FEATURED COMPOSERS

Ein "5. Klavierkonzert" von Rachmaninoff

(April 2008)

Der Pianist/Komponist Alexander Warenberg arbeitete Rachmaninoffs Symphonie Nr.2 für Klavier und Orchester um – und schuf damit ein Solokonzert, dem erste Pressestimmen (das Stück erschien soeben beim Label Brilliant Classics) den Rang eines ‘Originalwerks’ zusprechen:

Beim Hören von Rachmaninows zweiter Sinfonie wird wohl so manchem schon der Gedanke gekommen sein, ob er da nicht womöglich ,,Music minus one“ höre – nämlich ein verhindertes Klavierkonzert ...
Rachmaninows Tonsprache, seine Melodik, Satzweise und Instrumentation ließ Warenberg, von gelegentlichen kleinen Retuschen abgesehen, unangetastet. Und in der neu hinzugefügten Solostimme bewies er perfektes Einfühlungsvermögen in dessen eigentümlichen Klaviersatz. Es klingt von A bis Z wie „echter“ Rachmaninow ... Insgesamt muss Warenberg attestiert werden, dass er sich perfekt auf Rachmaninows Ton eingestellt hat und ihm ein Konzert nicht nur „auf der Basis von“ sondern auch „im Stil von“ gelungen ist ...
Mit der Janácek-Philharmonie aus dem mährischen Ostrava entstand unter der Leitung von Theodore Kuchar eine aufnahmetechnisch und musikalisch durchaus gelungene „Weltpremiere“. Was das Orchestrale angeht, so ... zeigt die Leistung neben professioneller Solidität musikantische Frische. Als Solist für das angebliche „Fünfte“ entschied Produzent Pieter van Winkel sich für Wolfram Schmitt-Leonardy und bewies damit eine glückliche Hand. Der 40-Jährige bewältigt den Kraft und Ausdauer fordernden Part überlegen. Er gibt dem Musizieren kräftige Impulse, sein Ton bleibt auch an den nicht eben wenigen rasanten oder haarig weit- und vollgriffigen Stellen rund und unforciert, er weiß Kantilenen klangschön und großzügig zu entwickeln – nach seinen glänzenden Solo-CDs stellt Schmitt-Leonardy sich auch in seiner ersten Orchestereinspielung für Brilliant höchst vorteilhaft vor.
Ingo Harden, Fono Forum 4/2008

Es ist verblüffend, wie sehr sich die 2. Sinfonie durch ihre rhapsodische Anlage für ein solches Unterfangen eignet. Sie, die sich aus nur einem Kopfmotiv in einem Konvolut an Imitationen, Reminiszenzen und Metamorphosen in epischer Breite entwickelt, scheint danach zu rufen, zusätzliche pianistische Feuerwerke zu zünden. Dennoch erstaunt es letztendlich nicht, dass das Konzept überraschend gut aufgeht: War doch Rachmaninow ein Komponist, der in seiner Eigenschaft als Pianist durchaus stark vom Klavier aus dachte. Natürlich musste Warenberg umarbeiten, straffen, kürzen, weglassen und uminstrumentieren gerade an den Stellen, an denen er das neu hinzugefügte Soloinstrument organisch eingebettet hat. Eine Arbeit, der er mit großem Fingerspitzengefühl und fundierter Kennerschaft des Rachmaninowschen Werkes nachgekommen ist. Am Ende steht nun also ein Klavierkonzert, das viel Rachmaninow belässt, einiges an Warenberg integriert und doch meint man immer wieder erstaunt, es könnte auch in toto von Rachmaninow stammen. Besser konnte Warenberg den Geist nicht treffen.
... der ruhig strömende Atem, den er [Schmitt-Leonardy] besonders weich in den lyrisch-elegischen Passagen fließen lässt und die organische explosiver Kraft, die ihn ganz im Sinne des Werks immer auch die Pranke des Virtuosen zeigen lässt. Zusammen mit dem Janácek Philharmonic Orchestra unter seinem Chef Theodore Kuchar entsteht vor dem Ohr des Hörers große russische Klaviermusik aus dem Geist des frühen 20. Jahrhunderts - und man ist am Ende nicht ganz sicher, ob es nicht doch ein 5. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow gibt.
Ursula Adamski-Störmer, Bayern 4 Klassik, 15.02.2008

RACHMANINOFF/WARENBERG
Klavierkonzert „Nr. 5“
nach Rachmaninows Sinfonie Nr.2 e-Moll op. 27 (1906–08)
Orchesterbesetzung
3.2.EH.2.Baßklar.2–4.3.3.1–Pkn.Schlzg–Streicher

Einspielung (2007):
Wolfram Schmitt-Leonardy, Klavier / Janácek Philharmonic Orchestra / Theodore Kuchar
Brilliant Classics 8900 (42’)
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Konzert-Uraufführung:
21.11.2008 Salle Pleyel, Paris

Denis Matsuev, Klavier / Orchestre Philharmonique de Radio France / Vladimir Spivakov


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