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KOMPONIST IM PORTRÄT
Bernstein, LeonardPeter Pan (1950)
Theatrical Version from the Novel "Peter and Wendy" by JM Barrie

Music Text      English

Orchesterbesetzung
3S, Bar; TTBB chorus
1(=picc).1.3(1=Ebcl,bcl).1-1.0.0.0-perc(2)-kybd(pft/cel)-strings .
Abkürzungsverzeichnis (PDF).

Vertriebsgebiet
Dieses Werk ist erhältlich bei Boosey & Hawkes für Aufführungen in der ganzen Welt.


For full details on this stagework, including synopsis and roles, please visit our Opera section.


Über das Werk      English
Die Geschichte von Leonard Bernsteins Songs und der zugehörigen Bühnenmusik zu J. M.Barries Theaterstück Peter Pan ist eine komplizierte. Bernstein’s Einbindung in die Broadway Produktion von 1950 mit Boris Karloff und Jean Arthur in den Hauptrollen war relativ gering im Vergleich zu seinen anderen Broadway Produktionen. Eingeladen, einige Tänze und Zwischenspiele beizutragen, fand er sich „seinen Kopf verlierend" wieder und überraschte die Produzenten mit zusätzlichen sieben Songs einschließlich der originalen Texte. Bernstein hielt sich während der Probenphasen für die Show gerade in Europa auf und konnte deshalb nicht in dem Maße an der kreativen Prozessen teilnehmen, wie er es sonst bei seinen eigenen Bühnenwerken gewohnt war. Es war Trude Rittman, die als musikalische Koordinatorin sein Material nach den jeweiligen Erfordernissen in die Produktion einband, indem sie Wiederholungen und Stichworte aus Bernstein’s größeren Nummern herausnahm und Tink’s musikalische Sprachfragmente in die Dialoge einarbeitete. Dieser Peter Pan ist kein Musical – Bernstein hatte keine musikalisch-dramatische Einheit wie in seinen anderen Werken strukturiert und war nicht direkter Ansprechpartner für die Produktion. Nichtsdestotrotz zeigt die Partitur eine klare Handschrift musikalischer Entwicklung und eine Durchgängigkeit in Haltung, Unschuld und Scharfsinnigkeit, die zusammen eine Einheit bilden.

Zahlreiche merkwürdige Änderungen wurden an der Partitur vorgenommen, nachdem sie Bernstein’s Hände verlassen hatte. Das wunderbare Träum mit mir wurde als Wendy’s finaler Song zugunsten einer unerklärlichen Reprise von Wer bin ich? über Bord geworfen. Auch wurde eine zusätzliche Szene zum Tode Hook’s geschaffen (in dieser Ausgabe nicht vorhanden bzw. im Stück selbst ebenfalls nicht), in der Bordrunde und Nimmerland zusammengestrickt und mit neuem Text dubioser Herkunft (welcher ganz sicher weder von Bernstein noch Barrie verfasst worden war) versehen wurden, um der Geschichte statt der vieldeutigen Moral eine oberflächliche überzustülpen. Für die Aufnahmen mit der Ursprungsbesetzung wurden Bernstein’s Instrumentalnummern aus unbekannten Gründen durch neue Stichworte von Alec Wilder ersetzt, was zu der Fehlannahme führte, dass Bernstein’s zugehörige Musik nicht für die Broadwayfassung verwendet, und die Songs selbst abgeändert worden waren, um die gesprochenen Teile und neuen Einführungen zu begleiten. Viele von diesen aufnahmespezifischen Änderungen an den Songs wurden wiederum in das Orchestermaterial für die Show zurückgebaut. Für die amerikanische Tournée mit Lawrence Tibbet als Hook ergänzte Bernstein einen neuen Song Captain Hooks Monolog aber diese wurde mittendrin abgebrochen und so blieben die Songs für Jahrzehnte ungehört.

Bernstein’s Musik für Peter Pan lag über ein halbes Jahrhundert brach, weitestgehend vergessen bis auf wenige sporadische, kleinformatige Produktionen und überschattet von einer ausladenden musikalischen Bearbeitung (mit Texten von Betty Comden und Adolph Green unter Leitung und Choregraphie von Jerome Robbins, Bernstein’s langjährigen Freunden und Mitarbeitern). Doch 2001 kam der Dirigent Alexander Frey ins Bernstein Office mit dem Vorschlag, die gesamte Partitur einschließlich Träum mit mir und Captain Hook’s Monolog aufzunehmen, für das eine neue Orchestrierung durch Sid Ramin und mich geschrieben wurde. Die Aufnahme wurde zu einem großen Erfolg, wegweisend als erste bedeutende Einspielung seit über einer Generation. Jedenfalls war das einzige Material, das zum Zeitpunkt der Aufnahme erhältlich war ein Satz von Einzelteilen, die ein örtliches Theater in den 1980er Jahren einstudiert hatte, die aber völlig ungeeignet für eine Veröffentlichung waren. Es war nun klar, dass, um das Werk zum Erfolg zu bringen, eine komplette Orchesterpartitur (alle vorangegangenen Versionen wurden vom Klavierauszug aus dirigiert) und neue Elemente erstellt werden mussten.

Die größte Herausforderung aber war es, herauszukristallisieren, was genau Peter Pan sein sollte - das Dickicht aus Änderungen, Kürzungen, Transpositionen und Streichungen, das die Geschichte um das Werk gewoben hatte zu entwirren, zurückzukommen zu den ursprünglichen Stichwörtern und Songs der eigentlichen musikalischen Absichten Bernstein’s und die Musik in einer spieltechnisch durchführbaren Weise zu präsentieren, die sinnstiftend in eine Produktion von Barrie’s Theaterstück eingearbeitet werden konnte. Glücklicherweise waren irgendwann die Originale aus dem Jahre 1950 dem Bernstein Archiv der Kongressbibliothek überstellt worden. Die Rückholung des Quellmaterials barg viele Möglichkeiten und Überraschungen – es war nunmehr möglich, die vielen Anpassungen, die über die Jahre an den einzelnen Nummern vorgenommen worden waren, zu bewerten und einzuordnen. Alle Kürzungen wurden wiederhergestellt und die Songs kamen wieder in ihre ursprünglichen Tonarten zurück. Zugleich wurde klar, dass viele der kleineren hervorgehobenen Stichwörter und Szenenwechsel in den früheren Versionen, die Auszüge aus den größeren Nummern waren, der Originalausgabe irgendwann später zugefügt worden waren und wieder andere Abschnitte des Stücks Stichworte verlangten, für die es keine zuordenbare Musik gab. Weil aber Bernstein niemals einen festen Plan für die Integration der Musik in das Theaterstück gemacht hatte, habe ich die besten dieser Stichwörter in diese Ausgabe eingefügt und weitere Stichwörter hinzugefügt wo nötig (zum Beispiel die Kinderzimmerklavier Reprise von Wer bin ich? in der letzten Szene.)

Unsere Ausgabe spiegelt die grundlegendsten Eingliederungen der Musik in das Theaterstück wider und präsentiert diese erstmalig in einer akkuraten und umfassenden Orchesterversion. Sehr dankbar bin ich Alexander Frey für seine unermüdliche Hingabe, Bernstein’s Musik für Peter Pan ans Licht zu bringen. Anerkennung geht aber auch an Scott Eyerly, der diese Partitur immer wieder auf Machbarkeit durch sämtliche komplizierte Stadien geprüft hat. Mit dieser Ausgabe sind die hauptsächlichen Schranken vor Leonard Bernstein’s Peter Pan gefallen, und nun kann dieses Werk endlich als das Meisterwerk gehört werden, das es tatsächlich ist.

Garth Edwin Sunderland




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