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FEATURED COMPOSERS
Pinsuti - GlanertTe Deum (1859) 40'
for SATB soli, mixed choir and orchestra, reconstructed by Detlev Glanert (2013)

Music Text      English
anon.; englische Übersetzung von A. J. Foxwell (lat., engl.)

Scoring
2.picc.2.2.2-4.2.3.1-timp.perc:SD/cym/BD-strings.
Abbreviations (PDF).

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes der ganzen Welt.

World premiere of version
01/08/2014
Piazza Grande, Montepulciano
Corale Poliziana / Coro dell'Accademia di Pescara / Orchestra of the RNCM Manchester / Roland Böer


Composer's Notes  
Ciro Ercole Pinsuti gehört zur langen Reihe derjenigen Komponisten, die der italienischen Musik auf der ganzen Welt zu ihrem überragenden Ruhm verholfen haben und gleichzeitig fast völlig vergessen sind. Geboren 1829 in Sinalunga in der Toscana, gestorben 1888 in Florenz, hat er doch fast dreißig Jahre seines Lebens in London verbracht. Er erhielt schon früh Violin- und Klavierunterricht und wurde in Rom von Lord Henry Drummond entdeckt; er war einer der ganz wenigen Schüler von Meyerbeer und Rossini, später ebnete sein Förderer ihm den Weg nach London, wo er komponierte und Gesangsunterricht erteilte und ab 1856 am "Royal College of Music" unterrichtete. Er kehrte nach der Einigung und Gründung Italiens in seine Heimat zurück.

Sein damaliger Ruhm begründete sich auf einer großen Reihe von äußerst populären Liedern, von denen einige die magische Auflagenzahl von hunderttausend durchbrachen, was kaum ein anderer Komponist schaffte; ferner schrieb er drei sehr erfolgreiche Opern, sowie eine große Anzahl anderer Stücke, die fast alle verschollen sind. Sein Name war zum Beispiel in Amerika bekannter als derjenige Dantes. Seine kompositorische Bedeutung mag auch folgender Umstand zeigen: die erste Szene seiner Oper "Margherita", uraufgeführt am Teatro della Fenice in Venedig 1882, zeigt deutlich seinen Einfluß auf den Komponisten Mascagni: die erste Szene der Oper "Cavalleria rusticana" 1889 ist eine fast wortgetreue Kopie.

Pinsutis 1859 in London komponiertes "Te Deum" reflektiert die politischen Ereignisse in seiner Heimat Italien: die Befreiung der Toscana von den Österreichern und die mögliche Vereinigung des Landes bildete den begeisterten Anlaß dieser Komposition für vier Soli, gemischten Chor und Orchester. Ein erster Klavierauszug wurde sofort 1860 gedruckt, ein zweiter 1905, das Werk muß also etliche Zeit nach dem Tod Pinsutis noch oft aufgeführt worden sein. Eine Partitur fand sich trotz intensiver Recherche nicht mehr an, lediglich ein Satz Streicherstimmen in der Universitätsbibliothek von Glasgow ist noch vorhanden.

Das Stück selber steht in der schönsten italienischen Tradition großer, opernhafter Kirchenmusik, angesiedelt zwischen eingängigen Entwicklungsbögen und scharfer Dramatik; besonders auffallend sind drei große Chorfugen, sowie mehrere Arien mit hinreißenden Melodien für die jeweiligen Solosänger. Kompositorisch versucht Pinsuti eine interessante formale Klammer der elf verschiedenen Abschnitte des "Te Deum", indem er Anfang und Ende musikalisch gleichsetzt, und Leitmotive oder Leitmelodien benutzt, um den Zusammenhang des Stückes zu betonen – was in der damaligen Kirchenmusik als avanciert zu betrachten ist.

Aus verschiedenen Stichnoten im Orchestermaterial und anderen Hinweisen in den Klavierauszügen ließ sich die Orchesterbesetzung rekonstruieren, die dem damaligen Durchschnitt entsprach: Piccolo, je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagzeug, Streicher. Interessant und hilfreich war besonders die sehr unterschiedliche dynamische und artikulatorische Bezeichnung der beiden Klavierauszüge: sie ergänzten sich zu einem lebendigen Bild, dem in der Gesamtgestalt fast nichts mehr fehlte als die Farbe.

Ich habe deshalb versucht, mich konsequent in dem Stil von 1860 zu bewegen; verschiedene Vergleichsmöglichkeiten mit ähnlichen Partituren dieser Zeit halfen sehr bei der Rekonstruktion des Werkes. Ausdrücklich möchte ich mich bedanken bei Luciano Garosi, der den fast vergessenen Klavierauszug in Genua entdeckt hat, bei Antje Müller, der es gelang die Streicherstimmen dieses Werkes in Glasgow aufzufinden, sowie bei meinem Verlag Boosey & Hawkes, der in uneigennütziger Weise die Herstellung und damit die Uraufführung dieses bedeutenden Werkes italienischer Musikkunst ermöglicht hat.

Jede Kultur, und insbesondere die Musikkultur, ist aufgebaut wie eine Pyramide: deshalb sollten wir uns verneigen vor Meistern wie Ciro Pinsuti aus der Toscana, die unter anderem ein künstlerisches Weltereignis wie Giuseppe Verdi erst möglich gemacht haben. Diese "maestri di musica" haben das unglaublich hohe Niveau der Musikkultur in Italien in seiner Breite begründet – und darum tragen sie immer die Höhen der Kunst. Auch deshalb habe ich diese Partitur Maestro Luciano Garosi gewidmet, dem langjährigen Direktor des Istituto di Musica in Montepulciano, und meinem Freund.
Detlev Glanert (2014)




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