Michel van der Aa: UA von Spaces of Blank
(April 2009)
Am 19.03.2009 kam im Amsterdamer Concertgebouw Michel van der Aas Orchester-Liedzyklus Spaces of Blank (2007) zur Uraufführung. Publikum und Presse zeigten sich begeistert von dem 26-minütigen Werk, das im gemeinsamen Auftrag des Königlichen Concertgebouw-Orchesters, des NDR, des Fonds voor de Scheppende Toonkunstfür sowie von Radio France entstand.Pressestimmen:
"[…] Christianne Stotijn, für die das Werk geschrieben wurde, hat als wahre Muse den Sänger in van der Aa geweckt. Der 39-jährige Komponist, der sich mit multidisziplinären Werken und der Anwendung von Elektronik etabliert hat, hat einen aufrichtigen, dreiteiligen Liedzyklus geschrieben, dem allein ein zurückhaltender Mac-Spieler eine Sonderfarbe hinzufügt. Der überwiegende Teil der vielfältigen Klangfarben kommt aus dem Orchester.
In einem völlig stimmigen, doch kaum einmal tonalen Idiom, das zugleich trocken und luxuriös ist, entfaltet van der Aa flexible Klanggemische, kühle Akkorde in der Art Strawinskys, pumpende Baßnoten à la Puccini und vorwärtsdrängende Tonwiederholungen, die an das angsterfüllteste Lied der Musikgeschichte denken lassen: Schuberts Erlkönig .
Das Thema ‘Angst’ ist das Bindeglied in den Gedichten von Emily Dickinson, Rozalie Hirs und Anne Carson, die van der Aa hier zusammengebracht hat. Stotijns Mezzo gerät bei all dieser Beklemmung nie unter Druck, sondern legt, wo nötig, ein Frösteln in ihre Stimme und bring die Texte klar und strömend zur Geltung. ***** (5 Sterne)"
Frits van der Waa, De Volkskrant, 20.03.2009
"Spaces of Blank zeigte die lyrische Seite des jungen Komponisten. Doch zugleich war es ein echter van der Aa. In den Streichern hörte man die schnell auf- und absteigenden Skalen seines früheren Werkes Imprint wieder, allerdings stärker durchgearbeitet und schön gegen die kräftigen Blechbläser-Blöcke kontrastierend. Man erkennt seine harmonische Sprache aus Tausenden heraus, allein hier war sie noch volltönender orchestriert: in breit ausgedehnten Klanglandschaften mit Ausblick auf das Meer, oder in zuckenden Momenten, die den großen Saal des Concertgebouw zu wenigen Quadratmetern kondensierten.
Verfeinert klang auch der Gebrauch von Elektronik, oft nicht vom Orchesterklang zu unterscheiden, aus dem er hervorgeht. Das Ticken und das Rauschen werden bei van der Aa zum integrierten Bestandteil des Anstoßens, der Farbe und des Nachhalls der von den akustischen Instrumenten erzeugten Töne. Ungewöhnlich gut ausgehört und eine poetische Zutat zum ohnehin so reichen Orchesterklang.
Van der Aa schrieb seine Lieder unter dem Leitstern von Stotijns wandlungsfähiger Stimme. Sie paßten ihr wie ein Handschuh, so als hätte sie nie ein anderes Repertoire gesungen. Sie konnte sich in ihnen frei bewegen, entfächerte die Farben und fühlte sich hörbar zu Hause in der kontrastreichen Umgebung. Ihr leicht verstärkter Mezzo traf am Donnerstag alle Abstufungen zwischen lazy, ahnungsvoll, extatisch und hektisch suchend. Alle Elemente fielen wie von selbst an die richtige Stelle, und man dachte stets: Ja, so muß es sein."
Anthony Fiumara, Trouw, 21.03.2009
"Das Programm hatte van der Aa zwischen dem österreichischen Expressionisten Alban Berg und der deutschen Trauerweide Karl Amadeus Hartmann eingekeilt, doch am Ende des Konzerts konnte kein Zweifel mehr bestehen: Van der Aa machte den besten Eindruck.
Van der Aa hat das verwirrende poetische Potential der Texte auf völlig zufriedenstellende Weise in seine Musik zu übersetzen gewußt. Dabei bekam er Unterstützung durch ein kräftig und liebevoll spielendes Concertgebow-Orchester unter der Leitung von Ed Spanjaard, und vor allem von der Mezzosopranistin Christianne Stotijn, für deren Stimme van der Aa die Partitur geschrieben hat.
Stotijn erwies sich als Traumbesetzung, mit einem unglaublich reichen Arsenal von Klang- und Ausdrucksmöglichkeiten; ihr Vortrag war ebenso dramatisch wie bis ins kleinste Detail beherrscht. Sie berührte ihrer Zuhörer in der Seele.
Van der Aas Wechsel von Blechbläser-Blöcken, von Texturen voll schattierter Tönungen, von hektischen und statischen Momenten sowie die Anwendung elektronischer Mittel war geschmackvoll, effizient und plastisch. Das ist Musik, die den Hörer herzlich willkommen heißt, aber ihn auch ernst nimmt. […] ein wunderbares Stück."
Erik Voermans, Het Parool, 20.03.2009
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Photo: Michel van der Aa (© Marco Borggreve)
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