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Libretto von Eugène Scribe und Henry Boisseaux (frz.)

Besetzung

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Abkürzungsverzeichnis (PDF)

Uraufführung
24/12/1860
Salle Favart, Paris
Ensemble: Opéra-comique

Erstaufführung der Fassung
07/12/2018
Opéra, Strasbourg
Mariame Clément, Regisseur
Dirigent: Jacques Lacombe
Ensemble: Opéra national du Rhin

Rollen

BABABECK, Großwesir des Gouverneurs von Lahore
Der GROSSMOGUL
SAËB
KALIBOUL, Eunuch
XAILOUM
MAÏMA, junge Blumenverkäuferin
BALKIS, Orangenverkäuferin
PÉRIZADE, Bababecks Tochter
Zusammenfassung

In Lahore wird gerade zum zehnten Mal in einem Jahr der Gouverneur gestürzt. Das Volk ist der Repressalien und Schikanen der Regierung überdrüssig und erhofft sich sehnsüchtig eine gerechte politische Führung. Aber es kommt noch schlimmer. Um ein Exempel zu statuieren und die Bevölkerung zu demütigen, setzt der Großmogul seinen Hund als neuen Gouverneur von Lahore ein. Die Bürger sind in Panik, denn der Vierbeiner macht nicht den Eindruck, das mit ihm gut Kirschen essen sei.

Bababeck, der korrupte Mundschenk des letzen Statthalters, der sich selber einige Chancen auf den Posten ausgerechnet hat, wird zum Wesir ernannt, der die Befehle des „hohen Tieres" umzusetzen habe, andernfalls… Seit Jahren versucht er, seine hässliche Tochter Périzade unter die Haube zu bekommen. Endlich hat er einen Kandidaten gefunden, der sich nicht wiedersetzen kann. Es ist Saëb, der Sohn eines Staatsbeamten, gegen den Bababeck vernichtende Beweise in der Tasche hat. Saëb aber liebt Maïma, ein Verkäuferin vom Markt in Lahore, die er nicht mehr gesehen hat, seit er vor Jahren von Söldnern des Großmoguls zwangsrekrutiert wurde. Um das Leben seines Vaters zu retten, willigt er in Ehe mit Périzade ein. Maima aber wurde damals nicht nur der Liebste entführt, sondern auch ihr treuer Hund Barkouf, der kein anderer ist als der neue Gouverneur. Geschickt verschafft sie sich Zugang zum Hof und lässt sich von Bababeck zum Sekretär und Übersetzer Barkoufs ernennen, da sie die einzige ist, die das Tier in seiner Nähe duldet. Bababeck glaubt, sie zum Sprachrohr seiner eigenen politischen Absichten machen zu können, doch weiß die gewitzte Maïma die Situation zum Wohle des Volkes zu nutzen, indem sie Barkoufs Verlautbarungen so „übersetzt", dass sie zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen aller führen: Steuersenkungen, Begnadigungen politischer Häftlingen usw. Maïma gelingt es nicht nur, die forcierte Heirat zwischen Périzade und Saëb zu verhindern, sondern auch eine Verschwörung Bababecks und der arbeitslos gewordenen Hofschranzen gegen Barkouf zu vereiteln. Dem Großmogul bleibt am Ende nur, die neuen Verhältnisse zu legitimieren: die Ehe der klugen Maïma mit Saëb, und einen weisen, vom Volk bejubelten Gouverneur Barkouf.

Hintergrund

Zwei Jahre nach dem triumphalen Erfolg des Orphée aux Enfers machte Offenbach dem Pariser Publikum ein skurriles Weihnachtsgeschenk: am 24.12.1860 kam in der Opéra-Comique, in dem Haus, in dem er 1835/36, fast noch ein Kind, als Cellist im Orchestergraben gedient hatte, seine opéra-bouffe Barkouf zur Uraufführung – sein erstes Werk für die Salle Favart. Ein Hund in der Hauptrolle einer bittersüßen Polit­satire: damit konnte zwar das Pariser Publikum leben – bei der Premiere mussten sogar drei Nummern wiederholt werden –, aber nicht die öffentliche Meinung. Wie schon beim Orphée wurde Offenbach des schlechten Geschmacks und der Sittenlosigkeit bezichtigt, dazu kamen Angriffe auf seine unerwartet komplexe Musik, die ihm sogar den Vergleich mit dem in Paris schlecht gelittenen Richard Wagner einbrachte.
Anders als beim Orphée verhalf der Presserummel dem Werk aber nicht zum Durchbruch, sondern zu seiner Absetzung nach nur acht Vorstellungen. Barkouf wurde nie veröffentlicht, bis auf zehn Einzelnummern als Klavierauszug, und die Partitur verschwand auf lange Zeit in einem Archiv der Nachkommen des Komponisten, bis sie von Offenbach-Herausgeber Jean-Christophe Keck kürzlich wiederentdeckt wurde und nun aus Anlass von Offenbachs 200. Geburtstag in der Offenbach Edition Keck OEK herausgegeben wird.

Als Satire auf Absolutismus und patriarchale Herrschaftsformen stellt Barkouf zweifellos alles in den Schatten, was das 19. Jahrhundert an politischer Parodie hervorgebracht hat, und so wundert es auch nicht, dass die Zensurbehörde Eugène Scribes geniales Libretto zunächst rundherum verbot. Mehrere Interventionen und Umarbeitungen waren notwendig, bis der Text, stark abgemildert, vertont werden durfte. Offenbach schuf mit der Partitur zu Barkouf zu einem Zeitpunkt, als seine Entwicklung zum Großmeister der opéra-bouffe noch gar nicht abzusehen war, einen grandiosen und operngeschichtlich einmaligen Mix aus seria- und buffa-Elementen, in dem Burleske und Drama fortwährend ineinanderspielen, in dem sich grotesk-komische Tableaus in der Nachfolge Rossinis mit den zartesten lyrischen Eingebungen abwechseln. Barkouf dürfte die wichtigste Wiederentdeckung im Offenbach-Jahr 2019 darstellen.

Stimmung

heiter

Themen

Politik




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