Pressestimmen zur UA von Robin Hood
(November 2008)
"Robin Hood, für den Intendant Andreas Homoki die Regie übernahm, ist von den bisherigen Uraufführungen groß besetzter Kinderopern am Haus die gelungenste Produktion. Dies ist zu einem guten Teil das Verdienst des Librettisten Frowin... [er hat] die Fülle der Personen und Handlungsstränge in eine spannende und klare Dramaturgie gepackt... Er nimmt die Faszination ernst, die von Computerspielen wie von Heldengestalten ausgeht – wobei er dieser Faszination weder verfällt, noch den pädagogischen Zeigefinger erhebt. Die gleiche Ehrlichkeit gegenüber den Kindern wie gegenüber sich selbst strebt auch Frank Schwemmer mit seiner Partitur an. Seine konsequent moderne oder besser gesagt: freitonal-expressionistische Musiksprache transportiert eine Vielzahl von Emotionen und Situationen, ohne aber verführen zu wollen; die Informationsfülle der reich instrumentierten und bei leidlicher Textverständlichkeit mutig durchkomponierten Partitur scheint das junge Publikum (empfohlen ab sechs Jahren) dabei keinesfalls zu überfordern, sondern im Gegenteil die Aufmerksamkeit wachzuhalten... Gute Unterhaltung liefern Andreas Homoki und sein Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann ab... Um 3-D-Effekte wie den aus dem Orchestergraben wachsenden Sherwood Forest können Besucher von Erwachsenenproduktionen die Kinder aber nur beneiden. Die Solisten spielen mit vollem Einsatz: Thomas Ebenstein als wacher Daniel, Christiane Oertel als nervend liebende Mutter, Jens Larsen in der Rolle des leicht überforderten Vaters, Karen Rettinghaus als stimmschöne Prinzessin Mary-Ann und Hagen Matzeit als hibbelig-hasenfüßiger Berater. Auch das Orchester unter der Leitung von Patrick Lange sowie der bewährte Kinderchor lassen die Partitur mit vorbildlichem Engagement, Präzision und Transparenz lebendig werden. Die Chance, dass Kinderopern mit ihrem hohen Anspruch an Glaubwürdigkeit als Medium erkannt werden, in dem zentrale gesellschaftliche Themen wie etwa die Frage nach brauchbaren Vorbildern verhandelt werden können, ist mit dieser Aufführung gestiegen. Und der beträchtliche Applaus zeigt, dass die Spieler die geforderte Punktzahl locker erreicht haben und jederzeit zum nächsten Level übergehen dürfen." (Carsten Niemann, Der Tagesspiegel, 04.11.2008)"Einer der jungen Opernbesucher trällert zum Amüsement im Parkett schon während der Vorstellung die eingängigsten Melodien mit. Andere Mädchen und Jungen sitzen am Sonntagabend mit vor Staunen offenem Mund und glänzenden Augen in der Komischen Oper Berlin. Am Ende gibt es Riesenjubel bei der Uraufführung der Kinderoper Robin Hood. Frank Schwemmer komponierte für die Abenteueroper durchaus anspruchsvolle zeitgenössische Musik, die die Kinder fordert und dennoch emotional anspricht. Held der gesungenen Geschichte ist der Berliner Junge Daniel (Thomas Ebenstein), der beim Computerspielen in ein Zeitloch fällt und sich plötzlich in der mittelalterlichen Welt von Robin Hood (Christoph Späth) wiederfindet. Eine Stärke der Inszenierung von Andreas Homoki ist, dass die abenteuerliche Story ohne vordergründige Action auskommt, aber auch ohne zuckersüße Niedlichkeiten, wie sie in Kinderstücken oft zu finden sind. Michael Frowin mixt in seinem Libretto den klassischen Robin-Hood-Stoff mit Szenen aus dem Alltag von ganz normalen Kindern." (dpa, 03.11.2008)
"Spielerisch den Bogen zu schlagen vom Mittelalter bis vor den Computer, ist die erste große Leistung der von Frank Schwemmer komponierten Abenteueroper Robin Hood... Prinz John ist vor Neid auf seinen Bruder Richard Löwenherz zerfressen, was originell angedeutet ist mit den Löwenpuschen und dem Pyjama mit Löwenköpfen, die er trägt. Das ist nur einer von vielen hübschen Einfällen der Inszenierung von Intendant Andreas Homoki, die bis zur Schlusspointe nur so strotzt vor überraschenden Details – was nicht nur die kleinen Zuschauer oft zum Lachen bringt. Die Kinder werden ernst genommen. Das zeigt nicht nur der große Aufwand der Inszenierung, der Erwachsenenopern um nichts nachsteht, sondern auch die Art des Humors, mit der gearbeitet wird. Es ist kein Stolper-Umfall-Brachialwitz, der zu oft in Kinderaufführungen benutzt wird. Vielmehr stammen die Scherze aus der Lebenswelt der Kinder, etwa wenn Robin Hood sich dauernd über ‘diese hässlichen Beinkleider’, die Jeans, aufregt... Manchmal müssen die Kinder Robin Hood auch erklären, wie sein Leben eigentlich organisiert ist und dass Bruder Tack doch sein Freund ist und zu seiner Bande gehört. Da kennen die Computerkids Robins Geschichte besser als er selbst. Der Komponist Frank Schwemmer schuf mit den Mitteln der zeitgenössischen Musik eine Oper, die komplex und anspruchsvoll ist, aber dennoch mitreißt. Die unheimlichen Geräusche des Waldes, Pfeile, die durch die Luft fliegen, der Rausch des Computerspiels - all das ahmt die Musik nach, dazwischen klingen evangelische Choräle an oder das Kirchenlied ‘Was Gott tut, das ist wohlgetan’. Doch alles übertönt nie die Sänger, die mit großer Spielfreude in ihre Rollen schlüpfen und sehr menschlich wirken dabei. Held Robin (Christoph Späth) begrüßt gerne mit einem etwas dümmlichen ‘Hallöchen’ und ist manchmal auch etwas bequem; Held Daniel (Thomas Ebenstein) strotzt dafür vor pubertärem Tatendrang. Der Rest sieht dank Kostümbildner Gideon Davey wie aus dem Bilderbuch aus: der dicke Bruder Tack im Mönchskartoffelsack, Little John im Fellgewand und der Sheriff von Nottingham im Kettenhemd. Dazu gibt es alles, was zu einem echten Abenteuer dazugehört: Soldaten mit Armbrüsten, ein Bogenschießturnier, eine Truhe voller Gold, einen gruseligen Kerker und einen bedrohlich schwankenden Galgen, Verkleidungsspielchen und das Burgfräulein Mary-Ann mit passender Hofdame... und wenn nach zwei Stunden die Kinder beim Schlussapplaus am liebsten auf die Bühne geklettert wären, dann steht fest: Jeder kann ein Held sein." (Daniela Zinser, Berliner Zeitung, 05.11.2008)
"In der neuen Oper gibt es dafür gleich zu Beginn eine klassische Familienszene – nämlich einen Streit. Mutter und Sohn Daniel warten missmutig auf den zu spät aus dem Büro kommenden Vater. Der kommt herein und singt ‘Entschuldige, entschuldige’. Viele Kinder im Saal prusten los. Es scheint also ein vertrautes Bild zu sein. Um es vorwegzunehmen: Der eigentlich tollpatschige Vater (Jens Larsen) wird schließlich der große Held des Abends sein, seinen Sohn retten und am Ende rasenden Beifall der Kinder einheimsen. Starke Väter sind also noch gefragt. Intendant Andreas Homoki ist der größte Coup gelungen, seit er mit seinem Amtsantritt 2004 die Kinderopern zur Chefsache erklärte. Das Auftragswerk Robin Hood hat er im Großen Saal selbst inszeniert und weder künstlerisch-technische Mühe noch Kosten gescheut, das kleine Publikum zu überwältigen. Allein der technische Aufwand, wenn auf der Vorderbühne á la Friedrichstadtpalast ein großer Wald (Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann) hochgefahren wird, macht generationsübergreifend Staunen. Dem normalen Opernbesuchern wird so etwas am Hause jedenfalls nicht geboten. Die Uraufführung ist ein höchst ambitioniertes Projekt... Das Team mit Librettist Frowin und Komponist Frank Schwemmer hat, was für eine Kinderoper gut ist, einen Riecher für zeitgemäße Themen. Robin Hood ist eine kindgerechte Mixtur aus Realität und Fiktion, aus Gags und Ernsthaftigkeit. Episoden aus dem altvertrauten Robin-Hood-Stoff werden in ein schlichtes Wohnzimmer katapultiert und gewinnen ein dramaturgisch schlüssiges Eigenleben.
Das Ganze will mit gut zwei Stunden eine richtige Oper sein. Schwemmer ist konsequent zeitgenössisch in seiner expressionistisch anmutenden Tonsprache. Seine Musik klingt wie aus einem Guss - und will ihre vielen Stilzitate geradezu verschlüsseln. Das Orchester unter Leitung von Patrick Lange spielt temperamentvoll auf, selbst hinterm dichten Wald versteckt. Unter der noblen, spieltüchtigen Solistenschar ragen sprühend Thomas Ebenstein als Daniel und Christoph Späth als Robin Hood hervor. Karen Rettinghaus ist auch eine stimmschöne Mary Ann, Peter Renz ein köstlich-auftrumpfender Prinz John, Christiane Oertel die überdrehte Mutter. Der Kinderchor ist gewichtig eingesetzt. Alle haben Spaß." (Volker Blech, Morgenpost, 05.11.2008)
FRANK SCHWEMMER
Robin Hood (2007) 90’
Abenteueroper in 15 Bildern
Libretto von Michael Frowin
Besetzung: Sänger, Männerchor, Kinderchor; 1.1.2.1–0.2.1.0–Pkn.Schlzg(2)–Streicher(3.2.2.3.1)
Weitere Aufführungen:
06./09./27./30.11. und 01./09./17./21./28.12.2008
Musikalische Leitung: Patrick Lange
Bühne: Frank Philipp Schlößmann
Kostüme: Gideon Davey
Kinderchor: Christoph Rosiny
> Further information on Performance: Robin Hood
> Further information on Work: Robin Hood
Szenenphoto mit Christoph Späth (Robin), Thomas Ebenstein (Daniel) und dem Kinderchor der Komischen Oper Berlin © Monika Rittershaus
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