Aubers Cheval de bronze in Berlin: Pressestimmen
(March 2012)
Die Komische Oper Berlin hat ein Daniel François Esprit Aubers Oper Le Cheval de bronze wieder auf die Bühne geholt (Premiere: 11. März 2012) – eine Farce in chinesischen Kostüm, ein französischer Vorläufer des Mikado von Gilbert & Sullivan. Regie führte Frank Hilbrich, die musikalische Leitung hatte Maurizio Barbacini.
Folgeaufführungen am 26. März, 7. & 27. April, 6., 15. und 28. Mai und 3. Juli 2012
Der Mitschnitt der Premiere wird am 07.04.2012 ab 20 Uhr auf Deutschlandradio Kultur gesendet.
Pressestimmen:
„Aubers Musik ist ja eine Art Soundtrack und Puls des Kapitalismus und der Industrialisierung: Ganze Nummern bestehen nur aus effektvollen Wiederholungen, die einem unter Hochdruck durchaus in die Glieder fahren. Maurizio Barbacini lässt das im Graben schön schäumen zwischen schmetternder Leichtigkeit und ironisierter Innerlichkeit.“ (Georg Kasch, Berliner Zeitung, 13.03.2012)
„Scribe schrieb Aubert die Geschichte vom ‚Bronzenen Pferd‘. Sie ist von Anfang an schon verdreht genug, um drei ausgedehnte Akte lang Überraschungen am laufenden Band zu säen. Den melodischen Zündstoff des Stücks bringt das kultiviert pfiffige Orchester der Komischen Oper deutlich heraus ... Es war hübsch, Aubers Funkelmusik in sich hineinzulöffeln, sie überhaupt erst einmal kennenzulernen. Sie macht durch ihre freundliche Besessenheit Freude, zumal sie mit Pfiff, Verständnis und Achtsamkeit serviert wird. Maurizio Barbacini ist der Held des Abends. Er versteht es, Stilgefühl nahtlos mit Gutgelauntheit zu verbinden.“ (Klaus Geitel, Die Welt, 13.03.2012)
„Tolldreiste Komödie: An der Komischen Oper Berlin entdeckt Regisseur Frank Hilbrich ‚Das bronzene Pferd‘ neu, den Hit der Pariser Theatersaison 1835. Die Farce hat auch heute das Zeug zum Publikumsrenner ... Der viel beschäftigte Dichter entwarf das Szenario, in seiner Schreibwerkstatt wurde dann an Situationskomik und Dialogwitz gefeilt – und Auber lieferte seine charmante, eingängige, genuin pariserische Musik dazu. Piccoloflöte und Triangel, Instrumente, die deutsche Komponisten allenfalls am Rande interessieren, werden bei Auber zu Protagonisten, sorgen für das typisch Prizzelige seines Orchesterklangs. Dazu lassen Becken und große Trommel die Champagnerkorken knallen. Bei der Premiere am Sonntag fängt der Dirigent Maurizio Barbacini mit den glänzend aufgelegten Musikern der Komischen Oper die energetische, animierende Schaumweinstimmung perfekt ein. Chapeau! Gleichzeitig wird so textdeutlich gesungen, wie man es hier schon lange nicht mehr erlebt hat. Und es lohnt sich, die Worte zu verstehen, denn die deutsche Übersetzung von Bettina Bartz und Werner Hintze bewegt sich durchaus auf Augenhöhe mit dem Originallibretto ... Frank Hilbrich inszeniert den tolldreisten Irrsinn mit jenem szenisch-organisatorischen Aufwand und jener Detailversessenheit, die unabdingbar sind, wenn man das rasante Komödientempo drei Stunden lang konstant halten will. Volker Thiele hat ihm eine herrlich geschmacklose Neureichenvilla mit affigem Stuck und protzigen Sesseln in Pseudorokoko gebaut, Gabriele Rupprecht steckt die falschen Chinesen in grellbunte Karnevalskostüme und macht die Choristinnen auf der Venus zu Nacktmodels – durch bodenlange weiße Roben, die vorne mit perfekten Körpern bedruckt sind. Zum Auge, Ohr und Geist erquickenden spectacle aber wird das Amüsement erst durch die Ensembleleistung, durch das kollektive Pointen- Pingpong einer tollen Truppe.“ (Frederik Hanssen, Tagesspiegel, 13.03.2012)
„Endlich mal komische Oper! ... Erika Roos [als Tao-Jin] holt Konfetti aus dem Trauerflor und lässt die schwerste Arie des Abends ganz luftig klingen. Hilbrich verpasst bei seiner Inszenierung keine Zote, aber genau so muss das sein: Ein schmutziger Witz auf technischem Höchstniveau, so war die Opéra comique geplant. Lauter, lustvoller Beifall!“ (BZ, 12.03.2012)
„Hilbrich hält die turbulent-skurrile Geschichte gut am Laufen. Auf der mit zwei Sesseln und manchmal mit Umzugskartons möblierten Bühne (Volker Thiele) agieren alle mit offensichtlichem Spaß und einige in bester Slapstick-Manier. Netterweise nimmt sich niemand selbst ernst, alle überdrehen ihren Part ganz bewusst. So haben es sich Auber und sein Librettist Eugène Scribe wohl auch gedacht. Die Story ist ohnehin hanebüchen, wobei mit den hier agierenden Chinesen durchaus wir alle gemeint sind.“ (Ursula Wiegand, Der Neue Merker, 13.03.2012)
„Man staunt: In ihrer Spritzigkeit und Originalität kann die Oper durchaus mit Gioacchino Rossini mithalten; vor allem aber erinnert hier manches an die Operetten eines Jacques Offenbach – lange bevor dieser damit in Paris Erfolge feierte. Die Komische Oper Berlin hat hier das Verdienst, ein Werk ausgegraben zu haben, das unbedingt an ein Haus dieses Namens gehört, denn komisch ist diese Oper wirklich, herrlich absurd und komplett durchgedreht.“ (Andreas Göbel, kulturradio, 12.03.2012)
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Szenenfoto: © Thomas M. Jauk
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