell sieht kränklich aus oder steht entfernt und dezentralisiert im Hintergrund."

Johannes Kalitzke hat bei anderer Gelegenheit einmal über seine Musik gesagt, er strebe als Komponist danach, „möglichst widersprüchliche klangliche Ereignisse so zu verbinden", dass es zu einer Homogenisierung komme und auf diese Weise „eine Art paradoxale Synästhesie" geschaffen werde. Im Fall von Story Teller dient konkret eine klanglich besonders auffällig markierte Schicht als solch eine gegensätzliche Komponente: Elektronik in Form gesampelter Sounds. Diese sich zum Übrigen stark kontrastiv verhaltenden Klänge stehen in Story Teller für die von Kalitzke angesprochene „Bilderflut und Kommerzialität". Die vom Sampler erzeugten Elemente seien gerade jenen „konkret-akustischen und kommerziellen Klangtypen zuzuordnen", betont Johannes Kalitzke.

Dass seine Musik bei allen Kontrasten auch über einen relativen langen Zeitraum nicht auseinanderfällt, liegt am charakteristischen Strukturdenken des Komponisten, das auf integrierende Kernelemente begründet ist. Diese unterwirft er im Verlauf der Komposition einer umfassenden Transformation. Johannes Kalitzke erklärt dazu: „Es werden gleichbleibende Strukturen durch wechselnde Räume geschickt und im Sinne einer Mimikry durch die jeweiligen klanglich-stilistischen Umgebungsbedingungen verändert." Das Stück Story Teller besteht aus sechs Sätzen, schaukel – eiserne puppe – manhattan butterfly – bett im licht – ruinenfee – panic room, laut Kalitzke „innere Bilder, die mich während des Schreibens begleitet haben und den Fotografien ähneln". Die Sätze gehen ohne nennenswerte Zäsuren ineinander über und weisen trotz ihres verschiedenartigen Charakters strukturelle Bezüge untereinander auf, was dem gesamten Werk eine spürbare Kohärenz verleiht. Der Komponist legt dies an einem konkreten Detail dar: „Beispielsweise zieht sich durch das ganze Stück hindurch eine rotierende Intervallbewegung in den Bässen, die zum Schluss hin immer mehr dominiert und den letzten Satz komplett ausfüllt; panic room heißt der letzte Abschnitt deshalb, weil das Solo-Instrument davon gänzlich überrollt wird." Gerade in diesem Schlusssatz kommt erneut das Anliegen Johannes Kalitzkes zum Tragen, mit Musik Stellung zu gesellschaftlichen Fragen zu beziehen und eine deutliche Gegenposition einzunehmen – angesichts multimedialer Verflachung und des permanenten Aufflackerns digitaler Welten, die gerade so etwas wie Konzentration, Vertiefung, Differenzierung, Versenkung grundlegend verhindern und somit auch das, was Psychologen als für die individuelle Zufriedenheit wichtigen Flow bezeichnen. Johannes Kalitzke sagt in diesem Zusammenhang über seine Haltung als Komponist: „Es geht mir eher darum, Musik im allgemeinen als eine Meta-Sprache zu verstehen, die in einer vieldeutigeren Weise, als es die Sprache vermag, das typische unserer Gegenwart reflektiert, also deren soziologische, politische und poetische Aura. Dieses Potential wird ganz allgemein in der kommerziell dominierten öffentlichen Wahrnehmung zunehmend unterschätzt."
© Eckhard Weber




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