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Photo:Boosey & Hawkes
Teatro Lirico Sperimentale Spoleto, 1996

Oehring, Helmut

DOKUMENTATION I (1993/96)

(from: Fools’ Offensive)
Dauer: 60 Minuten
Chamber Opera

Text by Helmut Oehring (G)

Besetzung
voice,soprano(male),3 deaf soloists; ob.sax(=bss cl).tpt.trbn.tuba-perc(2)-harp.prepared pft(=sampling keyboard)-elec.gtr(=elec.bass) with volume pedal-vln.vlc-live electronics.
Abkürzungsverzeichnis (PDF).


Vertriebsgebiet
Dieses Werk ist erhältlich bei Boosey & Hawkes für Aufführungen in der ganzen Welt.



Uraufführung
9/4/1996
Teatro Lirico Sperimentale, Spoleto
Danielle Abbado, Regisseur
Dirigent: Roland Kluttig
Ensemble: ensemble di musica contemporanea

Zusammenfassung
Dokumentation I ist der Versuch, das Schweigen mit einer Grammatik aus Klängen und Bewegung zu erfüllen. Musik existiert nur als reine Zeichensprache. Wie andere Zeichensprachen auch, kann sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer einzigen Bewegung stauchen. Die Klänge und Geräusche in Oehrings Dokumentation I gehen bis an die Grenze des Unhörbaren, nur der Raum schwingt noch, ohne zeitliche Konturen. Diese sprechende Stille ist eine Möglichkeit der Sprache, aber sie ist auch der Raum von Oehrings eigener, früher Kindheit, in der er als Sohn gehörloser Eltern erst mit fünf Jahren sprechen lernte. Die Zeit davor ist voller Zerrissenheit und Missverständnisse, missglückter Verständigung, erst viel später kam ein Glücksgefühl über die Erfahrung einer Welt aus Zeichen und Gebärden hinzu. Oehring zieht alle Zuhörer und Zuschauer in sein eigenes, zwischen Hören und Taubheit gespaltenes Reich: Die einen hören, aber verstehen nicht, was sie sehen, die anderen sehen, aber hören nichts. So nähern sich beide einander an, wie bei italienischen Premiere von Dokumentation 1, als das hörende Publikum sich dem lautlosen Applaus der Gehörlosen anschloss.


Pressestimmen

„Am Ende großer Beifall. Auch stummer. Die erhobenen Hände wiegend, in Nach-ahmung der Gesten, mit denen die drei Darstellerinnen auf der Bühne sich bedankten. Ein berührender, lautloser Applaus, der alle Anwesenden ergriff und die Botschaft des Autors noch intensiver und unmittelbarer machte. So war die Uraufführung von Helmut Oehrings Dokumentation l im Teatro Melisso beim ‘Sperimentale’ ein Moment von außer-gewöhnlicher kollektiver Emotion, von hoher menschlicher Anteilnahme. Über diese wunderbare Aufführung, die eindringliche Interpretation und die... hochinteressante Partitur hinaus (die als Gewinner aus dem ‘Orpheus’-Wettbewerb hervor-gegangen ist), wurde damit der Sinn für die poetische Herausforderung geehrt, den der junge Berliner Komponist Helmut Oehring gezeigt hat." (Angelo Foletto, la Repubblica, 04.09.1996 – Kritik der UA)

„Vom Beginn bis zum Schluss des Geschehens nach etwa einer Stunde war man bezwungen von der Instanz eines wunderbar präzisen Hörens. Brutalistische Reduktion wurde mit solcher Sensibiltät dargeboten, dass sie am Ende seltsam raffiniert erschien. Als dieses originelle Gewebe von geräuschhaften Klängen und Tönen schließlich greifbare melodische Gestalt annahm, hatte man den Eindruck von etwas Unausweichlichem, als Resultat handwerklichen Könnens." (Robin Holloway, The Spectator, 26.07.1997 – Über die britische EA im Almeida Theatre, London)


Stimmung
dramatisch


Themen
zeitgenössisch, Beziehungen, Gesellschaft





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