Nachrichten zu den Komponisten bei Boosey & Hawkes
KOMPONIST IM PORTRÄT

Zdenek Lukáš

 b.21 August 1928, Prague
d.13 July 2007, PragueZdenek Lukáš Photo © V. Tachezy, 1997

Biographie


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Zdenek Lukáš zählt zu den herausragenden tschechischen Komponisten dieses Jahrhunderts. Geboren am 21. August 1928 in Prag, studierte Lukáš am Prager Schauspielinstitut und arbeitete zunächst als Grundschullehrer. Von 1953 bis 1964 war er Redakteur und Leiter des Literaturressorts beim tschechischen Radio in Pilsen, wo er 1954 den gemischten Chor Ceska Pisen (das tschechische Lied) gründete, der sich unter seiner Leitung in den ersten 20 Jahren künstlerisch stetig weiterentwickelte. Mit Lukáš errang der Chor internationale Anerkennung. Seinen Ruf hat er bis heute bewahrt.

Zdenek Lukáš’ Musik spiegelt, ebenso wie sein persönliches Schicksal, die Begegnung einer natürlichen Begabung mit einer freizügigen Gesellschaft. Er entsprang einer Tradition lebendigen Musizierens in einer Familie von Lehrern. Dort wurde, wie er erzählte, „die ganze Zeit Musik gemacht“. Auch er selbst begann seine Laufbahn als Lehrer, und all sein Wissen vom Komponieren erlang er abseits des offiziellen Musikbetriebs.

Lukáš begann mit dem Komponieren auf dem Gymnasium, wo Antonin Madr Musiktheorie unterrichtete. Später, während seiner Zeit in Pilsen, verlegte er sich auf Volksliedbearbeitungen für seinen Chor und begann erst nach und nach mit dem Schreiben eigener Werke. In der Dynamik, die den charakteristischen Stil seiner Musik ausmacht, lebt die Volksmusiktradition seiner Heimat weiter, in der er aufgewachsen war. Lukáš, der im Wesentlichen Autodidakt war, verarbeitete in seinen Werken die Melodik und die rhythmischen Impulse der Volksmusik. Sein Schaffen durchlief mehrere Phasen: Nach den romantischen Anfängen seiner Volksliedbearbeitungen schrieb Lukáš  zunächst Hörspielmusik fürs Radio, experimentierte dann mit elektronischer Musik und führte schließlich seine gesamte musikalische Spontaneität, immer jedoch streng diszipliniert, in einer reifen Synthese zusammen.

Ein wichtiger Anstoß für Lukáš’ Schaffen war das Treffen mit dem Komponisten Miloslav Kabelac im Jahr 1962. Von dem Moment an begann er sich als Komponist einen Namen zu machen. Acht Jahre lang arbeitete er mit Kabelac zusammen und vervollkommnete seine musikalische Ausbildung in Seminaren. Die Verbindung von Lehre und gegenseitiger Unterstützung wurde zu einer unschätzbaren Grundlage für Lukáš. Seit 1964 widmet er sich ausschließlich dem Komponieren, nur unterbrochen von einem zeitweiligen Lehrauftrag am Prager Musikkonservatorium und später der vierjährigen Leitung eines Frauen-Kammerchors für das Staatliche Tschechoslowakische Ensemble für Lieder und Tänze.

Nach dem tragischen Jahr 1968 wandte sich Lukáš von der Zusammenarbeit mit anderen ab und konzentrierte sich ganz darauf, seinen eigenen melodischen und rhythmischen Stil zu finden, dessen Ursprünge, ähnlich wie bei Carl Orff, in der tschechischen Sprache, Volkskultur und vorklassischen Musik zu finden sind. Gleich beim ersten Hören seiner Musik spürt man das innere Feuer des Komponisten. Seine lebendiger Stil überträgt sich auf zupackende Weise auf den Hörer.

Die persönliche Sprache, die Lukáš’ musikalischen Stil auszeichnet, ist eine Synthese aus traditionellen Ausdrucksmitteln und Techniken der Gegenwart. Die Harmonik und Melodik folgen modaler Logik, komplexe metrische Strukturen werden auf mehreren Ebenen verbunden und die Musik ist von einem Sinn für Klangfarben inspiriert. Charakteristisch für Lukáš’ Werke ist sein melodischer Einfallsreichtum. Die Melodie bildet gleichsam den Schwerpunkt seiner Kompositionen. Häufig verwendet er eine so genannte oktatonische Skala, in der sich große und kleine Sekundschritte abwechseln; daraus resultiert ein zusätzlicher Ton innerhalb der Oktave, etwa C-D-Es-F-Ges-As-A-H-C. Ein wesentliches Kennzeichen seiner Musik ist auch der starke Sinn für Rhythmik und Metrik, der seiner genauen Kenntnis von Volksliedern und -tänzen entspringt. In seiner Beherrschung der Form, in der häufig Rondo-Elemente auftauchen, wird die außergewöhnliche Fähigkeit des Komponisten offenbar, latentes Potenzial für die kompositorische Ausgestaltung seiner Ideen aufzuspüren.

Zdenek Lukáš’ Schaffen umfasst über 330 Werke, für die er zahlreiche internationale Preise erhalten hat, darunter sechs Sinfonien, viele konzertante Instrumentalwerke, mehrere Opern, Kammermusik und eine reiche Sammlung von Chor- und Vokalkompositionen. Lukáš’ Werke werden häufig bei den wichtigsten tschechischen Festivals aufgeführt und erfreuen sich auch international großer Aufmerksamkeit.

(Quelle: API Music)

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