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FEATURED COMPOSERS
Kessler, ThomasUtopia (2009) 25'
for large orchestra with live-electronics

Scoring
5 groups: I: asax-perc(1)-keyb(=elec.org)-elec.git(=elec.bass git)-db; II: 2(II=picc).2(=corA).2.1-3.2.2.0; III: fl(=picc,afl).ob(=corA).cl(=bcl).bn(=dbn)-perc(1); IV: vln.vla.vlc.db-perc(1); V: hn.tpt.trbn.tuba-perc(1)-harp; every instrument with indiviual pc system, amplifier, dynamic pedal and microphone.
Abbreviations (PDF).

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World Premiere
8/23/2009
Viehauktionshalle, Weimar
Staatskapelle Weimar / Heinz Holliger / Christian Schumann


Composer's Notes      English
Im Jahre 1516 veröffentlichte der englische Philosoph, Politiker und Humanist Thomas Morus sein Buch "Utopia". Darin berichtet er über eine Reise in eine bessere, ideale Welt auf einer fernen Insel. Das krisengeschüttelte England seiner Zeit war offen für Morus' sozialkritische Ideen und Hoffnungen- in Krisenzeiten wächst bekanntlich immer die Anfälligkeit für Utopien, die Sehnsucht nach dem, was (noch) nicht existiert: u-topia.

Inzwischen haben wir andere Krisen und Katastrophen erlebt. Der Ruf nach neuen Denkmodellen, Visionen und Zukunftswerkstätten aber ist geblieben, sie sind die positiven Korrelate unserer negativen Erfahrungen.

Mögen andere fragen: Wieviel Zukunft braucht der Mensch? Ich frage: Wieviel Zukunft braucht die Musik?

Seit über dreißig Jahren widme ich einen großen Teil meiner Arbeit der Verbindung traditioneller Instrumente mit elektronischen Apparaten, Synthesizern, Computern. Es entstanden Stücke wie "Piano Control" in denen der Musiker die elektronischen Geräte in Eigenverantwortung steuert. Hier anknüpfend, möchte ich zu einer neuen Reise in eine bessere – live-elektronische – Welt aufbrechen. Auf meiner musikalischen Insel gibt es ein ''utopisches« Sinfonieorchester, in dem jeder Musiker als aktiv-kreative Klangformer auch auf einem live-elektronischen Instrument spielt.

ln meiner Art von multipler Live-Elektronik wird das Orchester nicht durch Mikrophone in einem zentralen Mischpult zusammengemischt, verfremdet und dann wieder in die großen Lautsprecher im Saal geschickt. Eine derart traditionell orientierte Live-Elektronik ist im Grunde eine ungeheure Vernichtungsmaschinerie für die musikalischen Einzelenergien, die in einem Sinfonieorchester stecken. Hier wird nur der Gesamtklang einer rentabilisierten Klangproduktion unterworfen, nicht aber die differenzierte Qualität jedes einzelnen Musikers.

Auch wenn diese Ideologie einige großartige Werke hervorgebracht hat, steckt darin der nicht zu übersehende Gedanke, daß hier ein Klangregisseur an Mischpult und Computer alles in seiner Hand und unter seiner Kontrolle haben soll, selbst wenn er nie als Musiker in einem Orchester gespielt hat. Das Argument, daß ein einziges Mischpult mit zentraler Live-Elektronik von der Produktion her erheblich rentabler sei, trifft heute nicht mehr.

ln "Utopia" wird jedes einzelne traditionelle Orchesterinstrument mit einem individuellen live-elektronischen Setup (Synthesizer, Laptop, Fußpedal, etc.) verbunden und bildet damit eine autonome Einheit mit eigenem Lautsprecher. Wie der Gesamtklang eines klassischen Orchesters nicht einfach nur die Addition von einzelnen Instrumenten ist, wird auch in dieser multiplen Live-Elektronik ein völlig neuer, noch nie gehörter Gesamtklang entstehen.

Wenn fünfzig Streicher, durch Mikrophone zusammenmischt vom Mischpult im Saal durch die Modulation eines Computerprogramms geschickt werden, ist das etwas gänzlich anderes als wenn jeder der fünfzig Streicher dieselbe Modulation selbständig an seinem Pult ausführt und das Ergebnis – beinahe subversiv – als multiple Live-Elektronik aus dem Orchester hervorstrahlt.

Press Quotes      English
"Zur musikalischen Novität des Kunstfests bedarf es ausladender Architektur, der Weimarer Viehauktionshalle. Ein Projekt von technologisch ausgesuchter Vermessung wie Vermessenheit wird zum Beweis, dass Ideale und Utopien bei Realisation nicht immer Schiffbruch erleiden. Utopia nennt der Komponist Thomas Kessler ein Orchesterwerk, das den Musikern der Staatskapelle Weimar unter Dirigent Heinz Holliger etwas völlig Ungewohntes abverlangt. Jeder der 71 Instrumentalisten sorgt für die individuelle live-elektronische Verstärkung, jeder hat neben den Noten ein Laptop vor sich und einen Lautsprecher am Platz. So erklingt Utopia für Orchester und vier im Raum verteilte Klanggruppen, von einem Computer-Equipment raffiniert gesteuert, als großformatige Symphonie multipler rhythmischer Tonimpulse, Farbflächen, donnernder Klangschübe. Das ist gut zum atemlosen Hören und wird zur März-Musik in die Berliner Philharmonie einziehen: Zukunftsmusik wie der davor gespielte fahle Csárdás macabre von Liszt..." (Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 25.08.2009)




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