Boosey & Hawkes Composer News
FEATURED COMPOSERS
Vivier, ClaudeTrois airs pour un opéra imaginaire (1982) 15'
for soprano and ensemble

Music Text      English

Scoring
1.picc.0.2.bcl.0-1.0.0.0-perc:gong gliss/Chin.gong/Balinese gong/tam-t/t.bells/crot/brake drs/flexatone/vib/BD-strings(1.1.1.1.1)

World Premiere
3/24/1983
Centre Georges Pompidou, Paris
Brenda Hubbard, soprano / l'Itineraire / Yves Prin


Composer's Notes      Français

Programme Note  
Trois airs pour un opéra imaginaire (Drei Arien für eine imaginäre Oper) entstand 1982 als das letzte vollendete Werk des 1948 in Montréal geborenen Komponisten Claude Vivier.  Viviers erste Begegnung mit Musik geht auf sein Erlebnis der Weihnachtsmesse zurück; dieses Erlebnis wiederzugewinnen, war das eigentliche Ziel seines Schaffens. "Je veux que l’art soit sacré", hat er einmal bekenntnishaft geschrieben: Komponieren müsse wie Weilhnachten sein, feierlich, mythisch, immer aufs neue die Götter nachahmend. Zutiefst glaubte er an die Macht der Musik, die Kriege verhindern und die Menschheit retten könne.  Seine künstierische Vorstellugswelt ist vom Katholizismus seiner Kindheit und Jugend ebenso wie von den östlichen Religionen durchdrungen.

Als Ausdrucksmittel seiner musikalischen Ideen bevorzugte Vivier die menschliche Stimme, die – so hat es der kanadische Komponist John Rea treffend ausgedrückt – eine Art "Fenster" zu seiner Innenwelt bildet, das uns "Klangbilder" offenbart, Chiffren von Träumen, Sehnsüchten und Ängsten. In den Trois airs pour un opéra imaginaire meinen wir diese Traumbilder als Fragmente einer Handlung wahrzunehmen, wenn etwa ein Kind vor sich hinsummt, Glocken ein Ritual evozieren, eine psalmodierende Stimme ertönt, Angstschreie hereinbrechen oder ein Sturm aufkommt. "Es sind nur Aussagen, musikalische Aussagen, die eigentlich nirgendwo hinführen" (Vivier), deren Sprache jenseits begrifflicher Konkretheit bleibt. Es ist bezeichnend für das Werk dieses belesenen, polyglotten Musikers, der neben den europäischen Sprachen auch das Indonesische beherrschte, wie er seine aus erfundenen oder besser "gefundenen" Silben und Lauten zusammengefügten "Texte" gleichsam in die Melodie hineinkomponierte und die Sprache somit der "émotion musicale" (Vivier) unterwirft.  Die Musik dieser drei, nur durch kurze Atempausen getrennten Arien, weckt einerseits Erinnerungen an die fernöstliche Klangwelt van Gamelan und Gagaku, andererseits an eine Kirchenmusik unbestimmter Herkunft. Das Wek ist ein ergreifendes Mysterienspiel, unprätentiös und in seiner Aufrichtigkeit und Einfachheit von kindlicher Naivität.
Der Glaube an Reinkarnation, die Sehnsucht nach der Ewigkeit und damit der Gedanke des Todes sind in allen Werken Viviers präsent. 1971 komponierte er Musik für das Ende für Chor a cappella; seine Oper Kopernikus (1980), die den Untertitel Rituel de mort trägt, erzähit von den Prüfungen einer Seele auf dem Weg zwischen menschlichem und ewigem Leben.  Das letzte, unvollendet gebliebene Werk für Chor, drei Synthesizer und Schlagzeug heißt Crois-tu en l’immortalité de l’âme? (Glaubst du an die Unsterblichkeit der Seele?).  Auf der letzten Seite seines Manuskripts findet sich innerhalb der Chorpassage "Il faisait nuit et j’avais peur" Viviers Schilderung seiner Ermordung. Sonderbar, daß er seinen eigenen Tod vorauszusehen vermochte. Am 7. März 1983 wurde er in seiner Pariser Wohnung auf grausamste Weise umgebracht. In das texte apparaissant à gauche de la note à la hauteur Ligeti u mot Indonesische Portrait wurden auf ausdrücklichen Wunsch des Komponisten die Trois airs pour un opéra imaginaire des kanadischen Komponisten ClaudeVivier integriert.

Louise Duchesneau





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