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Nijinskys Tagebuch von Detlev Glanert: Pressestimmen

(April 2008)

DETLEV GLANERT
Nijinskys Tagebuch
zwei Sänger, zwei Schauspieler, zwei Tänzer und Instrumente
Texteinrichtung von Carolyn Sittig nach den Tagebüchern von Waslaw Nijinsky in der deutschen Übersetzung von Alfred Frank
UA: 06.04.2008 Theater Aachen
Inszenierung: Ludger Engels
Musikalische Leitung: Daniel Jakobi
Bühne: Ric Schachtebeck
Kostüme: Moritz Junge
Dramaturgie: Kai Weßler
mit Eva Bernard, Martin Berner, Anne Wuchold, Matthias Bernhold, Unita Galiluyo, Felix Bürkle und dem sinfonieorchester Aachen

Pressestimmen:

Nach dem großformatigen „Caligula“ atmet Glanert jetzt durch, mit der bei ihm üblichen handwerklichen Akkuratesse und Meisterschaft, auf eher kammermusikalischem Format mit einer einfühlsam kreisenden Studie über den Beginn des geistigen Verfalls Nijinskys. Für die Bühnenqualität der Komposition und ihrer Umsetzung spricht schon die Tatsache, daß die endlosen, nicht einfach strukturierten Textmassen, ohne jede Übertitelung aus- und in ihrer durchweg klaren Artikulation auch beim Publikum ankommen ... Daniel Jakobi am Pult des sowohl mit barocken als auch modernen Instrumenten verstärkten, aber klein besetzten Sinfonieorchesters Aachen entfaltet Glanerts akustische Mischtechnik nicht nur ihr sozusagen diagnostizierendes Potential für den protokollierten Verfall, sondern zieht alsbald auch in den Sog ihrer spröden Sinnlichkeit.
Joachim Lange, Frankfurter Rundschau, 09.04.2008

Wie aber schreibt man für einen solchen Exkurs in das Innere der Psyche die korrespondierende Musik? Glanert benötigt aus dem von Daniel Jakobi mit sicherer Hand geleiteten Sinfonieorchester Aachen lediglich zwei Blockflöten, Oboe und Englischhorn, ein Saxophon, Fagott und Kontrafagott, ein Naturhorn, zwei Posaunen, eine Gitarre, ein winziges Streicherkorps inklusive einer Gambe, dazu Klavier, Cembalo, Synthesizer und Schlagzeug. Erzeugt wird damit eine hochdifferenzierte, vielgestaltige Klangstruktur. Ein Vierteltonintervall, das immer weiter entwickelt wird, wirkt gleichsam verstörend auf den Text zurück. Drei instrumentale Zwischenspiele suggerieren Traumatisches, Tanz und Jazzeinsprengsel führen Naiv-Heiteres quasi als Erinnerungsmotive ein. Alles ist formal und dramaturgisch wohlüberlegt, mit sicherer Hand gesetzt, der Textstruktur mit komponierten Schleifen immer auf der Spur ... Ein gut gearbeitetes Musiktheaterstück
Gerhard Rohde, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2008

Musik, die ebenso wie die Worte, Gesten, Verstörungen und Zustände vor allem das Zersplitterte, Widerhallende, nicht mehr linear Stringente eines verschwindenden Bewußtseins imaginiert. Es ist eine lakonische und doch sinnliche Musik, die sich aus der Melodie und dem Rhythmus der Sprache erhebt und in vier kurzen, verstörend schönen Orchesterzwischenspielen auch gänzlich zu sich selber findet. Daniel Jakobi sorgt am Pult des zwar nicht allzu groß besetzten, aber doch mit barocken und modernen Instrumenten ergänzten Sinfonieorchesters Aachen für eine so präzise wie sinnliche Umsetzung ... Der nüchterne Bühnenraum erlaubt Regisseur Ludger Engels jene exzessive kammerspielartige Verdichtung, die Glanert eindringlich hörbar und nachvollziehbar macht.
Roberto Becker, Neues Deutschland, 10.04.2008

Der Uraufführung von Glanerts siebtem abendfüllendem Bühnenwerk „Nijinskys Tagebuch“ am Aachener Theater merkte man an, mit welchem Interesse sich der 1960 geborene Hamburger dem Schauplatz einer zerrissenen Seele näherte. Das Premierenpublikum folgte ihm einhellig auf diesem ungewohnten Weg. Die Uraufführung wurde ein voller Erfolg.„Nijinskys Tagebuch“ zeigt die seelische Krise pur ... Die Spaltung der Persönlichkeit treibt Glanert auf die Spitze, indem die Figur quasi in sechs Figuren aufgesplittert wird, dargestellt durch jeweils zwei Sänger, zwei Schauspieler und zwei Tänzer, wobei alle ihre Fachgrenzen überschreiten müssen. Glanert gibt sich in der Musik härter und schroffer als in seinen bisherigen Werken ... Abweisende Clusterblöcke wechseln mit gefälligen Musical-Anklängen, bizarr verrenkte Klänge mit tonalen Gesängen von feiner Poesie.
Pedro Obiera, Gießener Allgemeine, 07.04.2008

Der routinierte Komponist hat sich auch formal auf neues Terrain gewagt ... Die durchweg großartigen Darsteller müssen alles können: Schauspieler und Tänzer singen auch, die Sänger tanzen, alle sind permanent auf der Bühne. Die Musik arbeitet mit kleinsten Motivzellen und harten Brüchen, bleibt aber stets funktionierende, verständliche Theatermusik.
Constanze Schmidt,  Financial Times Deutschland, 07.04.2008

Mit einhelliger Begeisterung hat das Premierenpublikum im Aachener Theater auf die Uraufführung von Detlev Glanerts Musiktheater „Nijinskys Tagebuch“ reagiert. Erneut hat Komponist Detlev Glanert unter Beweis gestellt, daß er sich darauf versteht, mit moderat modernen Tönen auch zu unterhalten. Seit geraumer Zeit schon ist Glanert einer der meistgespielten lebenden Komponisten an deutschen Opernhäusern ... Der Aachener Chefregisseur Ludger Engels führt die sechs Akteure, die allesamt großartig sind, mit höchster Präzision und ganz nah an Glanerts Tonspur.
SZOn (dpa), 07.04.2008


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Szenenphoto: © Wil van Iersel

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