Pressestimmen zur DEA von Weinbergers Wallenstein
(November 2009)
"Den Komponisten dürften die Möglichkeiten großer, kontrastreicher Szenen mit vielgestaltigen Ensembles und Chören wie die bei aller Ambivalenz in Tschechien zu verzeichnende Wertschätzung Wallensteins zum Griff nach Schillers Trilogie gereizt haben. Sein tschechischer Librettist Milos Kares brachte das Kunststück fertig, die wesentlichsten Vorgänge des umfang- und wortreichen Dramas auf die Länge eines Opernabends zu konzentrieren. Max Brod vermochte für die mit Weinberger geschaffene deutsche Fassung wesentliche Passagen aus Schillers Text zu nutzen. Aus dem Vorspiel 'Wallensteins Lager' formten die Librettisten eine große, das chaotische Treiben nach eineinhalb Jahrzehnten Krieg darstellende Chorszene mit solistischen Einwürfen wichtiger Akteure. Im Mittelpunkt der insgesamt sechs Bilder steht das komplizierte Für und Wider um die Verhandlungen mit den Schweden, von denen sich Wallenstein gegen den Willen des Kaisers einen Friedensschluss erhoffte. Jaromir Weinberger schuf für diese Vorgänge eine von starken Emotionen erfüllte Musik. Vor allem der farbige Orchesterpart mit reich differenzierter Harmonik beeindruckt nachhaltig. Der in Wallensteins Lager von den verwilderten Söldnern gegrölte Marsch der Pappenheimer erfährt im Verlauf des Stückes fantasievolle, beziehungsreiche Verwandlungen... Matthias Oldag mobilisiert als Regie führender Intendant alle Kraft des Ensembles, gestaltet mit Solisten und Choristen ein bewegtes, bei aller Turbulenz auf Übersichtlichkeit bedachtes Geschehen. Er führt die Akteure in Übereinstimmung mit der Musik, legt Wert auf genaue Charakterisierung." (Werner Wolf, Neues Deutschland, 30.10.2009)"Die deutsche Erstaufführung jetzt an den Bühnen von Gera und Altenburg ist erst die fünfte Aufführung überhaupt. Was mag Weinberger bewogen haben, eine so komplexe Figur wie Wallenstein zum Titelhelden einer Oper zu machen? Der Seitenblick auf den Zeitgenossen Adolf Hitler liegt nahe – Stichwort: die Hybris der Macht. Wallenstein glaubte an die Sterne und sein Horoskop, Hitler beschwor gern die „Vorsehung“. Beide agierten für ihre machtpolitischen Visionen, die speziell bei Hitler etwas Irrationales besaßen, mit äußerster Brutalität. Doch allzu enge Parallelisierungen erscheinen spekulativ... Die Aufführung in Gera setzt sich mit Intensität für Weinbergers Oper ein. Das Orchester unter Jens Troester entfaltet viele Klangfarben und versucht der Musik eine lebendige Gestik zu verleihen. Das schmettert und dröhnt schon mal schön militärisch, kennt aber auch zartere lyrische Akzente. Der regieführende Intendant Matthias Oldag und sein Bühnenbildner Thomas Gruber siedeln das Geschehen zeitlos in einem hohen Betonraum an, die Kostüme und Requisiten (Matthias Rümmler) changieren zwischen Stilen und Zeiten. Der Bariton Teruhiko Komori versteht es, die wachsende Vereinsamung und Einkreisung Wallensteins in Gesang und Spiel eindringlich durchzugestalten... Zur geschlossenen Ensembleleistung tritt auch eine eindringliche Chorpräsenz (Einstudierung Nikolaus Müller). Man erlebt an den kleineren Opernhäusern immer wieder eindrucksvolle Aufführungen, die ihre Lebendigkeit aus solch hingebungsvollem Engagement aller Mitwirkenden gewinnen." (Gerhard Rohde, FAZ, 29.10.2009)
"Bemerkenswert geschickt wurde mit Schillers Riesendrama verfahren. Der originale Librettist Milos Kares hat in nur sechs Bildern Wesentliches konzentriert... Der Liebesgeschichte von Thekla und Max wird breiter Raum gegeben, Liebe muss sein, ein Sopran / Tenor-Paar auch, dem wenig Geringeres abverlangt wird als beispielsweise Siegmund und Sieglinde... Weinberger erweist sich als Komponist, der bei ruhigem Festhalten an der Tonalität in vielen Sätteln gerecht ist, am eindrucksvollsten in den Chorszenen, wo er Rhythmisches brillant behandelt und Folkloristisches geschickt einbringt, ja, fast operettenhaften Schwung hören lässt. Ein wenig Wagner, ein wenig Impressionismus, kraftvolle Expression – aber alles von begabter, einfallsreicher Könnerschaft. Man hat in Gera mit dieser Ausgrabung keinesfalls nur historische Wiedergutmachung geleistet, sondern dem Spielplan eine Oper gewonnen, die ein Publikum fesseln wird." (Renate Wagner, Der Neue Merker, 29.10.2009)
"Sein Anliegen, auch Böhmisch-Volkstümliches in seine Opern zu integrieren, verfolgt Weinberger auch im 'Wallenstein'. Der zum Teil opulente Orchestersatz erinnert an Franz Schreker oder Zemlinsky. Dann erreichen uns von weither Grüße aus Wagners 'Tristan' oder dem 'Ring'. Weinberger kennt die Traditionen und weiß sie virtuos einzusetzen... Ganz verlässt Weinberger die Tonalität nie, doch wenn er an ihre Grenzen geht, wenn sie kaum noch wahrnehmbar ist, hat seine Musik eine farbig-schillernde Magie ganz eigener Prägung, da entstehen zauberhafte, rätselhafte Klänge, die stark berühren. Weinbergers Partitur stellt gerade wegen des weiten stilistischen Spektrums hohe Anforderungen. Das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera empfiehlt sich hier unter der Leitung von Jens Troester einmal mehr als technisch sehr flexibler Klangkörper. Es gelingt auch der Spagat, einerseits mit einem homogenen, warmen Klang zu überzeugen, und andererseits diesen Klang stets durchsichtig zu halten. Man spürt sowohl dem musikantischen Gestus von Weinbergers Musik nach, wie auch der bizarren Mischung von expressionistischen und daneben auch impressionistischen Klangfeldern... Die Regie von Intendant Matthias Oldag hat besonders in den kammerspielartigen, dialogischen Szenen Kraft. Intensität und Spannung nehmen vor allem im zweiten (auch dramaturgisch stärkeren) Teil zu... Die Parallelen des Auf- und Abstiegs von Wallenstein und Hitler sind deutlich und erklären vielleicht auch, warum der jüdische Komponist Weinberger sich in den 1930er Jahren dem gescheiterten Helden Wallenstein zuwandte... ist dem Theater Gera im Ganzen ein kurzweiliger, niveauvoller Musiktheaterabend gelungen. Und es gebührt Lob für das Verdienst - nach Pavel Haas' 'Scharlatan' - mit Weinbergers 'Wallenstein' einen weiteren, mehr als interessanten Blick auf die vielfältigen Ausprägungen des Musiktheaters in den 1930er Jahren geworfen zu haben. Weinbergers Karriere als Komponist ist durch den Nationalsozialismus und den Krieg im zerstört worden, und da ist es nur Recht, dass ein sehr guter Komponist einmal ins Bewusstsein gehoben wird." (Elisabeth Richter, Klassik.info.de, 28.10.2009)
"Weinbergers Musik atmet viel vom Klangkolorit der Zeit, neben feingliedrig wimmerndem Orchesterflimmern gibt es opulente Akkordcocktails aus dem Geist der beiden Sträuße (Johann und Richard) – erstaunlich, wie sich immer wieder große Operngestik und fast tragikomische Operettenstimmungen abwechseln und doch gegenseitig befruchten." (Jörn Florian Fuchs, Wiener Zeitung, 28.10.2009)
"Obgleich Weinberger in seine Opernhandlung behutsam Parallelen zur aktuellen Zeitgeschichte eingebaut hat, mag deren seinerzeitiger – in den Tageszeitungen unterdrückter – triumphaler Erfolg an den sehr eingängigen Melodien liegen. Getreu der Maxime, ein Erfolgsstück benötige mindestens einen Ohrwurm, ist dem Komponisten mit dem Pappenheimer Marsch ein solcher geglückt... Bedauerlich, dass diese Wiederentdeckung nicht vom MDR übertragen wurde. Oper und Interpretation hätten es verdient!" (Peter Paul Pachl, Neue Musikzeitung online, 28.10.2009)
"Dem Militärmachthaber Wallenstein, darauf fokussierte Weinberger streng nach der Vorlage von Schillers Trilogie - entgleitet das Gesetz des Handelns. Octavio Piccolominis Putsch und die Meutereien der Regimenter zwingen ihn zur Flucht. Der Tod des Despoten ist dann nurmehr eine fast beiläufige Konsequenz. Das alles wird von Matthias Oldags Inszenierung schnörkellos als streng gebündelte Versuchsanordnung vorgeführt... Jens Tröster holt aus der Partitur, deren Originalfassung in Gera zugrunde lag, beachtliche Effekte heraus. Und mit Nico Wouterse als Oberintrigant Piccolomini verfügt die Produktion über eine dominierend sonore und distinguierte Simme." (Frieder Reininghaus, DeutschlandRadio Kultur, 24.10.2009)
"Das Theater Gera attrahiert viele auswärtige Besucher: das mutige „Ausgraben“ einer vergessenen Oper stößt auf internationales Interesse. Und das einheimische Publikum ist einigermaßen stolz auf das Renommee seines Hauses – und die beachtenswürdige Qualität der Aufführung. Große Begeisterung – und Vermittlung der positiven Eindrücke an Freunde und Bekannte. Weinbergers 'Wallenstein' wird in Gera zum Erfolg - möglicherweise auch an weiteren Häusern." (Franz Stuke, www.opernnetz.de, 27.10.2009)
> Further information on Performance: Wallenstein
> Further information on Work: Wallenstein
Szenenfoto: © Stephan Walzl
> News Search
Mailing List
Sign up for news updates and offers via email
SIGN UPFeatured Publication
Mussorgsky: Pictures at an Exhibition
Mussorgsky's famous work in Ravel's technicolour orchestration is included in the Masterworks Library of full scores, ideal for conductors, students and music lovers.
READ MORENew Photo Prints Shop


