Nachrichten zu den Komponisten bei Boosey & Hawkes
KOMPONIST IM PORTRÄT

Mark-Anthony Turnage

 b.10 June 1960, Corringham, EssexMark-Anthony Turnage Photo: © Philip Gatward

Biographie


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Als Komponist von internationalem Rang gehört Mark-Anthony Turnage ohne Zweifel zu den bedeutendsten Schaffenspersönlichkeiten, die die britische Musik der vergangenen zwei Jahrzehnte hervorgebracht hat. Seine Musik, die von scharfen Kontrasten geprägt ist, hält den Wirklichkeiten des modernen Lebens einen Spiegel vor und findet breiten Anklang bei einem neugierigen zeitgenössischen Publikum.

Die außergewöhnlichen Anlagen des 1960 geborenen Turnage zeigten sich schon in jungen Jahren. Er studierte bei Oliver Knussen und John Lambert, später bei Gunther Schuller. Mit seinen Night Dances für Orchester gewann er den Guinness Composition Prize, bereits zwei Jahre später wurde er mit dem angesehenen Mendelssohn Prize ausgezeichnet, bevor kurz darauf Hans Werner Henze auf sein Talent aufmerksam wurde und ihn zu einer Oper für die Münchner Biennale anregte.

Die triumphale Uraufführung des daraus entstandenen Auftragswerks, Greek, im Jahr 1988, und die vielen weltweiten Inszenierungen dieses zweiaktigen Bühnenwerks nach dem Schauspiel von Steven Berkoff begründeten Turnages Ruf als Künstler, der es gewagt hat, sich durch eine einzigartige Verschmelzung von Jazz und klassischen Stilen seinen eigenen Weg zwischen Moderne und Tradition zu bahnen. Die folgenden größeren Werke, Three Screaming Popes, Kai, Momentum und Drowned Out, entsprangen seiner vierjährigen Tätigkeit als “Composer in Association” mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und Sir Simon Rattle von 1989 bis 1993. Drei Jahre darauf bekam er vom Ensemble Modern den Auftrag zu Blood on the Floor, das er für die herausragenden Jazzmusiker John Scofield und Peter Erskine sowie Martin Robertson schrieb. In diesem oft gespielten Werk führt Turnage seine tief schürfende Gesellschaftskritik, die er in Greek begonnen hatte, fort, indem er der Tragik der heutigen Drogenkultur mit Mitteln rauher, doch tief empfundener Lyrik nachgeht.

Turnages Hauptwerk aus der zweiten Hälfte der 90er-Jahre war The Silver Tassie (1997-99), seine zweite abendfüllende Oper. Das Werk war aus seiner Tätigkeit als “Composer in Association” bei der English National Opera und als Berater bei deren Contemporary Opera Studio hervorgegangen, wo es im Februar 2000 mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. The Silver Tassie brachte Turnage im Jahr 2001 sowohl den South Bank Show Award als auch den Olivier Award for Opera ein.

Mark-Anthony Turnages Ernennung zum ersten “Associate Composer” des BBC Symphony im Jahr 2000, die mit Another Set To für den Posaunisten Christian Lindberg ihren Anfang nahm, leitete eine neue und nicht weniger produktive Phase für den Komponisten ein, der sich in kreativer Zusammenarbeit am besten entfaltet. Nachdem das Orchestertriptychon Etudes and Elegies beendet war, fand die Kooperation mit dem BBCSO in dem Turnage gewidmeten Barbican-Wochenende des BBC im Januar 2003 ihren Höhepunkt. Andere in dieser Zeit entstandene Werke sind die gemeinsam vom ASKO, dem Birmingham Jazz und der BCMG in Auftrag gegebenen Bass Inventions, die der Bassist Dave Holland im Mai 2001 in Amsterdam uraufführte, Dark Crossing für Oliver Knussen und London Sinfonietta sowie Scorched für Jazz-Trio und Orchester, das Turnage gemeinsam mit John Scofield schrieb und das im September 2002 von Scofield, Patitucci, Erskine und dem RSO Frankfurt mit seiner Big Band unter Hugh Wolff uraufgeführt wurde.

In einem seiner ersten Konzerte als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker brachte Simon Rattle im Herbst 2002 das Werk Blood on the Floor zur Aufführung. Damit zog er einen neuen, jüngeren Publikumskreis an und begründete das erste große Jugendprojekt der Berliner Philharmoniker. Erst jüngst hat Turnage sein erstes amerikanisches Auftragswerk vollendet, das Bratschenkonzert On Opened Ground, das von Yuri Bashmet und dem Cleveland Orchestra im November 2002 uraufgeführt wurde, sowie Crying Out Loud (Uraufführung 2004 durch das Ensemble Modern) und Eulogy, dessen Premiere beim Cheltenham-Festival 2003 durch den Geiger Lawrence Power und das Nash Ensemble erfolgte.

Die meisten von Turnages Werken sind bei Decca, Chandos und Black Box erschienen; demnächst stehen Veröffentlichungen von Scorched (Deutsche Grammophon) sowie Etudes and Elegies (Warner) an.

Weitere Werke wurden vom New York Philharmonic, dem London Philharmonic, den Berliner Philharmonikern, der Chicago Symphony Contemporary Group, dem Ensemble Modern, dem Nash Ensemble und vielen anderen in Auftrag gegeben.

Bei Faber ist eine Mark-Anthony Turnage gewidmete Monographie von Andrew Clements erschienen, die auch Interviews und musikalische Analysen enthält.

Mark-Anthony Turnages Werke werden zurzeit von Boosey & Hawkes verlegt. Vor 2003 komponierte Werke sind bei Schott erschienen. Für Aufträge und Management ist Cathy Nelson Artists and Projects zuständig.

Nicholas Williams
aktualisiert im Juli 2003

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Diese Biographie kann in Programmheften unter folgendem Nachweis kostenlos abgedruckt werden: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Boosey & Hawkes.

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