FEATURED COMPOSERS

Grawemeyer Award für BRETT DEAN

(December 2008)

Brett Dean erhält den Grawemeyer Award for Music Composition 2009 für sein Violinkonzert The Lost Art of Letter Writing.

Der Grawemeyer Award, der jährlich von der Universität Louisville vergeben wird, ist der angesehenste werkbezogene Kompositionspreis der Welt und mit 200.000 Dollar dotiert. Mit Brett Dean wird erstmals ein Komponist australischer Herkunft ausgezeichnet. The Lost Art of Letter Writing ging als Sieger unter 145 Einsendungen aus aller Welt hervor, und die offizielle Preisverkündung würdigt das Werk als "a wonderful solo vehicle that also contains terrific writing for orchestra" (ein PDF-Download mit dem kompletten englischen und deutschen Text finden Sie hier).

Brett Dean schreibt zu seiner Reaktion über die Auszeichung: "Komponieren ist ein einsamer Vorgang, und während langer Zeitspannen ist man untergetaucht in der eigenen inneren Klangwelt. Ein Preis bestätigt einem, dass das eigene Schaffen in der großen weiten Welt außerhalb der Künstlerwerkstatt nicht nur gehört, sondern geschätzt wird. Und ich könnte mir keine bedeutsamere Würdigung solcher Art vorstellen als den Grawemeyer Award. Die Namen früherer Preisträger zu lesen und zu wissen, dass mein Werk neben dem Werk dieser legendären Musiker stehen wird, die ich so sehr bewundere, ist eine bewegende Erfahrung und erfüllt mich mit Demut."

The Lost Art of Letter Writing entstand im Auftrag der Kölner Philharmonie und des Königlich Philharmonischen Orchesters Stockholm für den Geiger Frank Peter Zimmermann. Brett Dean dirigierte die Uraufführung 2007 in der Kölner Philharmonie mit dem Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam. Zimmermann spielte das Werk bislang elf weitere Male bei Auftritten in Amsterdam, München, Berlin, Stockholm und Boston. Jedem Satz des halbstündigen Konzertes ist der Ausschnitt aus einem Brief des 19. Jahrhunderts vorangestellt. Die Solovioline evoziert die Stimmung der jeweiligen Texte, indem sie gleichsam zwischen den Rollen von Verfasser und Adressat hin und her wechselt. Die vier Briefe stammen von Johannes Brahms, Vincent Van Gogh, Hugo Wolf sowie dem australischen Outlaw Ned Kelly.

Einen ausführlichen Werkkommentar des Komponisten finden Sie hier. Ein Klangbeispiel aus The Lost Art of Letter Writing können Sie im Audiobereich unserer Internetseite anhören.

Der Grawemeyer Award for Music Composition wird oft als "Nobelpreis für klassische/ernste Musik" beschrieben. Er wurde 1984 ins Leben gerufen, zu den Geehrten gehören u.a. Witold Lutoslawski, György Ligeti, Harrison Birtwistle, John Adams und Unsuk Chin. Die Grawemeyer Foundation an der Universität Louisville vergibt jährlich die Preissumme von einer Million Dollar – je 200.000 – für herausragende musikalische Werke, für zukunftsweisende Konzepte in den Bereichen Bildung, Religion, Psychologie sowie einer verbesserten Weltordnung. Die Auswahl wird durch eine jeweilige Spezialjury in Verbindung mit einer breiteren Gruppe von Nicht-Fachleuten getroffen. Der 1993 verstorbene Charles Grawemeyer war ein Industrieller und Absolvent der Universität von Louisville, der eine lebenslange Leidenschaft für Musik, Bildung und das Studium der Religionen hegte. Weitere Einzelheiten erhalten Sie unter www.grawemeyer.org.

Brett Dean (geb. 1961) studierte in Brisbane und siedelte 1984 nach Deutschland über, wo er 15 Jahre lang Bratschist bei den Berliner Philharmonikern war. Im Jahr 1988 begann Dean zu komponieren. Mit Werken wie Ariel’s Music, einem vom International Rostrum of Composers der UNESCO ausgezeichneten Klarinettenkonzert, dem Klavierquintett Voices of Angels und Twelve Angry Men für die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker machte er sich einen Namen. Um sich verstärkt dem Komponieren widmen zu können, entschloss sich Dean im Jahr 2000 zur Rückkehr nach Australien. Er ist weiterhin als Bratschist und als Dirigent tätig sowie als künstlerischer Leiter der Australian National Academy of Music.

Deans bekanntestes Werk, Carlo für Streicher, Sampler und Zuspiel, ist von der Musik des Renaissancekomponisten Carlo Gesualdo inspiriert. Weitere wichtige Werke umfassen Beggars and Angels (1999), entstanden im Auftrag des Melbourne Symphony Orchestra, die für das Ensemble Modern geschriebene Pastoral Symphony (2001) und Testament (2003), ein Werk für die Bratschengruppe der Berliner Philharmoniker. Er hat sein eigenes Bratschenkonzert (2004) auf vier Kontinenten aufgeführt – eine Einspielung erschien jüngst beim Labels BIS auf einer CD, die ausschließlich Werken Deans gewidmet ist. Gegenwärtig arbeitet er an seiner ersten Oper, Bliss, auf ein Libretto von Amanda Holden nach dem Roman von Peter Carey. Zwei Kompositionen der letzten Zeit stehen damit in Verbindung: Moments of Bliss für Orchester, ausgewählt als beste Komposition bei den Australian Classical Music Awards 2005, und Songs of Joy, in diesem Oktober von Sir Simon Rattle in Liverpool uraufgeführt.

Deans Werke einschließlich The Lost Art of Letter Writing erscheinen exklusiv im Verlag von Boosey & Hawkes. Weitere Informationen finden Sie unter www.boosey.de/Dean.

Für Ansichtspartituren, Demoaufnahmen, Porträtphotos und Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an uns unter composers.germany@boosey.com.


> Further information on Work: The Lost Art of Letter Writing

Photo: Brett Dean, Nov. 2008 (© Mark Coulson)

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