FEATURED COMPOSERS

Giselher Klebe gestorben

(October 2009)

Am Montag, dem 05.10.2009, ist Giselher Klebe nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren in Detmold gestorben. In der Stadt, deren Ehrenbürger er war, lehrte er seit 1957 Komposition und schuf ein imponierendes Lebenswerk.

Klebes Schaffen reicht von der Kammermusik über vielschichtige Orchesterkonzerte und Ballette bis zur großen Oper. Der Mozart-Verehrer Klebe, der nach dem Krieg bei Boris Blacher in Berlin studierte, hat sich nach eigenem Bekunden niemals auf eine bestimmte Richtung festgelegt. Sein Ideal sei die Symbiose zwischen Harmonik, Melodik, Rhythmus und Tempo, bekannte er einmal in einem Interview. Er liebe viele verschiedene Stile und sehe auch keinen Bruch zwischen alter und neuer Musik.

Seinen Durchbruch erlebte Klebe 1950 in Donaueschingen mit der Uraufführung seiner "Zwitschermaschine" für Orchester, angeregt von dem gleichnamigen Bild von Paul Klee. Seit seinen kompositorischen Anfängen ließ Klebe sich vor allem immer wieder von der Literatur inspirieren, so z.B. in der Dramatischen Kantate "Raskolnikoffs Traum" von Dostojewski oder in den Fünf Orchesterliedern op.38 von Dichtern der deutschen Romantik. Auch seine zahlreichen Opern, die ihn einem breiteren Publikum bekannt machten, basieren auf klassischen oder modernen dramatischen Vorlagen. Meist schrieb er die Libretti selbst, so 1957 zu Schillers "Räubern", die von der Kritik als „stilistisch konsequenteste und originellste Opernpartitur“ seit Bergs Wozzeck und Schönbergs Moses und Aaron eingestuft wurde. In späteren Jahren kamen unter anderem "Alkmene" nach Kleist und ein oft gespielter "Jacobowsky und der Oberst" nach Werfel heraus. 2006 brachte das Detmolder Theater die Balzac-Adaption "Die tödlichen Wünsche" in einer eroflgreichen Neuproduktion auf die Bühne.

Giselher Klebe erhielt zahlreich Auszeichnungen für sein Werk, darunter die Kunstpreise der Länder Berlin und Nordrhein-Westphalen und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Er war Mitglied der Kunstakademien in Hamburg und München und von 1986 bis 1989 Präsident der Berliner Akademie der Künste.

> Giselher Klebe bei Boosey & Hawkes / Bote & Bock



Photo: Giselher Klebe (© Sonja Klebe)

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