Nachrichten zu den Komponisten bei Boosey & Hawkes
KOMPONIST IM PORTRÄT

George Gershwin

 b.26 September 1898, Brooklyn, New York
d.11 July 1937, HollywoodGeorge Gershwin

Biographie


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George Gershwin wurde am 26. September 1898 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren und erhielt 13jährig seinen ersten Musikunterricht. Zwei Jahre später brach er die Schule ab, um Klavier zu spielen und als „Song Plugger“ Kunden für neue Songs zu begeistern. Bald schrieb er auch eigene Songs; Swanee, gesungen von Al Jolson, brachte Gershwin ersten Ruhm. Doch erst in der Zusammenarbeit mit seinem älteren Bruder Ira wurden die beiden in den 20er Jahren zum beherrschenden Songwriter-Gespann auf dem Broadway. Aus ihren Federn entsprang eine Flut lebhafter, ansteckender Rhythmen und ergreifender Balladen. Die Worte fügten sich in unnachahmlichem Zusammenspiel zur Musik. Diese außerordentliche Zusammenarbeit führte zu einer Folge von 22 Musikkomödien, darunter Lady, Be Good! (1924), Oh, Kay! (1926), Funny Face (1927), Strike Up The Band (1927/30), Girl Crazy (1930) und Of Thee I Sing (1931), die erste Musikkomödie, die einen Pulitzerpreis gewann.

Im Laufe der Jahre fanden sich Gershwins Songs auch in zahlreichen Filmen und zwei preisgekrönten Musicals wieder, My One And Only (1983) und Crazy For You, das 1992 auf dem Broadway Premiere hatte. Crazy For You basiert im Wesentlichen auf Girl Crazy, mit einem neuen Libretto von Ken Ludwig, und bietet eine beeindruckende Palette von Georges und Iras Songs auf, zwei davon zuvor unveröffentlicht. Die West End-Premiere von Crazy For You war am 3. März 1993 am Prince Edward Theatre.

Von Beginn an hatte Gershwin den Ehrgeiz, auch ernste Musik zu komponieren. Schließlich bat ihn Paul Whiteman, ein neues Stück für ein besonderes Konzert mit moderner Musik zu schreiben, das am 12. Februar 1924 in der Aeolian Hall in New York stattfinden sollte. Gershwin, der gerade unter Hochdruck an einer Musikkomödie arbeitete, schaffte es kaum, die Rhapsody in Blue rechtzeitig fertigzustellen. Vom ersten tiefen Kichern der Soloklarinette und ihrem Aufwärtslauf jedoch, der einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt, fing das Publikum Feuer, und eine neue Ära amerikanischer Musik hatte begonnen.

Im Jahr 1925 beauftragte der bedeutende Dirigent Walter Damrosch Gershwin mit einem Klavierkonzert für die New Yorker Symphonische Gesellschaft. Für viele ist das daraus entstandene Konzert in F Gershwins bestes Orchesterwerk. Andere Werke Gershwins, die auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen, sind Ein Amerikaner in Paris (1928) oder seine Zweite Rhapsodie für Klavier und Orchester, die er selbst 1932 als Solist mit dem Boston Symphony Orchestra unter Kussewitzki uraufführte.

In DuBose Heywards Roman Porgy, der ihn schon lange faszinierte, fand Gershwin die ideale Vorlage für eine Oper im Blues- und Jazz-Stil. Seine „Volksoper“ Porgy And Bess (geschrieben in Zusammenarbeit mit DuBose und Dorothy Heyward und Ira Gershwin) war das ambitionierteste Projekt der Gershwin-Brüder: Hier mussten unvergessliche Songs in eine dramaturgische Struktur eingebunden werden. Porgy And Bess kam erstmals am 30. September 1935 in Boston zur Aufführung, bevor am 10. Oktober die Broadway-Premiere erfolgte. Nach weiteren Aufführungsserien in den Jahren 1942 und 1953, der mehrere Welttourneen folgten, entstand 1959 eine bedeutende Verfilmung der Oper.

1937 war George Gershwin auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angelangt. Seine symphonischen Werke und drei Präludien für Klavier hatten in das Standardrepertoire der Konzertsäle Eingang gefunden, und seine leichteren Songs verschafften ihm immer größeren Ruhm und Reichtum. Am 11. Juli 1937, während er an der Partitur zu The Goldwyn Follies arbeitete, brach Gershwin plötzlich zusammen und starb an einem Gehirntumor. Er war noch keine 39 Jahre alt. Die Nachricht traf all die Menschen auf der Welt, die Gershwin nur durch seine Musik kannten, wie ein persönlicher Schock. John O’Hara fasste ihre Gefühle so zusammen: „George Gershwin starb am 11. Juli 1937, aber ich muss das nicht glauben, wenn ich nicht will.“

Heute werden Gershwins Werke immer häufiger gesungen und gespielt, weitaus häufiger als zur Lebzeit des Komponisten. Die Songs und Konzertstücke haben ihre Dauerhaftigkeit längst bewiesen und sind aus keinem Plattenkatalog mehr wegzudenken.´

Abdruckrechte
Diese Biographie kann kostenfrei in Konzertprogrammen abgedruckt werden mit folgendem Nachweis: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Warner/Chappell


Ira Gershwin (1896–1983)
Biographie

Ira Gershwin, der erste Songwriter, der den Pulitzerpreis gewann (zusammen mit seinen Ko-Librettisten George S. Kaufman und Morrie Ryskind für Of Thee I Sing), wurde am 6. Dezember 1896 in New York City geboren. Noch während er das College of the City of New York besuchte, schrieb er für Don Marquis’ berühmte Kolumne „The Tower” in der Evening Sun. Dort wurde im Mai 1917 auch sein erster Songtext veröffentlicht: You May Throw All The Rice You Desire But Please, Friends, Throw No Shoes. Marquis, dem die spaßigen Verse gefielen, druckte sie ab und nannte sie „perfekt“.

1918 war nicht nur das Jahr, in dem der erste Song auf Verse von Ira Gershwin auf der Bühne gesungen wurde, sondern markierte auch den Beginn der langjährigen Zusammenarbeit Iras mit seinem Bruder George, als nämlich Nora Bayes den Real American Folk Song der Gershwins in ihre Show Ladies First einbaute. Ira, der den Ruhm seines Bruders nicht für den eigenen Erfolg ausnutzen wollte, legte sich das Pseudonym Arthur Francis an, der eine Kombination seines jüngsten Bruders Arthur und seiner Schwester Frances war. Unter diesem Namen erlebte Ira Gershwin auch seinen ersten großen Bühnenerfolg, Two Little Girls In Blue, den er 1921 mit Vincent Youmans, einem weiteren Broadway-Neuling, geschrieben hatte.

Schon 1924 war das Pseudonym abgelegt. Den Bühnenerfolg Lady, Be Good! von 1924 feierten die beiden bereits als die „Gerswhin-Brüder“. Aus ihrer bemerkenswerten Zusammenarbeit gingen ein Dutzend großer Bühnenwerke hervor, darunter Tip-Toes (1925), Oh, Kay! (1926), Strike Up The Band (1927/30), Girl Crazy (1930), Of Thee I Sing (1931) und die amerikanische Oper Porgy And Bess (in Zusammenarbeit mit DuBose und Dorothy Heyward).

1936 gingen die beiden Brüder nach Hollywood, um – das letzte Mal, wie sich herausstellen sollte – an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten: die Musik zu drei Filmen, Shall We Dance (1937), A Damsel In Distress (1937) und The Goldwyn Follies (1938). Die Gershwin-Brüder hinterließen Dutzende von „Standards”; viele wurden von einer jüngeren Generation wiederentdeckt, die sich von den „neuen“ Gershwin-Musicals My One And Only (1983) und Crazy For You, dem Gewinner des Tony Award 1992 für das beste Musical, begeistern ließ; letzteres wurde 1993 auch mit zwei Laurence Olivier Awards für das beste Musical und die beste Choreographie ausgezeichnet.

Ira arbeitete auch mit anderen Songwritern zusammen, etwa Harold Arlen (Life Begins At 8:40, A Star is Born, The Country Girl), Vernon Duke (Ziegfeld Follies of 1936), Kurt Weill (Lady In The Dark, The Firebrand Of Florence, Where Do We Go From Here?), Aaron Copland (North Star), Harry Warren (The Barkleys Of Broadway), Arthur Schwartz (Park Avenue), Burton Lane (Give A Girl A Break) und Jerome Kern (Cover Girl). In keinem Jahr hatte Ira größeren Erfolg als mit Long Ago (And Far Away) aus Cover Girl.

In all den Jahren nach Georges Tod hielt Ira die Flamme der Gershwins hoch. Unermüdlich kümmerte er sich um das Erbe seines Bruders und betreute die Organisation und Kommentierung von Manuskripten, die aus dem Schaffen der Gershwin-Brüder hervorgegangen waren und der Library of Congress gestiftet wurden. Am 17. August 1983 starb Ira Gershwin friedlich in seinem Zuhause im kalifornischen Beverly Hills, wo er lange Jahre mit seiner Frau Leonore gelebt hatte, mit der ihn eine 56jährige Ehe verband.

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