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Barenboim-Geburtstag mit Borowski-Uraufführung

(November 2017)

BorowskiMartinBeckerNews.jpg In seiner Freizeit steigt er gerne auf hohe Berge – auch musikalisch hat Johannes Boris Borowski schon einige Gipfel erklommen. Stretta, geschrieben zu Daniel Barenboims 75. Geburtstag, markiert einen besonderen Höhepunkt: Der Maestro selbst übernimmt bei der Uraufführung am 15.11.2017 den Klavierpart, am Pult der Staatskapelle Berlin steht Zubin Mehta.

In diesem Jahr hat Johannes Boris Borowski bereits eine eindrucksvolle Wegstrecke zurückgelegt. Das geschichtsträchtige Funkhaus am Kölner Wallrafplatz sah im März die Uraufführung seines Klavierkonzerts mit dem Solisten Florent Boffard und dem WDR Sinfonieorchester unter Manuel Nawri. Im April folgte die japanische Erstaufführung seines Klaviertrios mit dem Trio Steuermann. Der Mai brachte die Uraufführung von Encore für das Boulez Ensemble, präsentiert im nagelneuen Pierre Boulez Saal in Berlin. Daniel Barenboim hatte den Auftrag erteilt und dirigierte das Stück auch selbst. In einer kleinen Ansprache beschrieb Barenboim, wie ihm Pierre Boulez persönlich Borowski als herausragenden Komponisten ans Herz gelegt hatte. Barenboim war Boulez‘ Empfehlung gefolgt und hatte den jungen Wahlberliner mit zwei Kompositionsaufträgen betraut.

Im Juni ging es auf Johannes Boris Borowskis 'Kurs' weiter: Das Minguet Quartett spielte bei attacca in Stuttgart erstmals das neue Streichquartett Nr. 2 ebenso wie das Streichquartett Nr. 1. Letzteres erklang im Juli ebenfalls mit dem NeoQuartet bei den Randspielen Zepernick. Im September interpretierte die Pianistin Nadezda Tseluykina die Miniaturen beim Berliner Festival Pyramidale.

Der Jahresgipfel wird am 15. November mit der Uraufführung von Stretta erreicht. Das über 20-minütige Werk für Klavier und Orchester wird von Daniel Barenboim, „seiner" Staatskapelle Berlin und seinem Freund Zubin Mehta in der Berliner Philharmonie präsentiert. Anlass ist das Festkonzert zu Daniel Barenboims 75. Geburtstag. „Das ist eine riesige Freude und Ehre. Schon bei der Probenarbeit zu Encore hat Daniel Barenboim meiner Musik größte Präzision und Aufmerksamkeit geschenkt. Als junger Komponist eine solche Gelegenheit und ein solches Vertrauen zu erhalten, ist ein Traum", sagt Johannes Boris Borowski. Nach seinem Studium bei Hanspeter Kyburz an der Hochschule „Hanns Eisler" in Berlin und bei Marco Stroppa am Conservatoire de Paris wurde der 1979 in Hof geborene Komponist schon früh von prominenten Auftraggebern und Förderern unterstützt. Das Votum von Pierre Boulez brachte ihm bereits 2008 eine Uraufführung beim Lucerne Festival. Es folgten Kompositionen für das Ensemble intercontemporain, das Chicago Symphony Orchestra und das Klavierfestival Ruhr. 2015 fand sein Donaueschingen-Debüt statt, auch hier gleich im großen Format: Peter Eötvös dirigierte das SWR Sinfonieorchester für Borowskis 25-minütiges Orchesterwerk Sérac. Bei der Pausenplauderei nannte ein renommierter Kritiker Sérac liebevoll „die neue Alpensymphonie" – was hinsichtlich der eindrucksvollen Orchesterbesetzung und einer „alpinen" Inspiration zunächst naheliegt: Séracs sind turmartige Formationen aus Gletschereis, die an den Abbruchkanten von Gletschern oft unvorhergesehen einstürzen können. 2008 kostete dieses Phänomen elf Bergsteiger am K2 das Leben. Ein Unglück, das den passionierten Bergsteiger Borowski sehr bewegte. Auf programmatische Details war er jedoch nicht bedacht: „Es liegt mir fern, diese Tragödie künstlerisch ‚nachzuzeichnen‘. Mich interessiert, wie aus einigen (teils unbedachten, naiven) Entscheidungen und Handlungen eine ganze Kette von Ereignissen ausgelöst werden kann, deren Eigendynamik so stark wird, dass die folgenden Prozesse nicht mehr rückführbar auf das auslösende Moment scheinen."

Auch Borowskis feinnervige, höchst durchdachte musikalische Sprache dockt nicht bei Strauss oder neoromantischen Bewegungen an. Nachzuhören ist dies aktuell auf der CD „Klangrede" des jungen Labels Bastille Musique mit dem Berliner Zafraan Ensemble unter Leitung von Titus Engel mit zwei Werken: dem Klaviertrio mit „sich umschlingenden oder einander abstoßenden Figuren, die ihre Wurzeln in einem modernen Redegestus haben" und dem „die Kontraste zwischen statischen und energetischen Strukturen" erkundenden Ensemblestück Dex, das „klangliche Fundstücke mit assoziativen Verweisen auf die Natur einbezieht", schreibt Stefan Drees in „Das Orchester". Das Klaviertrio erklingt auch im November 2017 im Pierre Boulez Saal, interpretiert von Daniel und Michael Barenboim und Kian Soltani. Weitere Aufträge führen Johannes Boris Borowski in naher Zukunft zum ECLAT Festival Stuttgart, zum Ensemble intercontemporain und erneut zum WDR Sinfonieorchester. Die Gebirgskette bietet noch viele spannende Aussichten!


>  Further information on Performance: Stretta
>  Further information on Work: Dex

Photo: Johannes Boris Borowski (© Martin Becker)

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