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Leonard Bernstein

 1918 - 1990Leonard Bernstein Photo © Susech Batah, Berlin (DG)

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Eine Einführung in die Musik Leonard Bernsteins von Edward Seckerson

Im Sanctus aus Leonard Bernsteins Mass kommt ein Stück vor, ein Lied über das Komponieren eines Lieds. Suchend zupft der Zelebrant an seiner Gitarre. Er findet ein E, ein 'Mi'. Doch 'Mi ist bloß mi' ['me' in Englisch]. Er fügt eine zweite Note an, ein G (Sol), und es ist die richtige Note, ein 'mi mit sol' ['soul']. Und auf einmal 'fängt ein Lied an, es beginnt zu wachsen, wird flügge und erhebt sich singend in die Lüfte'. Das ist Bernstein wie er leibt und lebt - Bernstein auf den Schwingen eines Liedes, einer Melodie, die im Singen desselben kreiert wird, einer Melodie voll von Hoffen und Sehnen. Im Stil von Ives könnte man es ein universelles Lied nennen, ganz wie man die Messe Bernsteins ein universelles Opus nennen könnte. In die Musikgeschichte wird es wohl noch als sein bedeutendstes (und schnöde unterschätztes) Werk eingehen. Es wurde für uns geschrieben, als die Hoffnungen und die wiederentdeckte Unschuld der sechziger Jahre zu schwinden begannen. Es war Bernsteins Suche nach dem verlorenen Glauben, sein Aufruf an die ganze Menschheit, eine großartige, mit Nachdruck vorgebrachte Bekundung seines Glaubens an die Macht der Musik, die es möglich macht, die religiösen, sozialen und kulturellen Grenzen zu überwinden, zu heilen un zu vereinen. Es war sein Glaubensbekenntnis, als Musiker und als Mensch.

Und es sprudelte förmlich über mit seinem verrückten, triumphie-renden Eklektizismus, der über das Nachahmen und Parodieren hinausging und stattdessen danach drängte, eine Unzahl an musikalischen Erfahrungen nach eigenem Verständnis umzuschreiben. Die Musik eines Komponisten wurzelt immer in der eigenen Erfahrung und Bernstein hatte Erfahrung in wirklich jeder Stilrichtung, ja es dürstete ihn nach diesen Erfahrungen, sei es Jazz, Broadway, Klassizismus, Expressionismus, Volkslied, jüdisches Liedgut, Gospelsongs, lateinamerikanische Musik, Rock-Musik oder Swing, die ganze Bandbreite wurde abgedeckt, es gab kaum etwas, womit er nicht in Berührung kam. Aber vielleicht ist Eklektizismus hier das falsche Wort. Evolution wäre wohl richtiger. Alles hinterläßt seine Spuren, alles ist in irgendeinem Sinne eine Ableitung von etwas - davon war Bernstein fest überzeugt. Und er war auch in der Lage, dieses Konzept zu seinem eigenen zu machen und es in seinen Kompositionsmethoden zu verwirklichen. Eine Komposition wie Serenade für Violine, Streicher, Harfe und Schlagzeug lebt ausschließlich aus sich selbst heraus, eine Idee führt zu einer anderen in einer Art melodischer Kettenreaktion. Daß etwas so schönes und getragenes wie der langsame Satz sich so natürlich aus einem ruhelosen Fragment des kantigen Scherzo entwickeln konnte, ist alles Teil dieses Wunders, oder - auf einer weltlichen Ebene - eines Handstreichs.

Bernstein hatte am Wettbewerb seine wahre Freude. Doch am Ende siegte immer der Geist. Ungeachtet der Numerologie in seinem Ballett Dybbuk, ungeachtet auch der kantigen Unbestimmtheit einer Partitur wie Jubilee Games war es ihm ein Verlangen, die Hand nach den Menschen auszustrecken. Aus Förmlichkeit wurde Ungezwungenheit, aus Komplexität Klarheit, aus Dissonanz Kon-sonanz. Er liebte es, einer schalen Tonfolge Gemüt zu verleihen und aus aneinandergereihten Tönen ein Lied zum Mitsingen zu machen. Hinter jedem Wunder steckte musikalische Methode, wie bei der Melodie, im Stil Coplands, im dritten Satz des Kaddisch (Dritte Symphonie), die einem Schmetterling gleicht, der aus der Zwölf-tonmusik des ersten Satzes hervorgekrochen kommt. Oder bei der alles durchdringenden übermaßigen Quart - dem Tritonus - in der West Side Story, eine melodische Farbe, die gleichzeitig unverkennbar ist und alles zusammenführt. Oder bei der Zweiten Symphonie 'Age of Anxiety' (Zeitalter der Angst), in der eine Reihe von Variationen die Metapher für eine Traumodyssee, eine Reise der Seele wurde, die durch ein auf dem Klavier vorgetragenes Maskenspiel in der Art des Jazz aufgelöst wurde. Absolutes Theater.

Doch Bernstein verbrachte in gewissem Sinne sein ganzes Leben 'auf der Bühne'. Seine Sprachgewalt war vielleicht sein größtes Talent. Songfest ist das Meisterwerk eines Liedkünstlers. In Songfest wird Amerika besungen. Auch im Tanz verstand sich Bernstein irgendwie auf die amerikanische Umgangssprache. Der Bernsteinische Orchesterklang wurde aus der Tanzmusik geboren; die wie Nachtfalken klingenden Klarinetten, die Blechbläser in hohem Register, die Wogen des pulsierenden Schlagzeugs. Die New York City von On The Town und Fancy Free stolziert aufgeblasen und hochnäsig daher, schwankt zwischen regem Treiben und grüblerischem Sinnen. In der West Side Story tanzt auf denselben Straßen alles nach einem ganz anderen Rhythmus. Aber Tonys Something's Coming hatte für Bernstein eine größere Bedeutung. Er träumte davon, daß aus dem amerikanischen Musical eine Art amerikanischer Oper erwachsen würde. In Candide huldigte er kokett den Wurzeln des Musicals in der europäischen Operette (nicht so sehr Pastiche, eher schon Festlichkeit), mit A Quiet Place machte er einen Riesenschritt auf eine noch unbekannte Zukunft.

War er ein ewig nörgelnder Optimist oder ein außerordentlich hoffnungsfroher Pessimist? Falls es einen gemeinsamen Nenner für alle Hauptwerke Bernsteins gibt, dann diese alles überwältigende Katharsis, das Gefühl der Aussöhnung und des Neuanfangs nach der großen Verwirrung, Enttäuschung und Tragödie des Jetzt. In 'Some Other Time' in On The Town, wird in der Melodie geseufzt: 'Wo ist uns nur die Zeit geblieben, haben kaum halb vollbracht, was wir uns vorgenommen...' Das soll Lennys Grabinschrift sein.

Edward Seckerson
(Musikkritiker für die BBC und The Independent [UK], und National Public Radio [US])

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