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Verleger Hans-Jürgen Radecke gestorben

(February 2014)

EIN LEBEN FÜR DAS MUSIKVERLAGSWESEN
Am 19.12.2013 starb der Leiter von Bote & Bock, Hans-Jürgen Radecke


Ein Nachruf von Winfried Jacobs

Als Hans-Jürgen Radecke 1932 in Berlin geboren wurde, war das Musikhandelshaus Bote & Bock ein bereits weit über Berlin hinaus bekannter Musikverlag. Seine Begeisterung für die Musik, besonders für das Klavierspiel, und sein Interesse, sich aktiv am weiteren Aufbau des Musikverlages zu beteiligen, veranlassten Hans-Jürgen Radecke nach seinem Abitur den Spuren seiner Vorfahren Gustav, Emil und Hugo Bock zu folgen und die Laufbahn des Musikalienhändlers einzuschlagen. Nach ersten Erfahrungen in verschiedenen Abteilungen des Berliner Unternehmens konnte er Mitte der 1950er Jhre als Volontär bei Associated Music Publishers und Peters in New York erste, für Bote & Bock später wichtig werdende Kontakte knüpfen. In der Zeit von 1961 bis 1967 übernahm Hans-Jürgen Radecke die Leitung der Wiesbadener Bote & Bock-Niederlassung, erhielt 1962 die Prokura und wurde 1972 persönlich haftender Komplementär der KG. Nach dem Tod seines Vaters Kurt Radecke 1966 war es an nun an ihm, als Ururenkel des Verlagsgründers in fünfter Generation, die Verlagspolitik und Programmatik des Hauses zu bestimmen. Dem Engagement seines Vaters für zeitgenössische Musik folgend – er hatte bereits Boris Blacher und Gottfried von Einem für den Verlag gewinnen können – holte Hans-Jürgen Radecke weitere Autoren zu Bote & Bock, deren Schaffen das Profil des zeitgenössischen Verlagskataloges geprägt haben und die mit dem Großteil ihres Œuvres bei Bote & Bock vertreten sind. So fanden Berliner Komponisten der „Gruppe Neue Musik" ihren Weg zu Bote & Bock, darunter Karlheinz Wahren, Wilhelm Dieter Siebert, Erhard Großkopf und Thomas Kessler, später gefolgt von Autoren wie Isang Yun, Hans Zender, Frank Michael Beyer, Martin Christoph Redel und Detlev Glanert. Und nach der Wiedervereinigung war es Hans-Jürgen Radecke, der den Verlag für junge Komponistinnen und Komponisten aus Ostdeutschland öffnete und damit die Programmatik des Verlages in Richtung Avantgarde ausbaute. Darüber hinaus entwickelte er kontinuierlich seine Kontakte ins Ausland und verstand es auf diese Weise, wichtige Verlagsauslieferungen für viele Jahre an Bote & Bock zu binden, so u. a. die von AMP, Warner, Alphonse Leduc und Margun.

Gute Verlagsarbeit war für Hans-Jürgen Radecke auch immer gleichbedeutend mit guter Verbandsarbeit. Bereits 1967 arbeitete er als Schriftführer im Vorstand des Deutschen Musikverleger-Verbandes mit und war seitdem ohne Unterbrechung bis 1994 in vielen Funktionen im Vorstand und in verschiedenen Ausschüssen des DMV tätig. Besonders hervorzuheben sind seine Verdienste, die er in seiner Funktion als Vorsitzender bzw. Beisitzer des Ausschusses für Rundfunk- und Tonträgerfragen erworben hat. So waren die umfassenden und langjährigen Erfahrungen, die Hans-Jürgen Radecke in seinen Verhandlungen und Gesprächen mit Medienvertretern sammeln konnte, dem DMV bei der Ausgestaltung der Regelsammlung Rundfunk von großem Nutzen. Dafür und für sein kollegiales Engagement im Verband verlieh ihm der DMV 1994 die Ehrenmitgliedschaft.

Neben seinen Aktivitäten im Verband Deutscher Bühnenverlage, für den er von 1974 bis 2000 dem Vorstand angehörte, waren es vor allem die Interessen der Musikverleger in der GEMA, für die er sich fast 30 Jahre lang ehrenamtlich engagierte. Von 1973 bis 1976 zunächst als Stellvertreter in den Aufsichtsrat gewählt, wechselte er 1976 als ordentliches Mitglied in dieses Gremium und gehörte danach in dieser Funktion bis 1997 dem GEMA-Aufsichtsrat als ordentliches Mitglied an. Danach stand Hans-Jürgen Radecke für weitere drei Jahre dem Aufsichtsrat als Stellvertreter zur Verfügung und hatte bis 2002 auch den Vorsitz des Beirats der GEMA-Stiftung inne.

Für sein vielfältiges verlegerisches Engagement und für seine Verdienste um das Musikleben in Deutschland verlieh ihm der Bundespräsident 2006 das Bundesverdienstkreuz.

Wer Hans-Jürgen Radecke noch persönlich gekannt hat, wird sich an einen korrekt-höflichen, seine Berliner Wurzeln keineswegs verleugnenden und immer hilfsbereiten Kollegen erinnern, der sich vor allem dann angesprochen fühlte, wenn es darum ging, verlegerisch Rat zu geben und weniger Erfahrenen in Sachen Regelsammlung und GEMA-Verteilungsplan weiter zu helfen. Viele haben davon profitiert in all den vielen Jahren, in denen Hans-Jürgen Radecke als Musikverleger tätig war. Selbst dann noch, als Bote & Bock als Teil der Verlagsgruppe Boosey & Hawkes kein Familienunternehmen mehr war, begleitete er als kritischer Beobachter den neuen Weg „seines" Verlages. Als Ruheständler fand er keine Ruhe und setzte sich dafür ein, Bote & Bock als aktiven Musikverlag gesichert zu wissen.

Am 19.12.2013 ist Hans-Jürgen Radecke im Alter von 81 Jahren nach schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben.



Foto: Hans-Jürgen Radecke (© Archiv)

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