Zender, Hans: Canto II (1967) 12'
for soprano, mixed chorus and orchestra
Music Text English
Orchesterbesetzung
3(II,III=picc).3.3.3-4.3.3.0-timp.perc-harp-pft-cel-elec.gtr-strings(24.0.0.8.6)
World Premiere
1/26/1968
Musik der Zeit, Köln
Halina Lukomska, soprano / Chor und Sinfonieorchester des WDR / Hans Zender
Anmerkungen des Komponisten
Bei der Komposition von (Ezra) Pounds Canto XXXIX waren zwei Grundgedanken maßgebend: 1. die völlige strukturelle Einheit von Stimmen und Instrumenten – Chor und Orchester verhalten sich gleichsam "spiegelbildlich" zueinander, eine noch so kurze Trennung beider Gruppen ist unmöglich; 2. die Deklamation des Gedichtes in einem ganz bestimmten "Tempo": jede Zeile (bzw. Doppelzeile) wird innerhalb einer stets gleichen Zeitstrecke, nämlich etwa 11 Sekunden, vorgetragen – in immer gleichem wellenartigen Großrhythmus werden die worte von der Musik herangeschwemmt ("to the beat of the measure" – "with one measure, unceasing" heißt es bei Pound). Die Möglichkeiten der Strukturierung einer solchen "Zeitwelle" sind natürlich unbegrenzt. Die Gestalt einander folgender Wellen kann nun entweder einander ähnlich oder unähnlich sein; daraus ergeben sich ganz von alleine drei Möglichkeiten eines formalen Prozesses: bei Folge ähnlich strukturierter Wellen entsteht ein Kontinuum (das entweder gleichbleibend statisch oder in Entwicklung auf ein Ziel begriffen sein kann); bei folge einander gegensätzlicher Strukturen tritt durch die Diskontinuität der musikalischen Vorgänge die individuelle Wellengestalt in den Vordergrund des Erlebens; bei der Kombination beider Möglichkeiten, wenn sich nämlich in sich kontinuierliche, aber einander gegensätzliche Wellenfolgen überlappen, entsteht eine Art Collagetechnik. Die Verteilung dieser verschiedenen Kompositionstechniken auf die Zeitstrecke des ganzen Canto ist zugleich eine bestimmte Interpretation dieses Gedichtes:
A ("Einleitung"): Traumartiges Anklingen der dichterischen Motive (Circe, sunrise, song...) – Komposition: kontinuierlich/statisch.
B (Erster Hauptteil): Vergegenwärtigung der magischen Welt Circes, deren herbstliche Überreife in blitzartig wechselnden Bildern gezeigt wird – Komposition: diskontinuierliche Form, starke Gegensätze, die sich langsam einander nähren.
C (Zweiter Hauptteil): Zunehmende Dramatisierung des Gedichtes, Übergang der Reife in Tod und Fäulnis, mythische Höllenfahrt – Komposition: "Collage"-Prinzip durch Überlagerung (vier bis sechs Zeilen des Textes werden jeweils zu einer Wellenfolge zusammengefaßt).
D (Dritter Hauptteil): Plötzlicher Umschlag des Gedichtes, das in einer Folge immer strahlenderer Bilder die neue Geburt des Frühlings und die Keimkräfte des Lebens beschwört – Komposition: kontinuierlich/ dynamisch im Sinne einer gradlinigen Steigerung.
E ("Coda"): Wie ein Echo klingen noch einmal alle Stimmen des Gedichtes an, in einem letzten Aufleuchten treffen sich Anfang und Ende.
for soprano, mixed chorus and orchestra
Music Text English
Orchesterbesetzung
3(II,III=picc).3.3.3-4.3.3.0-timp.perc-harp-pft-cel-elec.gtr-strings(24.0.0.8.6)
World Premiere
1/26/1968
Musik der Zeit, Köln
Halina Lukomska, soprano / Chor und Sinfonieorchester des WDR / Hans Zender
Anmerkungen des Komponisten
Bei der Komposition von (Ezra) Pounds Canto XXXIX waren zwei Grundgedanken maßgebend: 1. die völlige strukturelle Einheit von Stimmen und Instrumenten – Chor und Orchester verhalten sich gleichsam "spiegelbildlich" zueinander, eine noch so kurze Trennung beider Gruppen ist unmöglich; 2. die Deklamation des Gedichtes in einem ganz bestimmten "Tempo": jede Zeile (bzw. Doppelzeile) wird innerhalb einer stets gleichen Zeitstrecke, nämlich etwa 11 Sekunden, vorgetragen – in immer gleichem wellenartigen Großrhythmus werden die worte von der Musik herangeschwemmt ("to the beat of the measure" – "with one measure, unceasing" heißt es bei Pound). Die Möglichkeiten der Strukturierung einer solchen "Zeitwelle" sind natürlich unbegrenzt. Die Gestalt einander folgender Wellen kann nun entweder einander ähnlich oder unähnlich sein; daraus ergeben sich ganz von alleine drei Möglichkeiten eines formalen Prozesses: bei Folge ähnlich strukturierter Wellen entsteht ein Kontinuum (das entweder gleichbleibend statisch oder in Entwicklung auf ein Ziel begriffen sein kann); bei folge einander gegensätzlicher Strukturen tritt durch die Diskontinuität der musikalischen Vorgänge die individuelle Wellengestalt in den Vordergrund des Erlebens; bei der Kombination beider Möglichkeiten, wenn sich nämlich in sich kontinuierliche, aber einander gegensätzliche Wellenfolgen überlappen, entsteht eine Art Collagetechnik. Die Verteilung dieser verschiedenen Kompositionstechniken auf die Zeitstrecke des ganzen Canto ist zugleich eine bestimmte Interpretation dieses Gedichtes:
A ("Einleitung"): Traumartiges Anklingen der dichterischen Motive (Circe, sunrise, song...) – Komposition: kontinuierlich/statisch.
B (Erster Hauptteil): Vergegenwärtigung der magischen Welt Circes, deren herbstliche Überreife in blitzartig wechselnden Bildern gezeigt wird – Komposition: diskontinuierliche Form, starke Gegensätze, die sich langsam einander nähren.
C (Zweiter Hauptteil): Zunehmende Dramatisierung des Gedichtes, Übergang der Reife in Tod und Fäulnis, mythische Höllenfahrt – Komposition: "Collage"-Prinzip durch Überlagerung (vier bis sechs Zeilen des Textes werden jeweils zu einer Wellenfolge zusammengefaßt).
D (Dritter Hauptteil): Plötzlicher Umschlag des Gedichtes, das in einer Folge immer strahlenderer Bilder die neue Geburt des Frühlings und die Keimkräfte des Lebens beschwört – Komposition: kontinuierlich/ dynamisch im Sinne einer gradlinigen Steigerung.
E ("Coda"): Wie ein Echo klingen noch einmal alle Stimmen des Gedichtes an, in einem letzten Aufleuchten treffen sich Anfang und Ende.
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Hans Krásas Kinderoper wurde zum Inbegriff für Musik in Theresienstadt. Das Werk steht nicht nur im Zentrum des Theresienstadt-Spektrums der Londoner Wigmore Hall, auch zahlreiche neue Inszenierungen sind derzeit zu erleben. Der Klavierauszug ist käuflich erhältlich.
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