Expand
  • Find us on Facebook
  • View Our YouTube Channel
  • Listen on Spotify
  • Follow us on Twitter
  • View our scores on nkoda

English Deutsch

Libretto von Hans-Ulrich Treichel; engl. Übersetzunbg von Amanda Holden (dt., engl.)

Scoring

S,M,A,CT,T,dramBar,Bar,B; 2T,2B soli from chorus; mixed chorus;
3(II,III=picc,II=afl).2(II=corA).0.Ebcl.bcl.2.dbn-0.4(I,II=picctpt).3.dbtuba.2Wagner tubas(T,B)-timp.perc(5):anvil/BD/8gongs/3tam-t(hi,med,lo)/t.bells/susp.cym/cym/3wdbl(hi,med,lo)/2tom-t(med,lo)/maracas/guiro/SD/cast/crot/sizzle cym/marimba/whip/glsp/tgl/vib/ratchet/claves/2bongos(hi,med)-2harps-pft-cel-pedal org-strings(min.12.10.0.6.4)-tape; kbd instruments require only 2 players; on-stage small hand perc to be played by 5 singers

Abbreviations (PDF)

Uraufführung
07/10/2006
Oper, Frankfurt
Christian Pade, Regisseur
Conductor: Markus Stenz
Company: Oper Frankfurt

Roles

CALIGULA, Caesar Dramatischer Bariton
CAESONIA, Caligulas Frau Mezzosporan
HELICON, Sklave Caligulas Countertenor (oder Soubrette)
CHEREA, Staatsprokurator Baß
SCIPIO, ein junger Patrizier Alt
MUCIUS, Senator Tenor
MEREIA / LEPIDUS, römische Adlige (Doppelrolle) Bariton
LIVIA, Frau des Mucius Sopran
Vier Dichter 2 Tenöre, 2 Bässe (Chorsolisten ad lib.)
Männer und Frauen, Stimmen gemischter Chor (md.15.15.15.15)
DRUSILLA stumme Rolle
Synopsis

Nach dem Tod seiner Schwester-Geliebten Drusilla ist Kaiser Caligula verschwunden. Drei Tage später kehrt er zurück, schmutzig und völlig verändert – seinen ehemaligen Sklaven Helicon beauftragt er, den Mond zu holen, und er erläßt absurde und brutale Gesetze. Seiner Gattin Caesonia enthüllt er: Er will das Unglück der Welt mit Gewalt ausmerzen und ein Fest feiern ohne Maß. Sie ist entsetzt, aber bestätigt ihm ihre Liebe. Die Senatoren planen einen Staatsstreich gegen den anscheinend wahnsinnig werdenden Caligula, der überraschend bei ihrem konspirativen Treffen erscheint. In ihrer Gegenwart und ohne, daß sie sich wehren können, vergewaltigt er die Gattin des einen und zwingt einen anderen, Gift zu trinken. Allein der Dichter Scipio scheint gegen Caligula bestehen zu können; die Drohungen des Kaisers schrecken ihn nicht.

Bei einem Fest tritt Caligula als Venus auf – er hat beschlossen, den Mond zu heiraten. Alle Anwesenden werden zur Anbetung gezwungen. Helicon hat ein Wachstäfelchen abgefangen, das Verschwörungspläne Chereas belegt. Caligula vernichtet das Beweisstück und läßt Cherea gehen. Angesichts solcher Machtfülle müssen die Rächer in die Huldigungen einstimmen. Doch der Kaiser ahnt sein nahes Ende. Er ist verzweifelt, weil Helicon ihm den erlösenden Mond nicht bringen kann. Zur Zerstreuung läßt Caligula vier Dichter und Publikum kommen; nach sehr kurzen Kunstproben verurteilt er sie allesamt zum Tode. Die Verschwörer beschließen, noch in dieser Nacht allem ein Ende zu machen. Plötzlich kommt die Nachricht vom Tod Caligulas, doch mitten in der Erleichterung taucht er wieder auf: Es war nur eine Finte. Caesonia versucht ein letztes Mal in ihn zu dringen; als endgültigen Liebesbeweis verlangt Caligula ihren Tod. Freiwillig läßt sie sich von ihm erdrosseln. Allein zurückgeblieben, wird Caligula von den Verschwörern überwältigt und getötet.

Repertoire Note
Press Quotes

Musik und Libretto sind von einer außerordentlichen Klarheit und Dichte. Die dramatische Konstruktion ist filigran und nachvollziehbar; die Musik spart einerseits nicht mit Effekten und Extremen, folgt andererseits aber der verbalen Gestaltung abwegiger Machtausübung derart aufs Wort, dass man hier das Wort kongenial verwenden kann.
Hans-Hürgen Linke, Frankfurter Rundschau, 09.10.2006

Detlev Glanert gelang ein großer Wurf. Er schafft Klangbilder zwischen nervenzerreißender Stille und wüstem, orgiastischen Lärm. Das Orchester illustriert die seelischen Zustände von Caligula, führt das Publikum quasi durch die Hirnwindungen dieses mitnichten wahnsinnigen Menschen, der an der Wahrheit irre wird.
Peter Jungblut, B 5 aktuell, 09.10.2006

Albert Camus hatte den Traum, „Musik für fiebernde Stimmen des modernen Menschen“ zu schreiben. Durch die kraftvoll philosophisch sinnliche Klangsprache Glanerts wurde Camus Traum eingelöst. Ein überschäumend farbiges Musikdrama, das viele Bühnen erobern wird. Eine Komposition, die sich in die Reihe großer tönender Schicksalswerke einfügen wird.
Barbara Röder, Scherzo 11/2006

Composer Notes

Alle von mir gewählten Stoffe besaßen bislang einen Bezug auf mich, meine Existenz oder meine Mitmenschen. Das Historische dieser Stoffe läßt gleichsam nur deren Metaphorik hervortreten.

Caligula aber ist die erste Oper, die ich über das Innenleben, den Seelenzustand einer einzigen Figur und ihre Wirkung nach außen schreibe. Nicht, was mit der Figur geschieht, sondern was sie mit anderen macht, wird hier zum Ausdruck gebracht.
Gleichwohl ist die Oper Caligula, auch wenn sie mit dieser Form experimentiert, kein innerer Monolog.

Wir sehen die Welt mit Caligulas Augen, begeben uns tief in sein Gehirn.

Ich erblicke darin eigentümlich verbogene, bizarre Formen – durchaus vergleichbar mit einem Blick durch ein vielfarbiges Prisma. Caligula erkennt eine Möglichkeit, das Leben zu verbessern. Indem man den Menschen EINEN wahrhaft freien Menschen vorführt, nämlich sich selbst. Caligula inthronisiert das eigene Ich als Totalität. Diese Totalität aber endet geradezu notwendig in dem Verdacht, dass Wahrheit nur im Inneren existieren kann. Außerhalb des Ich herrscht die universelle Lüge. Deshalb müssen – eine unerbittliche Logik – alle anderen sterben. Caligula begreift das am Ende. Kurz vor seinem Tod realisiert er, dass er gescheitert ist; aber nicht in dem Sinne, dass er die Menschen vernichtet hat, sondern dass sein Kampf um Wahrheit zum Scheitern verurteilt ist. Die zwingende Konsequenz: Wenn man die totale Freiheit demonstrieren will, bedeutet das die Auslöschung aller anderen und zuletzt die Selbstauslöschung.

Ausgehend von der mit dem Gehirnzentrum Caligula übereinstimmenden Idee der Zentrifugalkraft wählte ich ein großes Sinfonieorchester als Klangkorpus. Das ganze Stück ist komponiert aus der Physis Caligulas heraus. Das Orchester selbst ist Caligula. Das sind seine Venen, seine Nerven, seine Gehirnzellen, das ist sein musikgewordener Körper. Wenn die anderen auftreten, hören wir sie so, wie er sie hört.

Caligula ist durch den Tod seiner geliebten Schwester Drusilla in eine Art Taumel versetzt, in eine Unwucht, die immer größere Kreise zieht. Genau dies versuche ich klanglich zum Ausdruck zu bringen, indem ich dem Orchester keine Mitten zugestanden habe. Die mittleren Instrumente wurden herausgestrichen. Es gibt durchgehend in allen Instrumentengruppen nur Höhen und Tiefen - ein äußeres Mittel. Das zweite Mittel zielt aufs Innere. Die Oper basiert auf einem einzigen Akkord. Dieser Akkord besteht aus 28 Tönen, die übereinandergeschichtet sind und sehr komplizierte Intervallverhältnisse bilden. Wie muskulöse Dehnungen und Zusammenziehungen des Leibes scheinen sie sich zu verhalten. Durch sieben Oktaven von oben bis unten werden diese Spannungen vollzogen, vergleichbar mit dem Außer-sich-Geraten und dem Zusammenkrümmen. Dieses Körperspiel habe ich von Caligula übernommen und auf Musik übertragen. Wie in einem Spiegel habe ich versucht, dieses Sich-Krümmen in Intervallik zu übersetzen.

Es gab insgesamt drei Orchesterstücke, die Versuche waren, sich dem Caligula anzunähern: Katafalk, Burleske, Theatrum bestiarum, eine Art Vorstudie mit Elementen aus Caligula. Ich vollziehe das stets vor einer Oper, entwerfe Klangstudien, um Räume auszuprobieren .Immer hat sich dies Verfahrensweise als höchst hilfreich erwiesen.

Ich denke, dass das Theaterspielen, das Sich-auf-die-Bühne-Stellen, Singen, ein zutiefst im Menschen angelegter Wunsch ist. Es ist die Fortführung der Kindheit mit intellektuellen Mitteln, durch einen intellektuellen Filter. Es bleibt natürlich Spiel. Wir verifizieren unser Dasein in Form eines Spiels. Darin mögen wir alle ein wenig Caligula ähneln, dessen intensivste Passion außer sich selbst das Theater war. Wir werfen die Ideen, Gedanken, gesungene Worte hin und her, wir führen vor, tun so als ob – das ist eine Versuchsanordnung in Form eines Spiels. Wer hat das noch gesagt: Das spielende Kind berührt das Göttliche.

Moods

dramatisch

Subjects

Geschichte, Gesellschaft, Politik

Recommended Recording
cd_cover

Holland / Schuster / Wölfel / Frank / Adamonyte / Lazar / Volle / Zechmeister / Frankfurter Opern- und Museumsorchester / Chor der Oper Frankfurt / Markus Stenz
OehmsClassics OC 932




Stay updated on the latest composer news and publications