2.2.2.2-2.2.0.0-perc(1)-strings(6.5.4.3.2,II. amp effects)
Abkürzungsverzeichnis (PDF)
Bote & Bock
Mein Arbeitstitel «Evas and Adam’s dance fight at 288 beats per minutes» verweist auf die zentrale Bedeutung des Pulses als treibende Kraft dieses intensiven, zwölfminütigen Orchesterballetts Pas de deux. Getragen von einem verstärkten Kontrabass, der zentral in der Orchesterlandschaft positioniert ist, bildet der allgegenwärtige Puls von 288 bpm den Brennpunkt unseres rhythmischen Schweifens über die Tanzfläche. Pas de deux ist ein Wechselspiel zweier Kräfte: Adam und Eva, du und ich, sie und wir – ein Hin und Her, ein Schwanken und Drehen, ein Schieben und Ziehen. Das Stück zeichnet soziale Interaktion in ihrer grundlegendsten und zugleich freudvollsten Form nach: als Tanz, wie er in allen Kulturen der Welt gefeiert wird. Das Publikum ist eingeladen mitzutanzen oder wie ein Tänzer, der kurz aus dem Fest heraustritt, den Blick schweifen zu lassen: ihn mal auf einzelne Tanzpaare zu richten, mal in die Menge zu weiten und so das Ereignis als großformatige Klangszenerie zu erleben. Die Entstehung von «Pas de deux» würde ich mit dem Nachwachsen eines Eidechsenschwanzes vergleichen – nur dass hier am Schwanz ein völlig neuer Körper nachwächst. In Anlehnung an die klassische vierteilige Ballettform gleichen Namens mit Entrée, Adagio, Variationen und Coda, wirbeln unsere beiden Protagonisten – Solovioline und Solovioloncello – durch die ersten drei Abschnitte. In der Coda, dem an den Schwanz nachgewachsene Körper, kreisen sie, tollen und taumeln, verstrickt in ein dynamisches Ringen um Standpunkte und Perspektiven, Ideen und Träume, bis sie schließlich das ganze Orchester mit sich ziehen. Als Kulminationspunkt paraphrasiere ich die Schlussszene meiner Oper Adam und Eva, eine Proklamation individueller Freiheit, Verantwortung und Kreativität mit dem Mantra «love, beauty, serenity, novelty, mischief, and mirth» (Liebe, Schönheit, Gelassenheit, Neuheit, Unfug und Heiterkeit) die einem wilden, entfesselten Tanz gleicht.
Mike Svoboda, im Januar 2026