Nachrichten zu den Komponisten bei Boosey & Hawkes
KOMPONIST IM PORTRÄT

Unsuk Chin

 b.14 July 1961, Seoul, KoreaUnsuk Chin Photo © Woenki Kim

Biographie


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Kurzbiographie:

Unsuk Chin wurde 1961 in Seoul, Korea, geboren. Sie studierte Komposition an der Seoul National University bei Sukhi Kang sowie von 1985-1988 bei György Ligeti an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Der Erste Preis beim Gaudeamus-Wettbewerb in Amsterdam 1985 markierte den Beginn ihrer internationalen Karriere. Seither wurden ihre Werke von vielen der internationalen Spitzenorchester zur Aufführung gebracht, darunter die Berliner Philharmoniker, das New York Philharmonic Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das Los Angeles Philharmonic Orchestra, das London Philharmonic Orchestra, das Birmingham Symphony Orchestra, das BBC Symphony Orchestra, das Orchestre Philharmonique de Radio France, das Gürzenich-Orchester Köln, das Orchestre Symphonique de Montréal, außerdem von renommierten Instrumentalgruppen wie dem Ensemble Intercontemporain, dem Ensemble Modern, der London Sinfonietta, Asko|Schönberg Ensemble sowie dem Kronos Quartet und dem Arditti Quartet.  In Auftrag u.a. des Pariser IRCAM entstanden auch elektronische Kompositionen.

Zu Chins Interpreten zählen Dirigenten wie Kent Nagano, Simon Rattle, Gustavo Dudamel, Alan Gilbert, Esa-Pekka Salonen, David Robertson, Peter Eötvös, Neeme Järvi, Markus Stenz, Myung-Whun Chung, George Benjamin, Susanna Mälkki, François-Xavier Roth, Leif Segerstam and Ilan Volkov. Unsuk Chin ist seit 2005 composer-in-residence des Seoul Philharmonic Orchestra, ein Posten, den sie 2001/2002 auch beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin innehatte. Zahlreiche internationale Festivals und Konzerthäuser widmeten ihrem Schaffen Schwerpunkte. 2004 wurde Unsuk Chin für ihr Violinkonzert mit dem Grawemeyer Award for Music Composition, 2005 mit dem Arnold Schönberg-Preis und 2007 mit dem Heidelberger Künstlerinnenpreis ausgezeichnet. 2007 wurde sie mit den Preisen der Kyung-Ahm und der Daewon Foundation in Korea ausgezeichnet; 2010 erhielt sie den Musikpreis der Stiftung Fürst Pierre zu Monaco und 2012 den koreanischen Ho-Am Prize.

2007 kam Chins erste Oper "Alice in Wonderland" an der Bayerischen Staatsoper zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele zur Uraufführung (auf DVD erschienen bei Unitel Classica). Ihre zweite Oper, 'Through the Looking Glass', wurde vom Royal Opera House in London für die Saison 2018/2019 in Auftrag gegeben. Portrait-CDs ihrer Musik erschienen bei der Deutschen Grammophon, Kairos und bei Analekta. Seit 2006 leitet Chin die von ihr gegründete Neue Musik-Reihe des Seoul Philharmonic Orchestra, seit 2011 ist sie künstlerische Leiterin der Reihe „Music of Today“ des Philharmonia Orchestra in London. Chins Werke werden exklusiv beim Verlag Boosey & Hawkes verlegt. Die Komponistin lebt seit 1988 in Berlin.

Mai 2013


Langfassung:

Unsuk Chin wurde 1961 in Seoul, Korea, geboren. In frühester Kindheit brachte sie sich selbst Klavierspiel und Musiktheorie bei; schließlich studierte sie Komposition an der Seoul National University bei Sukhi Kang. Bei den Pan Music Festivals trat sie als Pianistin auf. 1984 wurde ihr Stück Gestalten für die IGNM Weltmusiktage in Kanada sowie 1986 für den "Rostrum of Composers" der UNESCO ausgewählt. Mit dem Stück Spektra für drei Violoncelli gewann sie 1985 den Grand Prix beim Internationalen Gaudeamus Kompositionswettbewerb. 1985 siedelte sie als Empfängerin eines DAAD-Stipendiums nach Europa über und studierte bis 1988 in Hamburg Komposition bei György Ligeti, der sie ermutigte, die Ästhetik der Avantgarde jener Zeit zu hinterfragen. Seither lebt und arbeitet Unsuk Chin in Berlin. 2004 gewann sie den renommierten Grawemeyer Award for Music Composition für ihr Violinkonzert.

Chins Musik besitzt eine moderne Sprache, ist aber lyrisch und voll undoktrinär kommunikativer Kraft. Ihre Farbigkeit kann vielleicht durch Chins Affinität zur außereuropäischen und durch ihre Beschäftigung mit elektronischer Musik erklärt werden. Chins Faszination durch virtuose Polyrhythmik schlägt sich sowohl in einer Folge von Klavieretüden als auch in einer Reihe konzertanter Werke für verschiedene Instrumente und in ihren Orchester- und Ensemblestücken nieder. In ihrem Orchesterwerk Miroirs des temps verwendete Chin kompositorische Konzepte von Komponisten des Mittelalters wie Machaut und Ciconia auf eine originelle Weise.

Die Texte von Chins Vokalmusik beruhen oft auf experimenteller, gelegentlich selbstreferentieller Poesie, die Techniken wie Akrostichen, Anagramme und Palindrome verwendet, welche sich dann auch in der musikalischen Struktur widerspiegeln. Spielerische Aspekte herrschen auch in ihrer Oper Alice in Wonderland vor. Theatrales kommt auch in einigen Instrumentalstücken zum Einsatz, darunter Allegro man non troppo für Schlagwerk und Zuspiel, Cantatrix Sopranica für Stimmen und Ensemble und Double Bind? für Violine und Elektronik.

Chins Kompositionen wurden auf zahlreichen Festivals und in Programmreihen in Europa, dem fernen Osten und Nordamerika aufgeführt. Sie erzielte ihren Durchbruch mit Akrostichon–Wortspiel (1991–93) für Sopran solo und Ensemble, das bis heute in 15 Ländern von so führenden Künstlern wie dem Ensemble Modern unter der Leitung von George Benjamin, der Birmingham Contemporary Music Group unter Sir Simon Rattle, dem Nieuw Ensemble Amsterdam, dem Asko Ensemble, dem Ictus Ensemble sowie den Neue-Musik-Vereinigungen des Los Angeles Philharmonic und des Philharmonia Orchestra interpretiert wurde. Zu ihren weiteren Werken zählen Die Troerinnen nach dem Schauspiel des Euripides, für drei Sängerinnen, Frauenchor und Orchester, Fantaisie mécanique, Xi und das Double Concerto, alle drei vom Ensemble Intercontemporain in Auftrag gegeben, ParaMETAString, eine Auftragskomposition für das Kronos Quartet, das für das BBC Symphonie Orchestra of Wales geschrieben Klavierkonzert sowie Miroirs des temps, entstanden im Auftrag der BBC für das Hilliard Ensemble und das London Philharmonic Orchestra. Im Jahr 2000 wurde die Klavieretüde Nr.6 (Grains) vom South Bank Center aus Anlaß von Pierre Boulez’ 75. Geburtstag in Auftrag gegeben. Kalá für Soli, Chor und Orchester entstand im gemeinsamen Auftrag des Dänischen Rundfunk-Sinfonieorchesters, der Göteborger Sinfoniker und des Philharmonischen Orchesters Oslo und wurde im März 2001 unter der Leitung von Peter Eötvös uraufgeführt. Außerdem betätigte sich Chin aktiv als Komponistin elektronischer Musik. Viele Jahre arbeitete sie als freischaffende Komponistin am Elektronischen Studio der Technischen Universität Berlin. 2000 wurde Xi für Ensemble und Elektronik beim Internationalen Wettbewerb für Elektroakustische Musik in Bourges mit dem Ersten Preis ausgezeichnet. Ihr jüngstes Werk in dieser Gattung, Double Bind? für Violine und Elektronik, wurde im Pariser IRCAM konzipiert sowie 2007 uraufgeführt.

In der Saison 2001/02 war Chin Composer in Residence beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin – eine Zusammenarbeit, die im Auftrag für das Violinkonzert gipfelte, das im Januar 2002 von Viviane Hagner als Solistin und Kent Nagano als Dirigent aus der Taufe gehoben wurde. Das Werk erklang seither in zehn Ländern Europas, Asiens und Nordamerikas. Zu den Kompositionen der jüngeren Zeit zählen außerdem snagS & Snarls (2003–04) für Sopran und Orchester, ein Auftrag der Los Angeles Opera, Cantatrix Sopranica (2004/05) für zwei Soprane, Countertenor und Ensemble, entstanden im gemeinsamen Auftrag der London Sinfonietta, der Los Angeles Philharmonic New Music Group, des Festivals St Pölten, des Ensemble Intercontemporain und der musikFabrik, sowie das im gemeinsamen Auftrag des Orchestre symphonique de Montréal, der Bayerischen Staatsoper, der Beijing Music Festival Arts Foundation und des Seoul Philharmonic Orchestra entstandene Orchesterwerk Rocaná.

1993 erhielt Chin den Ersten Preis bei der Competition for Orchestral Works to Commemorate the Semicentennial of the Tokyo Metropolitan Government, und 1997 den Ersten Preis für zeitgenössische Klaviermusik beim Concours International de Piano d’Orléans. Sie wurde mit dem Arnold Schönberg-Preis 2005 sowie dem Heidelberger Künstlerinnenpreis 2007 ausgezeichnet sowie mit mit den Preisen der Kyung-Ahm und der Daewon Foundation. 2006 wurde sie zum Composer in Residence beim Seoul Philharmonic Orchestra berufen und ist seitdem auch künstlerische Leiterin von dessen Reihe „Ars Nova“.

Unsuk Chin waren im Jahr 2007 Programmschwerpunkte bei den Festivals in Manchester, Umea, Turin/Mailand und Strasbourg gewidmet. Chins Bühnenwerk Alice in Wonderland nach Lewis Carroll hatte am 30.06.2007 an der Bayerischen Staatsoper in München Weltpremiere in der Regie von Achim Freyer und unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano. Zu ihren jüngsten Werken gehörten ein Cellokonzert im Auftrag der BBC für den Solisten Alban Gerhardt (Uraufführung am 13.08.2009 bei den Londoner „Proms“), das im Auftrag der Suntory Hall Tokio entstandene Konzert für Sheng und Orchester Šu (UA am 28.08.2009) sowie das im Rahmen des vom Ensemble Modern und dem Siemens Arts Program gemeinsam initiierten Musikprojekts „into“ komponierte Gougalon (UA am 09.10.2009 in Berlin). Gegenwärtig ist Unsuk Chin Composer in Residence an der Philharmonie Essen (Spielzeit 2009/10); im Juni 2010 erlebt Alice in Wonderland in neuer Inszenierung seine Schweizer Erstaufführung; ein neues Werk entsteht für das Ensemble Intercontemporain.

Chins Musik ist zu hören auf einer CD der Deutschen Grammophon mit Einspielungen von Akrostichon–Wortspiel, Fantaisie mécanique, Xi und des Doppelkonzert durch das Ensemble Intercontemporain. Das Violinkonzert und Rocaná erschienen Anfang 2009 in einer Einspielung mit Viviane Hagner sowie dem Orchestre Symphonique de Montréal unter Kent Nagano (nominiert für die MIDEM CLASSICAL AWARDS 2010). Neue CDs sind bei den Labels Wergo und Kairos in Vorbereitung.

Unsuk Chins Werke erscheinen exklusiv beim Verlag Boosey & Hawkes.

Januar 2010

This biography can be reproduced free of charge in concert programmes with the following credit: Reprinted by kind permission of Boosey & Hawkes

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