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UA von Brett Deans Hamlet in Glyndebourne

(June 2017)

Im Juni hebt sich der Vorhang zu Brett Deans Hamlet – der ersten Uraufführung beim berühmten englischen Festival seit einer Dekade.

Mit seiner ersten Oper Bliss hatte sich Brett Dean das Genre des Musiktheaters erfolgreich erobert. 2010 überzeugte die Neuproduktion an der Hamburgischen Staatsoper auch das Team von Glyndebourne: Deans musiktheatralischer Zugriff, sein Gespür für Situationen und Personen und nicht zuletzt seine gleichermaßen energetische wie poetische Musik machten ihn zum Wunschkandidaten für das erste Glyndebourne-Auftragswerk seit fast 10 Jahren. Der Stoff ist nichts Geringeres als: Hamlet. Auch nach dem Shakespeare-Jubiläum des letzten Jahres bleiben die Werke des britischen Barden eine unverminderte Inspirationsquelle: "Shakespeare ist universell. Er ist in jeder Zeit und an jedem Ort relevant", so Brett Dean.

Der zaudernde Dänenprinz hat seit der Romantik eine neue Bewertung als intellektuelle Identifikationsfigur erfahren. Die Grenzen zwischen Hamlets knallhartem politischen Kalkül und seinem Orientierungsverlust sind fließend: Hamlet spielt den Wahnsinnigen, lockt den Mörder seines Vaters mit einem fingierten Theaterstück in die Falle – um dann selbst fortschreitend die Bodenhaftung zu verlieren. Hamlets Erkenntnisprozess hat schmerzhafte Konsequenzen: Er treibt seine Geliebte Ophelia in den Wahnsinn, tötet deren Vater Polonius und verfängt sich in seinen eigenen Zwängen zur Tat.

Für die Librettoeinrichtung von Shakespeares Stück arbeitete Brett Dean mit dem kanadischen Regisseur und Theaterintendanten Matthew Jocelyn zusammen. Sechs Jahre lang näherten sich die Autoren dem Hamlet-Kosmos an. 2013 entstand bereits das Streichquartett Nr. 2 ("And once I played Ophelia"), das kürzlich mit dem Paul Lowin-Preis ausgezeichnet wurde: eine Vorstudie zu Hamlet, in der Ophelia in Bildern reflektiert wird, die andere Figuren des Shakespeare-Stücks über die sich singend ertränkende Braut Hamlets legen. 2016 folgte mit dem BBC Symphony Orchestra From Melodious Lay, eine Hamlet Diffraction für Sopran, Tenor und Orchester. Ein weiteres Hamlet-genährtes Stück wird im April in Washington mit dem Komponisten an der Bratsche uraufgeführt: Rooms of Elsinore.

"Das Opernpotenzial von Hamlet ist enorm", sagt Brett Dean: Leben und Tod, Mord und Verrat sind immerwährende Themen auf der Opernbühne, "und auch die Tatsache, dass Hamlet ein Denker ist, ein Mann, der sich der Selbsteinschätzung überlässt, führt zur Oper: Das Drama gibt ihm Momente der introspektiven, ‚eingefrorenen‘ Betrachtung seiner Gefühle, sozusagen ‚Arien-Momente‘, die schon angelegt sind."

Hamlet, Shakespeares längstes Drama, ist in verschiedenen Textvarianten überliefert – eine Opernadaption muss sich auf bestimmte Aspekte fokussieren. Der Librettist Matthew Jocelyn hält sich eng an Shakespeares Verse, greift aber auf die "First Quarto"-Ausgabe des Dramas zurück, die in sich schon deutlich kürzer ist. Jocelyn und Dean lassen auch die berühmten ikonischen Phrasen nicht intakt – "To be or not to be" wird also so "nicht sein" in ihrer Version. Auch die Chronologie das Dramas wird neu ausgerichtet. Brett Dean interessiert die „fragmentarische Natur" von Hamlets innerem Drama, seine Beziehungen zu den Figuren aus seinem Umfeld. "Es ist genau diese Fragmentierung – ebenso wie das Fehlen eines definitiven Textkorpus, auf dem die Oper basiert – die es uns erlaubt, die Fäden der Handlung möglichst effektiv und poetisch nachklingend auszulegen." Hamlet ist für Dean vor allem die Geschichte einer sozial dysfunktionalen Familie. In Shakespeare’scher Manier spiegelt sich die Tragödie allerdings auch in Momenten des Komischen und Grotesken.

Die Uraufführung in der Inszenierung des australischen Regisseurs Neil Armfield wird von Glyndebournes Musikdirektor Vladimir Jurowski dirigiert. Ein Star-Ensemble steht für Deans zweite Oper bereit: darunter der junge englische Tenor Allan Clayton in der Titelpartie, John Tomlinson als Geist von Hamlets Vater, Rod Gilfrey als Claudius und die gefeierte Sopranistin Barbara Hannigan als Ophelia.

www.glyndebourne.com


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Photo: Librettist Matthew Jocelyn (li.) und Brett Dean beim Hamlet-Workshop 2016 in Glyndebourne (© Sam Stephenson)

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