Nachrichten zu den Komponisten bei Boosey & Hawkes
KOMPONIST IM PORTRÄT

Steve Reich

 b. 1936Photo credit: Jeffrey Herman

Porträt


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Eine Einführung in die Musik Steve Reichs von K. Robert Schwarz

In den späten fünfziger und zu Beginn der sechziger Jahre unseres Jahrhunderts, in der Zeit, als Steve Reich Konservatoriumsstudent war, hatten die jungen Komponisten keine andere Wahl, als sich für die Doktrin vorherrschender serieller Methoden zu entscheiden, Unhörbare mathematische Permutationen, Atonalität und arhythmischer Pointillismus repräsentierten die akademische Norm. Durch Musik, bei der die Struktur scheinbar wichtiger als der Klang wurde, machte man sich das Publikum abspenstig – die Komponisten befanden sich gegenüber ihrer Zuhörerschaft in zunehmender Isolation. Aber Steve Reich, der sich der Tonalität, dem Puls des Jazz und dem frühen Strawinsky verbunden fühlte, fand sich gegenüber diesem ‘Neue Musik’ – Establishment entfremdet.

Heute, nahezu dreißig Jahre später, hat sich diese düstere Situation radikal gewandelt, woran Reich selbst kein geringer Anteil zuzuschreiben ist. Ohne sich dem Massengeschmack anzubiedern, hat er geholfen, den Stand des Komponisten aus der Isolation zu leiten und ihm eine bedeutsame gesellschaftliche Position zurückerobert. Reichs großes Publikum bestätigt nicht nur seinen individuellen Stil, sondern ist auch Ansporn für eine ganze Generation junger Komponisten. Er hat mit seiner Musik Freiheiten erkämpft, die drei Jahrzehnte zuvor nicht existierten. Anstatt eine spezielle Technik dogmatisch anzuwenden, folgen die Komponisten nun dem eher eklektizistischen Pfad Reichs. Dieser schließt nicht nur den Rationalismus serieller Verfahren, sondern auch Strukturen, Harmonien und Rhythmen nicht-westlicher Kulturen und der traditionellen amerikanischer Musik, besonders des Jazz, ein.

Reichs eigene musikalische Entwicklung zeigt eine konsequente Erweiterung seines Vokabulars, ohne daß Kompromisse bei seinen ästhetischen Grundsätzen erkennbar sind. Obwohl der stetige Puls, tonale Zentren, strukturelle Klarheit, Wiederholungen und die Faszination am Kanon immer Merkmale seines Stils waren, hat er sich seinen jugendlichen Eifer, die Tendenz zur Erweiterung seiner Mittel und Perspektiven erhalten. Der einst unpersönliche Prozess des ‘Phasing’ führte unter dem Einfluß von afrikanischer und balinesischer Musik zu einer Art polyrhythmischem Kontrapunkt, während das Studium von Niederschriften hebräisch-biblischer Gesänge neue melodische Profile gewinnen ließ. Reichs Werke offenbaren in der Tat das kontinuierliche Integrieren neuer Elemente in seine vorhandene Tonsprache: vom harmonischen Zyklus und den kaleidoskopartigen Farben der Music for Eighteen Musicians bis zu dem emotionalen Element, das durch den Gebrauch von Texten bei Tehillim und The Desert Music erweckt wird.

Vorhersagen sind immer mit einem Risiko behaftet, aber es scheint fast sicher, daß Reich damit fortfahren wird, Elemente klassisch-westlicher und außerwestlicher Kulturen und amerikanischer Musiktraditionen zu einer reichen, überraschenden Synthese zu vereinigen. Ob diese Synthese sich in der Form von ökonomisch angelegten, jazzorientierten Counterpoint-Serien oder auch in den für großes Orchester raffiniert instrumentierten The Desert Music oder The Four Sections manifestiert, sie bleibt immer kenntlich als die Widerspiegelung eines Menschen, der sein Publikum unmittelbar begeistert, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen.

K Robert Schwarz
(Musikjournalist für die The New York Times, Opera News, und Out Magazine; Autor de "The Minimalists" [1996, Phaidon Press])

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