Grawemeyer Award 2013 für Michel van der Aa
(November 2012)Michel van der Aa (* 1970) erhält den Grawemeyer Award for Musical Composition 2013 für sein multimediales Cellokonzert "Up-close".
Die von der Universität von Louisville, Kentucky, vergebene Auszeichnung ist einer der begehrtesten Neue-Musik-Preise der Welt und mit derzeit 100.000 US-Dollar dotiert. Die Würdigung beschreibt die 2011 uraufgeführte Komposition als "höchst innovative Verschmelzung von Musik und visueller Kunst – ein Virtuosenkonzert und zugleich ein faszinierendes Multimedia-Erlebnis, das dem Versuch einer einfachen Klassifizierung trotzt. Das Werk erschafft sich eine wahrhaft eigene Gattung."

Michel van der Aa schrieb "Up-close" für die argentinisch-französische Cellistin Sol Gabetta und die Amsterdam Sinfonietta. Den Kompositionsauftrag erteilte die European Concert Hall Organization (ECHO) mit finanzieller Unterstützung des Amsterdamer Concertgebouw und des Fonds Podiumkunsten der Niederlande. Das Werk kam im März 2011 in Stockholm mit der Amsterdam Sinfonietta unter der Leitung von Candida Thompson und Sol Gabetta als Solistin zur Uraufführung; Aufführungen in gleicher Besetzung in Luxemburg, Brüssel, London, Amsterdam und Hamburg schlossen sich an und erweckten die Begeisterung von Publikum und Presse. "Up-close" wurde auf DVD eingespielt und ist bei Michel van der Aas eigenem Label Disquiet Media erschienen.
"Eine Cellistin spielt einen melancholischen, doch nachdrücklichen Monolog. Sobald die hinter ihr positionierten Streicher einsetzen, erscheint ein Bild auf der Videowand: In der Mitte eines verwaisten Konzertpodiums, das genau wie jenes der Live-Performance aufgebaut ist, sehen wir eine ältere Frau, die codierte Nachrichten auf Papier kritzelt." So beschreibt der Komponist, der zugleich sein eigener Filmregisseur ist, den Beginn des Werks. Je weiter es voranschreitet, umso mehr spiegeln Musik und Video einander. Die ältere Frau scheint ein alter ego der Cellistin zu sein, doch bleibt manches unerklärt. Die Musik konfrontiert raffinierte Klangerfindungen mit beklemmend rauen und motorischen Passagen.
"Up-close" kann mit verschieden großer Streichergruppe aufgeführt werden, von Ensemble bis Orchesterstärke.
"Der Grawemeyer Award bedeutet eine enorme Ehre", sagte Michel van der Aa nach der Bekanntgabe der Auszeichnung. "Ich bin bewegt, eine so bedeutende Anerkennung meiner Arbeit zu erhalten, und sehe meinen Namen voller Demut neben denen so vieler früherer Preisträger, die ich sehr bewundere. Aus tiefstem Herzen möchte ich der Amsterdam Sinfonietta und Candida Thompson danken, die entscheidenden Anteil an der Geburt des Werkes hatten. Insbesondere bedanke ich mich bei Sol Gabetta, der perfekten Protagonistin; ihre Leidenschaft, Virtuosität und Offenheit waren eine reiche Inspirationsquelle."
> Clips mit Ausschnitten aus "Up-close" sowie eine Onlinepartitur finden Sie hier.
> Bildmaterial zum Download sowie alle weiteren Informationen zu Michel van der Aa finden Sie unter www.vanderaa.net.
> Näheres zur Auszeichnung finden Sie unter www.grawemeyer.org.
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Der Grawemeyer Award
wird seit 1984 jährlich von der staatlichen Universität von Louisville im US-amerikanischen Kentucky vergeben. Neben dem Preis für musikalische Komposition gibt es vier weitere Auszeichnungen für zukunftsweisende Konzepte in den Bereichen Bildung, Religion, Psychologie und einer verbesserten Weltordnung. Die Auswahl aus einer Vielzahl von Einreichungen wird durch Spezialjurys in Verbindung mit einer breiteren Gruppe von Nicht-Fachleuten getroffen. Der 1993 verstorbene Charles Grawemeyer war ein Industrieller und Absolvent der Universität von Louisville, der eine lebenslange Leidenschaft für Musik, Bildung und das Studium der Religionen hegte. Zu den in jüngster Zeit ausgezeichneten Komponisten zählen u.a. Unsuk Chin, Brett Dean, York Höller und Louis Andriessen.
Michel van der Aa
gilt als einer der herausragenden niederländischen Künstler seiner Generation. Nach einer Ausbildung zum Tonmeister am Königlichen Konservatorium Den Haag studierte er Komposition bei Diderik Wagenaar, Gilius van Bergeijk und Louis Andriessen. Studien an der New York Film Academy sowie am Theater Director's Lab des Lincoln Center schlossen sich an. Viele seiner Werke umfassen multimediale und genre-übergreifende Elemente. Sein jüngstes Projekt führte ihn mit dem Schriftsteller David Mitchell zusammen (dessen Roman "Cloud Atlas" als Vorlage für den soeben gestarteten Kino-Blockbuster diente): Mitchell schrieb das Libretto für van der Aas viertes Musiktheaterstück, die "okkulte 3D-Filmoper" "Sunken Garden", entstanden in gemeinsamem Auftrag von English National Opera, Luminato Festival Toronto, Opéra de Lyon, Holland Festival und Barbican Centre; die Uraufführung ist für den April 2013 in London geplant.
Van der Aas Musik ist regelmäßig auf den renommiertesten Konzertpodien und Festivals zu erleben, darunter das Londoner Barbican, das Opernhaus von Lyon, Musikfest Berlin, Biennale Venedig, Donaueschinger Musiktage, Gaudeamus Muziekweek, Huddersfield Festival, Schleswig-Holstein Musik Festival, Warschauer Herbst und Melbourne Festival. Seit kurzem ist er einer von drei Hauskomponisten des Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam. Zu den Interpreten seiner Werke zählen die MusikFabrik, das International Contemporary Ensemble, Ensemble Modern, Asko|Schönberg, Avanti!, Freiburger Barockorchester, Tokyo Sinfonietta, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, BBC Symphony Orchestra, Philharmonia Orchestra London, Melbourne Symphony Orchestra und De Nederlandse Opera.
Seine Musik erscheint im Verlag von Boosey & Hawkes · Bote & Bock. Van der Aa gründete auch das Multimedia-Label Disquiet Media sowie jüngst die interaktive Internetplattform Disquiet.tv, die sowohl eigene Werke als auch solche anderer Künstler vertreibt.
> Further information on Work: Up-close
Photo: Michel van der Aa (© Marco Borggreve)
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