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KOMPONIST IM PORTRÄT

Irving Fine

 1914 - 1962Irving Fine Photo: www.booseyprints.com

Porträt


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Eine Einführung in die Musik Fines von Phillip Ramey

Irving Fine (1914-1962) ist ein amerikanischer Komponist, dessen Werke sich durch eine unvergleichliche Lyrik auszeichnen und dessen meisterliche Instrumentationen richtig "singen". Aaron Copland sagte dazu, daß diese Musik vor allem "durch ihren kühnen Klang und ihre volle Ausdruckskraft" sowie durch ihre "Eleganz, ihren Stil, ihren Schliff und ihre überzeugende Kontinuität" besticht. Virgil Thomson bewundert ihre "außergewöhnlich melodische Grazie".

Fines musikalische Ausbildung begann am Klavier, wo er es zu einem recht fähigen Pianisten brachte. Seine Kollegen bewunderten vor allem sein exzellentes Vom-Blatt-Lesen. Sein Kompositions- und theoretisches Studium absolvierte er unter Walter Piston und Edward Burlinghame Hill an der Harvard University, unter Nadja Boulanger in Frankreich und am Radcliffe College, Cambridge, Massachusetts, Darüberhinaus studierte Fine auch Dirigiertechnik für Chor unter Archibald T Davison in Harvard und für Orchester unter Serge Koussevitzky in Tanglewood. In Harvard, wo er eng mit Copland, Strawinsky, Koussevitzky und Leonard Bernstein zusammenarbeitete, unterrichtete er von 1939 bis 1950 Theorie und Musikgeschichte und an der Universität Brandeis von 1950 bis 1962 Kompositionslehre und Theorie. Darüberhinaus war Fine Dirigient des Glee Club and unterrichtete zwischen 1946 und 1957 am Berkshire Music Centre in Tanglewood neun Sommer lang Kompositionslehre. In Brandeis hatte er den Walter-W-Naumberg-Stuhl als Musikprofessor inne und war Vorsitzender der Kunstakademie. Am 23. August 1962 erlag er in Boston einem Herzanfall. Kurz vor seinem Tod arbeitete er an einer Oper Maggie: A Girl of the Streets (nach dem Roman von Hart Crane) und einem Violinkonzert, die beide unvollendet blieben. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählten zwei Guggenheim-Stipendien, ein Fulbright-Forschungsstipendium und Auszeichnungen des National Institute of Arts and Letters und des New York Music Critics’ Circle.

Bei näherem Betrachten von Fines kreativem Schaffen, das zwar nur wenige Werke, aber diese von äußerst hohem Niveau, hervorbrachte, ergibt sich das Bild eines Perfektionisten vom Range Coplands und Strawinskys. Seine Werke sind in allen Einzelheiten sorgfältig geplant und der zunehmende melodische Akzent verbindet sich wirkungsvoll mit rhythmischer Geschmeidigkeit, sauberen Strukturen und einem unaufdringlichen, aber integralen Kontrapunkt.

Als Künstler war Fine eklektisch und zwar im besten Sinn des Wortes: angepaßt und trotzdem individeull. In seinem frühen Werk sind die neo-klassizistischen Einflüsse Strawinskys und die Formen des 18. Jhdts. deutlich erkennbar, gepaart mit einer für Fine typischen, romantischen Ausdruckskraft. Seine Sonata für Violine und Klavier aus dem Jahre 1946 beschreibt der Komponist ganz treffend als ein Idiom, das formal "im wesentlichen tonal, diatonisch, leicht dissonant und neo-klassizistisch" ist. Fines schon früh von Nadja Boulanger geförderter Neo-Klassizismus ist schon aus den Titeln der Sätze einzelner Werke, wie der Musik für Klavier des Jahres 1947 und der Partita für Bläserquintett des Jahres 1948 (wie "Variationen", "Gigue" und "Walzer-Gavotte") ersichtlich. Die sprudelnd rhythmische Toccata Concertante für Orchester des Jahres 1947, die in den Worten des Komponisten eine "bestimmte Affinität zum energischen Stil der Barockkonzerte" aufweist, ist das typischste Beispiel für Fines Neo-Klassizismus.

Stellvertretend für seine romantische Phase sind das elegante, bittersüße Notturno für Streicher und Harfe (1951), der harmonisch diverse Liederzyklus Mutablity (1952) und das herb elegische Serious Song: Lament for String Orchestra (1955), die sich durch eine intensive Lyrik auszeichnen. In diesen Werken bewies er die Fähigkeit, Melodien zu komponieren, die, wie er bewundernd von einem anderen Komponisten sagte, "echten Genuß vermitteln, ohne banal zu sein". Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß sein Notturno und Serious Song zu seinen meistaufgeführten Orchesterwerken zählen. (Zu den Publikumserfolgen zählen auch seine äußerst idiomatischen Chorwerke Alice in Wonderland, The Hour-Glass und The Choral New Yorker, die sich durch eine unfehlbare Lyrik und Vielseitigkeit auszeichnen.)

Die letzte Phase von Fines künstlerischem Schaffen kennzeichnet sich durch die Verwendung der Zwölftontechnik, erstmals im Streichquartett von 1952, das von intensiver Ausdruckskraft ist, im durchsichtigen Charakter seiner Fantasie für Streichtrio des Jahres 1956 und im Höhepunkt dieser Schaffensperiode, der Symphony des Jahres 1962. Sein interesse am Serialismus wurde durch das Beispiel Strawinskys und Coplands erweckt und genau wie seine älteren Kollegen war er in der Lage, die Dodekaphonie frei und seinen musikalischen Idealen untergeordnet einzusetzen. Fines seriell beeinflusste Partituren weisen tonale Mittelpunkte und dieselbe formale und strukturelle Klarheit, Überlegenheit und rhythmische Stärke seiner früheren Werke auf. Copland beschreibt die Symphony (1962), die das ambitionierteste Werk des Komponisten ist, als "von nahezu opernhaftem Charakter". Ihre drängende, rhythmische Polyphonie, die deklamatorische Rhetorik und beträchtliche Dissonanz kennzeichnen neue Richtungen in Fines kreativem Schaffen, die sowohl einen Anfang und gleichzeitig ein Ende markieren.

© Philip Ramey, 1989
(Komponist, Programmredakteur der New Yorker Philharmoniker)

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