Nijinskys Tagebuch – UA von Detlev Glanert in Aachen
(March 2008)
am Sonntag, dem 06. April 2008 um 18 Uhr findet am Theater Aachen die Uraufführung von Detlev Glanerts neuem Musiktheater statt: Nijinskys Tagebuch für zwei Sänger, zwei Schauspieler, zwei Tänzer und Instrumente (Texteinrichtung von Carolyn Sittig nach den Tagebüchern von Waslaw Nijinsky in der deutschen Übersetzung von Alfred Frank) beruht auf der detaillierten Selbstbeschreibung des Ausnahmetänzers zwischen seinem letzten öffentlichen Auftritt und seiner Einlieferung in eine geschlossene Anstalt.Bis heute ist Waslaw Nijinsky Synonym für perfekte Tanzkunst, atemberaubende Sprungtechnik, Grazie und Virtuosität. Zwischen 1888 und 1890 geboren, ist Nijinsky mit knapp zwanzig Jahren weltberühmt und gefeiert. Wenig später beginnt sein geistiger Verfall. 1995 erschienen die Tagebücher Nijinskys erstmals unzensiert in deutscher Übersetzung – die Anfang 1919 über einen Zeitraum von ca. sechs Wochen verfassten Notizen zeichnen den Weg von alltäglichen Beobachtungen zu einer gänzlich verschobenen Wahrnehmung der Außenwelt genau nach. Auf dieser Grundlage konzipierte Detlev Glanert ein Musiktheater, bei dem "nicht eine äußere Handlung, sondern ausschließlich ein innerer Monolog den Ausschlag für Musik bilden sollte, quasi die Betastung eines Textcorpus durch Töne". Damit entwickelt der Komponist den Ansatz seiner Oper Caligula (2006) weiter: Auch dort entsprang die Musik allein dem Innenleben, dem Seelenzustand der Titelfigur, und alles Bühnengeschehen spiegelte gleichsam Caligulas Sicht und Gedanken.
In Nijinskys Tagebuch nun, entstanden als Auftragskomposition für das Theater Aachen, verkörpern zwei Sänger, zwei Schauspieler und zwei Tänzer allesamt das ‘Ich’ Nijinskys – haben aber "Aufgabenbereiche, die die übliche Norm ignorieren: Sänger und Tänzer müssen auch sprechen, die Schauspieler manchmal auch singen ... Sicher kann Musik niemals eine psychische Krankheit erschöpfend erfassen, aber sie kann auf Ungeahntes hinweisen, untergründige Verbindungen herstellen. Im Laufe des Stücks verbinden sich die einzelnen Denkfiguren und -schleifen immer mehr zu einem gordischen Knoten, zu einem Konglomerat aus sich überstürzenden musikalischen Übermalungen" (Glanert). Ludger Engels inszeniert das neue Werk als großes, spartenübergreifendes Projekt. Die musikalische Leitung hat der Erste Kapellmeister des Hauses, Daniel Jakobi.
Bühne: Ric Schachtebeck
Kostüme: Moritz Junge
Dramaturgie: Kai Weßler
mit Eva Bernard, Martin Berner, Anne Wuchold, Matthias Bernhold, Unita Galiluyo, Felix Bürkle und dem sinfonieorchester Aachen
Weitere Termine: 16., 20. April, 02., 04., 24. Mai, 14. Jun 2008
www.theater-aachen.de
Mehr Informationen zu Detlev Glanert finden Sie unter www.boosey.de/Glanert.
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Abb.: Nijinsky, photographiert von Strawinsky (© Archiv)
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