Nachrichten zu den Komponisten bei Boosey & Hawkes
KOMPONIST IM PORTRÄT

Mark-Anthony Turnage

 b. 1960Mark-Anthony Turnage Photo: © Philip Gatward

Porträt


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Im Alter von fünfundvierzig Jahren hat Mark-Anthony Turnage noch nicht die Hälfte seiner Karriere hinter sich, doch ist er bereits einer der international meistaufgeführten Komponisten seiner Generation. Alle Versuche, an diesem Punkt seine genaue Position auf der musikalischen Landkarte zu fixieren, tendieren unweigerlich dazu, seine Verbindungen zu vorhergehenden Komponistengenerationen des zwanzigsten Jahrhunderts hervorzuheben, nicht die zu seinen Zeitgenossen. Was der 1960 geborene Turnage jedoch mit all den Komponisten gemeinsam hat, deren prägende musikalische Einflüsse auf die 70er-Jahre zurückgehen, ist ein weit gespannter stilistischer Bezugsrahmen, der in seinem spezifischen Fall dazu führte, dass Rock- und Jazzelementen als Ansatz ebenso viel Berechtigung zugemessen wird wie irgendeinem der üblichen Muster der hohen Kunst.

Folglich nahm Turnage seit seinen ersten, in den 1980er-Jahren veröffentlichten Werken Elemente dieser populären Musikformen in den Stil auf, den er für sich zu entwickeln begann. Neben den Einflüssen von Britten und Strawinsky, von Henze und seinem ehemaligen Lehrer Oliver Knussen fand Turnage Platz für Miles Davis und Prince. Das prägte insbesondere seiner Melodieführung ihren ganz eigenen, sofort identifizierbaren Tonfall auf, vermittelte seinen Rhythmen ihre besondere treibende Energie und verlieh seiner Instrumentierung eine kantige Schärfe in der besonderen Klangwelt, in der Blasinstrumente im allgemeinen und das Saxophon im besonderen eine wichtige Rolle spielen. Im Verlauf der Entwicklung seiner Musik über die letzten zwei Jahrzehnte hin haben sich seine Gewandtheit und Flexibilität insbesondere im Bereich der Orchesterkomposition kontinuierlich weiterentwickelt, doch die spezifischen Merkmale seines Stils sind stets erkennbar geblieben.

Diese Qualitäten waren schon immer mit einer Gabe für lebhafte Dramatik verbunden, und darum kommt es nicht von ungefähr, dass Turnage seinen ersten internationalen Erfolg mit der Oper Greek erzielte, die von Hans Werner Henze für die Münchner Biennale von 1988 in Auftrag gegeben wurde und auf einem Bühnenstück von Steven Berkoff beruht. Wenn dieses Werk den Kulminationspunkt der ersten Phase in Turnages Entwicklung darstellte, dann war die nachfolgende Reihe von Orchesterwerken, die allesamt für das City of Birmingham Symphony Orchestra entstanden (dessen Hauskomponist er von 1989 bis 1992 war), charakteristisch für die nächste Periode. Turnage war nun verstärkt um die Integration seiner stilistischen Einflüsse bemüht, während er in dem abendfüllenden Ensemblewerk Blood on the Floor selbstbewusster die Welten zeitgenössischer Kunstmusik und des Jazz direkt nebeneinander stellte. Diese Darstellung innerstädtischen Verfalls ist für Jazz-Trio und großes Ensemble gesetzt; mehrere Sätze enthalten auch improvisierte Abschnitte.

In weiteren Kooperationen mit führenden Instrumentalisten wie Dave Holland, John Scofield, Peter Erskine und Joe Lovano hat Turnage sein Interesse am Jazz weiterverfolgt, während er andererseits seine stetig wachsende Beherrschung groß angelegter Musikformen bewies, sei es in der profunden Dramatik seiner zweiten abendfüllenden Oper The Silver Tassie auf der Basis von Sean O'Caseys Schauspiel oder in der immer umfangreicheren Reihe von Stücken, die er in den vergangenen Jahren im Auftrag von Orchestern beiderseits des Atlantik geschrieben hat. Ganz offenbar hat sich herumgesprochen, dass Turnage Musik schreibt, die Orchester mit Vergnügen spielen und auf die das Publikum unmittelbar reagieren kann; das ist eine Achtung gebietende, attraktive Kombination.

Andrew Clements, 2005
(leitender Musikkritiker der Tageszeitung The Guardian und Autor des Bandes Mark-Anthony Turnage, Faber & Faber 2000)
Übersetzung Anne Steeb/Bernd Müller

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