Boosey & Hawkes Composer News
FEATURED COMPOSERS
Höller, YorkZwiegestalt (2007) 25'
for string quartet and piano

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World Premiere
6/12/2008
Philharmonie, Alfried Krupp Saal, Essen
Anthony Spiri, piano / Minguet Quartett


Composer's Notes      English
Es gibt eine ungeschriebene Regel, die besagt, dass der Künstler seine Kunst strikt vom Privaten trennen sollte. Hätte Alban Berg diese Regel durchgängig befolgt, wäre die „Lyrische Suite“ für Streichquartett nicht entstanden. Hier verzahnte er unverschlüsselt nicht nur die Tonbuchstaben seines eigenen Namens mit denen seiner heimlichen Geliebten Hanna Fuchs, sondern er zeichnete in den sechs Sätzen dieses Werkes – wie die Alban Berg-Exegese herausgefunden hat – persönliche Charakterzüge nach, machte seine, durch schwere Asthmaanfälle ausgelösten jagenden Atemstöße musikalisch hörbar und rückte das Ganze schließlich durch ein Tristan-Zitat unmissverständlich in Todes(sehnsuchts)nähe.

In meinem Klavierquintett ZWIEGESTALT spiegeln sich Erlebenssphären wider, die in ihrer Ambivalenz meine Existenz während der Komposition des Werkes tief greifend bestimmt haben: Die von Trauer durchdrungenen Erinnerungen an meine im Januar 2006 verstorbene Ehefrau Ursula und die neue Zuversicht verheißende Begegnung mit meiner heutigen Lebensgefährtin Christiane. Beide Vornamen spielen sowohl tonsymbolisch/strukturell als auch hinsichtlich der mit ihnen verbundenen Ausdruckscharaktere eine tragende Rolle. So beruht der erste, dritte und fünfte Satz auf einem Motiv, gebildet aus den Tönen c – h – es – a – e und einer diese Tonfolge weiter spinnenden 21-tönigen „Klanggestalt“ (sowie einer aus dieser abgeleiteten „Zeitgestalt“ bzw. Taktanordnung). Der zweite Satz entwickelt sich aus der die französischen Solmisationssilben bevorzugenden Tonfolge ut – re – es – ut – la (c – d – es – c – a), während der vierte Satz aus der intervallisch verkleinerten Spiegelung dieser Tonfigur hervorgeht. ZWIEGESTALT ist als absolute Musik mit autobiographischem Hintergrund zu verstehen, so wie es etwa im eingangs erwähnten Streichquartett von Alban Berg (aber auch in manchen Werken von G. Mahler bis B. A. Zimmermann) der Fall ist.

Die fünf Sätze von ZWIEGESTALT tragen folgende Bezeichnungen:
1. Energico e deciso
2. Andante triste
3. Capriccioso
4. Tranquillo misterioso e dolce
5. Agitato

ZWIEGESTALT entstand im Auftrag der Philharmonie der Stadt Essen.

Köln, im Mai 2008
© York Höller


Press Quotes      English
"Höller hat hier ein reifes Werk vorgelegt, ansprechend, handwerklich sehr gut gemacht und mit seinen Anklängen an die Gattungstradition – man denke an die entsprechenden Werke von Schumann und Brahms – für den Rahmen eines Kammerkonzertes gerade recht. In besonderem Maße bezeichnend für die fünfsätzige, in dramaturgischer Hinsicht und formalen Proportionen höchst gelungene Komposition ist das wohl überlegte Gleichgewicht zwischen Ausdruck und konstruktivem Denken – letzteres untrennbar mit privaten Anlässen verschränkt, die über zwei aus Namen generierte Tonreihen zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung geworden sind." (Stefan Drees, klassik.com, 12.06.2008)




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