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Photo:Florian Kleinefenn
Opéra national de Paris, 1989, Director: Hans Neuenfels

Höller, York

Der Meister und Margarita (1984–89, rev.2008)

Dauer: 150 Minuten
Opera in two acts

Libretto vom Komponisten nach dem Roman von Mikhail Bulgakov (dt.)

Besetzung
Major roles: lyrdramS,M,T,dramBar,Bar,B,mime(female); minor roles: 2M,lyrT,2T,4B; small roles: M,T,2Bar,3B,speakers; ballet; 3(I,II,III=picc;II=afl).3(III=corA).3(II=Ebcl;III=bcl).asax.3(III=dbn)-4.4.3.1-perc(6-7):8timp/4tgl/crot/glsp/xylorimba(or marimba&xyl)/vib/t.bells/hi-hat/8cym/9gong/3tam-t/tamb/4bongo/6tom-t/2conga/2SD/TD/BD/3cowbell/2bells(lg)/3wdbl/ tpl.bl/2slit dr/sleigh bells/maracas/cast/claves/guiro/ratchet/whip/flexatone/wooden hammer(lg)-harp-Spanish gtr(=elec.gtr)-cel-pft-2synth(Yamaha DX7,EMS Synthi AKS)-4-channel tape-strings(14.12.10.8.6); stage musicians(can be taken from orchestra): Act I: ssax-jazztpt-pft-db-jazzperc; Act II: amplified vln-elec.gtr-elec.bgtr-elec.pft-perc(2):2conga.
Abkürzungsverzeichnis (PDF).


Vertriebsgebiet
Dieses Werk ist erhältlich bei Boosey & Hawkes für Aufführungen in der ganzen Welt.



Uraufführung
5/20/1989
Opéra (Palais Garnier), Paris
Hans Neuenfels, Regisseur
Dirigent: Lothar Zagrosek
Ensemble: Roland Herrmann, Karan Armstrong, James Johnson and others

Rollen

DER MEISTER und JESCHUAHeldenbariton
MARGARITADram. Sopran
VOLAND, der schwarze MagierCharakterbariton
KOROJEW, sein AssistentBuffo-Baß
ASASELLOTenor
BEHOMOTH, der KaterMezzosopran
GELLA, die HexeStumme Rolle
PONTIUS PILATUSBaß
LEVI MATTHÄUSHeldentenor
BESDOMNY, der Dichterjunger Heldentenor
BERLIOZ, HerausgeberBaß
DR. STRAWINSKY, ArztBaß
STJOPA, Varieté-DirektorBuffo-Tenor
FRAU STJOPA, seine FrauMezzosopran
ARCHIBALD ARCHIBALDOWITSCH, RestaurantbesitzerBaß
SOFIA PAWLOWNAMezzospran
NASTASSJA, SchriftstellerinMezzosopran
POPRICHIN, SchriftstellerTenor
DUBRATSKI, SchriftstellerBariton
DENISKIN, SchriftstellerBariton
ABAKOW, SchriftstellerBaß
BESKUDNIKOW, SchriftstellerBaß
SAGRIWOW, SchriftstellerBaß
FRIDAStumme Rolle
ConferencierSprechrolle
Assistenzarzt, Krankenhauspersonal, Passanten, Soldaten, PolizistenStumme bzw. Sprechrollen


Zusammenfassung
Unglaubliche Dinge geschehen im Moskau der 30er-Jahre: Berlioz, Herausgeber eines Kunstjournals, und der junge Dichter Besdomny, diskutieren die Frage, ob Jesus Christus wirklich gelebt hat. Ein Fremder unterbricht das Gespräch der beiden und läßt beiläufig die Bemerkung fallen, daß er höchstselbst bei Jesus’ Verhör durch Pilatus zugegen gewesen sei – womit Seine Existenz bewiesen wäre. Der Fremde stellt sich als Voland vor, seines Zeichens Professor der Schwarzen Magie; er deutet an, daß er gleichermaßen über Vergangenheit und Zukunft Bescheid wisse. Seine Voraussage: Berlioz werde noch am selben Tage geköpft. Und die Prophezeiung erfüllt sich …

Es ist der Teufel höchstselbst, „die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (aus Goethes Faust), der schließlich eine Reihe irrwitziger Ereignisse auslöst: Als die Veröffentlichung seines unerwünschten Romans über Christus und Pontius Pilatus nur ignorante Kritik und Zensur hervorruft, fällt der Meister in tiefe Isolation und Verzweiflung und landet schließlich im Irrenhaus. Das Gebäude der Schriftstellergewerkschaft jedoch geht in Flammen auf.

In einem Varieté wird ein groteskes Stück gezeigt, in dem stadtbekannte Personen als Schurken entlarvt werden. Margarita, die Geliebte des Meisters, erlangt die Fähigkeit zu fliegen und nimmt am „Großen Satansball“, einem Ballett, teil. Nach langer Trennung ist sie wieder mit dem Meister vereint. Schließlich entfliehen der Meister und Margarita, begleitet vom Schwarzen Magier und seinem Gehilfen, dem großen, verwegenen Kater Behemoth und dem Zauberer Asasello, in den Orbit, da es ihnen nicht beschieden war, in dieser Welt das Glück zu finden.


Pressestimmen
„Weltweites Aufsehen erregte 1967 die Freigabe des Romans Master i Margarita (1928–40), Opus ultimum des russischen Dramatikers und Erzählers Michail Bulgakow (1891–1940), dem von der offiziellen Literaturkritik Verfemten, dessen Werke seit Ende der 20er Jahre in der Sowjetunion weder publiziert noch gespielt werden durften. Dabei ist Der Meister und Margarita weniger ein politischer als vielmehr ein religiös-philosophischer Roman, ja fast eine moderne Faust-Legende. Drei Handlungsstränge verwickelt Bulgakow hier miteinander: Das Verhör Christi durch Pilatus, die grotesken Lebensverhältnisse im Moskau der 30er Jahre und die tragische Lebensgeschichte des ‘Meisters’, einem selbstzweiflerischen Schriftsteller und der an ihn glaubenden Margarita, seiner Geliebten...
... leistete der Kölner Komponist York Höller in den Jahren 1984 bis 1989... die Herkulesarbeit, aus der verwickelten Romangeschichte ein Opernlibretto zu schneiden und dieses in Musik aufzuheben, die alle Schattierungen menschlichen Singens und Sprechsingens, wie sie Alban Berg im Wozzeck vorgab, zur Selbst-Charakterisierung der zahlreichen Romanfiguren nutzt. Die Sing- und Sprechpartien unterfängt, umgibt, vermittelt oder konterkariert Höller mit einer dramatischen, also bildkräftigen und vorwärtstreibenden Theatermusik, die das orchestrale Klangspektrum ebenso maßvoll wie virtuos einsetzt, um die Leiden des Meisters um seinen Christus-Roman, die Lügen strafenden Eingriffe des Teufels, die von ihm inszenierten, klärenden Verwirrspiele und surrealen Geschehnisse im Schriftstellerhaus, in der unheimlichen Wohnung, der psychiatrischen Klinik, beim Satansball, auf dem Schädelberg und auf den Sperlingsbergen in Spannung zu halten und jedem Spielort seine eigene Couleur locale anzutragen – eine imponierende schöpferische Tat, die ihre Weltpremiere 1989 an der Opéra de Paris und ihre deutsche Erstaufführung 1991 an der Oper der Stadt Köln erlebte."
(Lutz Lesle, NZfM, 2/2001)

„Die Bühnenversion, die höchste Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist die 1989 im Pariser Palais Garnier uraufgeführte Oper des Deutschen York Höller. Sie ist erst jetzt auf CD erschienen: diese Aufnahme ist von der deutschen Erstaufführung 1991 in Köln übernommen worden und bestätigt den Eindruck, den die Uraufführung vor 11 Jahren gemacht hat: daß dies ein packendes und ungemein phantasievolles Werk ist, reich instrumentiert und sorgfältigst entworfen...
Ganz natürlich erhält Höller die großen spektakulären Szenen und macht sie gleichzeitig zu Gliederungspunkten seines dramatischen Schemas – Volands magische Tour de force beendet den 1. Akt und Margaritas Reise durch die Lüfte eröffnet den zweiten, der seinen Höhepunkt im satanischen Ball findet und mit dem Flug der Liebenden in die Ewigkeit endet. Diese Momente bringen auch die schönste Musik hervor, in der Höllers Meisterschaft in Elektronik deutlich wird... Die Texturen von Meister und Margarita, die er schafft, sind betörend: ätherisch passend zu den beiden Reisen und eine erstaunliche Collage von Musik aus der Renaissance bis in die 60er Jahre für den Ball, gipfelnd mit den Rolling Stones, die natürlich Sympathy for the Devil singen...
Höller hat sein eigenes Kompositionssystem erfunden, das ihm ermöglicht, elektronische und instrumentale Elemente zu integrieren. Dennoch, vokal und instrumental erinnert seine musikalische Sprache mehr als alles andere an Lulu, und Bergs Oper scheint einer seiner Haupteinflüsse zu sein. Die Partitur ist sicherlich sehr singbar, und die Kölner Besetzung, angeführt von Richard Salter als Meister und Marilyn Schmiege als Margarita, mit Franz Mazura als unheilvoller Voland, meisterten sie vorzüglich. Lothar Zagrosek steuert einen klaren Kurs durch die Partitur, und obwohl die Tontechnik einen gewissen Bühnenlärm nicht vermeiden kann, gelingt ihr die Balance zwischen Elektronik- und Live-Instrumenten sehr wahrheitsgetreu. Es ist eine faszinierende und wichtige Oper, basierend auf einem wunderbaren Buch."
(Andrew Clements, The Guardian, 22.12.2000)


Stimmung
heiter, dramatisch, poetisch


Themen
zeitgenössisch, Ethik, Zauberei/Geheimnis, Beziehungen, Religion, Gesellschaft, Literatur, Musik/Künste


Empfohlene Aufnahme
Richard Salter / Marilyn Schmiege / Franz Mazura / Gürzenich-Orchester Köln / Lothar Zagrosek
Col Legno WWE 3CD 20059


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