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FEATURED COMPOSERS
Svoboda, Mike: Wittgenstein & Twombly (2017) 20'
Concerto for saxophone and orchestra

Scoring

2(II=picc).1(=corA).1.bcl.0.dbn-2.1(=picc.tpt).2.1-perc(2):glsp/kick dr/tam-t/ride cym(lg)/splash cym/2crash cym/whip/ratchet/wdbl/claves/tub of gravel/pail of stones/BD-harp-strings(min.6.6.5.4.3)

Abbreviations (PDF)

Territory

This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World Premiere

28/01/2018
Musical Theater, Basel
Marcus Weiss, saxophone / Basel Sinfonietta / Baldur Brönnimann

Composer's Notes

English

Als ich 15 Jahre alt war, habe ich zwei Schallplatten von der Bibliothek ausgeliehen und hintereinander angehört: The Shape of Jazz to Come (1959), eine Aufnahme mit dem Saxophonisten Ornette Coleman, und Le Marteau sans Maître (1955) von Pierre Boulez, von ihm dirigiert. Damals, mit meinem limitierten musikalischen Horizont, hörten sich die beiden Aufnahmen für mich sehr ähnlich an, ja fast austauschbar, obwohl mir klar war, dass die eine improvisiert und die andere komponiert war. Es wäre heute schwierig eine Person zu finden, die dem Komponist Coleman das gleiche hohe Ansehen wie Boulez zuordnen würde, aber ich fände es fair zu sagen, dass jede dieser zwei sehr unterschiedlichen Arten, Musik zu generieren, gleichermassen ihre Berechtigung hat. Ferner würde ich die Musik von Coleman – sogenannten Free Jazz – als das ‚Irrationale‘ (Twombly) und die von Boulez als das ‚Rationale‘ (Wittgenstein) sehen wollen. Das Komplementäre der beiden Gegensätze ist das, was für mich am Musizieren so interessant ist: einen musikalischen Text treu wiederzugeben, zugleich aber eine persönliche, gar emotionale Aussage damit zu verbinden.

Wittgenstein & Twombly entstand auf Initiative von Stephan Schmidt, dem Direktor der Musik-Akademie Basel, zum 150. Jubiläum des Bestehens dieser Institution im Jahr 2017. Das Konzert ist für meinen Akademie-Kollegen, den Saxophonisten Marcus Weiss, geschrieben, der sich mit größter Selbstverständlichkeit in der historischen wie der aktuellen Musik bewegt. Er ist auch ein beeindruckend polyglotter Redner und Denker – Fähigkeiten die sich in seinem Musizieren niederschlagen. Obwohl Sartre & Pollock oder Descartes & Kandinsky auch klangvolle Titel wären, gefiel mir die Kombination von Wittgenstein & Twombly: Ich weiss, dass Ludwig Wittgenstein ein Lieblingsphilosoph von Marcus Weiss ist. Mich persönlich faszinieren die rätselhaften, mythologisch aufgeladenen Gemälde von Cy Twombly. Gerade die Gegenüberstellung der relativ klaren und „kantigen" Logik Wittgensteins mit den scheinbar irrationalen, graffitiartigen Gemälden Twomblys war ein inspirierender Ausgangspunkt für diese Komposition.

Was würden die zwei Namenspatrone zum Werk sagen? Ich könnte mir vorstellen, dass Twombly das Palimpsest im ersten Teil sympathisch finden würde – eine neue Schicht über der nicht-mehr-zu-hörenden, zyklischen Form des zweiten Teils. Und Wittgenstein würde vielleicht dafür plädieren, das Werk besser „Twombly & Wittgenstein" zu nennen, weil er vielleicht den zweiten Teil mit seiner mehrmals wiederholenden und variierten Persiflage eines Miniatur-piece-de-concours als Wiederhall des logischen, strukturellen Denkens hören würde.
Mike Svoboda



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