Michel van der Aa
b.10 March 1970, Oss
Biographie
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Michel van der Aa ist eine wahrhaft interdisziplinäre Figur in der zeitgenössischen Musik. Die Verbindung von Komposition mit Film- und Bühnenregie und Drehbuchschreiben macht ihn zu einer einzigartigen Stimme. Klassische Musikinstrumente, Stimmen, elektronische Klänge, Schauspieler, Theater und Video erweitern nahtlos sein musikalisches Vokabular.
Bevor van der Aa mit dem Studium der Komposition (bei Diderik Wagenaar, Gilius van Bergeijk und Louis Andriessen) begann, ließ er sich zum Toningenieur am Königlichen Konservatorium in Den Haag ausbilden. Im Jahr 2002 weitete er seine Fähigkeiten aus, indem er Filmregie an der New Yorker Filmakademie studierte, bevor er 2007 am Lincoln Center Theater Director’s Lab teilnahm, einem Intensivkurs in Bühnenregie.
Die einzelnen Elemente seines musikalischen Materials sind schwierig auseinanderzuhalten, da sie permanent zwischen Stillstand und hoher Energie, zwischen konkret und abstrakt, akustisch und elektronisch, „rein“ und bearbeitet, völlig neu und halb aus der Erinnerung kommend umschalten. Viele von ihnen sind ebenso visuell wie akustisch. Die Möglichkeiten digitaler und audiovisueller Technik erweisen sich oftmals nicht als oberflächliche Verpackung seiner Arbeit, sondern als Kernbestandteil seiner künstlerischen Perspektive.
Zusammenarbeit und Interdisziplinarität sind weitere wichtige Aspekte der Musik van der Aas. Er hat mit führenden klassischen Musikern wie Sol Gabetta, Barbara Hannigan, Janine Jansen, Christianne Stotijn und Roderick Williams, der portugiesischen Fado-Sängerin Ana Moura sowie namhaften europäischen Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer und João Reis zusammengearbeitet.
Sein Partner bei seinem jüngsten Kooperationsprojekt ist der englische Schriftsteller David Mitchell, mit dem er sein viertes Werk für Musiktheater schreibt, Sunken Garden, eine „okkulte Mystery-Filmoper“, die gemeinsam von der English National Opera, dem Toronto Luminato Festival, der Opera de Lyon, dem Holland Festival und dem Londoner Barbican Centre in Auftrag gegeben wurde.
Van der Aas Musik ist von Ensembles und Orchestern auf der ganzen Welt aufgeführt worden, darunter musikFabrik, ICE, Tokio Sinfonietta, dem Ensemble Modern, dem Freiburger Barockorchester, dem Melbourne Symphony Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra, den Seattle Chamber Players, dem SWR-Rundfunkorchester Baden-Baden und Freiburg, dem ASKO|Schoenberg ensemble, Amsterdam Sinfonietta, dem Londoner Phiharmonia Orchestra und dem Avanti! Kammerorchester.
Van der Aas Werken waren Programmschwerpunkte beim Tura New Music Festival in Perth und beim Holland Festival gewidmet. Er gastiert regelmäßig bei den Berliner Festspielen, der Biennale Venedig, den Donaueschinger Musiktagen, den Gaudeamus Musikwochen, der Opera de Lyon, dem Huddersfield Festival und dem Warschauer Herbst. Darüber hinaus wurden seine Kompositionen beim Festival d’Automne à Paris, der New Music Series der Los Angeles Philharmoniker, dem Lucerne Festival, dem Suntory Sommermusikfest in Tokio, dem Schleswig-Holstein Festival, der Moskauer Musikwoche und dem Ultima Festival Oslo aufgeführt.
Große Anerkennung erhielt van der Aa für seine Multimedia-Werke für Bühne und Konzertsaal (darunter die Opern One, After Life und Das Buch der Unruhe ebenso wie Up-close für Cello und Streicher sowie Transit für Klavier und Video). Er führte sowohl bei den filmischen als auch den Bühnenelementen all dieser Werke Regie. Seine Opern wurden auf Bühnen in mehr als einem Dutzend Ländern aufgeführt; After Life und The Book of Disquiet erleben regelmäßig Wiederaufführungen.
Im Jahr 1999 erhielt Michel van der Aa als erster niederländischer Komponist den angesehenen Preis der Stiftung Gaudeamus. In den Jahren darauf kamen weitere Auszeichnungen hinzu, etwa der Matthijs Vermeulen Preis (2004), ein Siemens-Förderpreis (2005), der Charlotte-Köhler-Preis für seine Regiearbeit und den interdisziplinären Charakter seines Werks (2005) und der Paul-Hindemith-Preis (2006).
Seitdem 2007 das Königliche Concertgebouw Orchester den Liederzyklus Spaces of Blank in Auftrag gab, ist van der Aa „Hauskomponist“ des Orchesters. Im Rahmen dieser Verbindung sind einige große neue Werke geplant, darunter ein Violinkonzert und eine abendfüllende Passionsvertonung für 2017. Die letzten Jahre zeichnen sich auch durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Londoner Barbican Centre aus, aus der Aufführungen von After Life und Up-close entstanden, ebenso wie die für April 2013 geplante Uraufführung von Sunken Garden.
2010 rief van der Aa Disquiet Media ins Leben, ein unabhängiges Multimedia-Label für seine eigenen Werke, gefolgt 2012 von Disquiet TV, einem virtuellen Online-Auditorium für Veranstaltungen mit zeitgenössischer Musik.
Michel van der Aas Musik erscheint bei Boosey & Hawkes, seine Bühnenwerke werden von Intermusica vertreten. Er ist in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter aktiv.
© Tim Rutherford-Johnson (Übersetzung: Andreas Goebel), Juni 2012
Diese Biographie kann kostenlos mit einem Nachweis des Verfassers in Konzertprogrammen abgedruckt werden.
