Brett Dean: Composer in Residence bei den Berliner Philharmonikern
In der Saison 2026/27 kehrt Brett Dean als Composer in Residence zu den Berliner Philharmonikern zurück – jenem Orchester, dem er 14 Jahre lang als Bratschist angehörte. Die Residenz umfasst zwei neue Auftragswerke und zeigt Dean in vielfältigen Rollen als Komponist und Instrumentalist. Zudem gibt er sein Dirigierdebüt bei den Berliner Philharmonikern.
25 Jahre nach seinem Abschied als Orchestermusiker kehrt Brett Dean in der Saison 2026/27 als Composer in Residence zu den Berliner Philharmonikern zurück. 14 Jahre lang, von 1985 bis 1999, war der australische Komponist selbst Bratschist des Orchesters. Nun stehen seine Werke in insgesamt elf Konzerten auf dem Programm. Dean ist dabei nicht nur als Komponist zu erleben, sondern auch als Dirigent und Kammermusiker sowie als Mentor der jungen Musiker*innen der Karajan-Akademie. Zwei großformatige Auftragswerke der Berliner Philharmoniker werden im Laufe der Residenz uraufgeführt: Conversations with Schumann für Sopran und Orchester sowie Phantoms: Scenes for Orchestra(s), in dem das live spielende Orchester seinem eigenen elektronischen „Phantom“ begegnet.
Zum Auftakt seiner Residenz gibt Dean vom 10. bis 12. September im Rahmen des Musikfest Berlin zugleich sein Dirigierdebüt bei den Berliner Philharmonikern. Im Zentrum des Programms steht die Uraufführung von Conversations with Schumann mit der Sopranistin Jennifer France. Robert Schumann zählt seit Langem zu Deans wichtigsten musikalischen Bezugspunkten; das neue Werk nimmt dessen Alter Egos Florestan und Eusebius zum Ausgangspunkt und greift Motive aus den Fantasiestücken, den Davidsbündlertänzen und den Waldszenen auf. Der Schlusssatz ist eine Transkription des Schumann-Liedes Herzeleid op. 107 Nr. 1. Jennifer France übernimmt zudem den Solopart in Deans von Shakespeares Hamlet inspiriertem And once I Played Ophelia in der Fassung für Streichorchester. Ergänzt wird das Programm durch Debussys La Cathédrale engloutie in der Orchestrierung von Colin Matthews und Deans frühes Orchesterwerk Beggars and Angels.
Das Dirigieren seines ehemaligen Orchesters bezeichnet Dean selbst als „eine ganz eigene Herausforderung“. In einem Interview mit den Berliner Philharmonikern räumt er ein, dass er ein klassisches Philharmoniker-Programm wohl jemand anderem überlassen hätte. Bei einem Programm jedoch, das wesentlich auf ihn als Komponist zugeschnitten sei und Werke enthalte, die er bereits selbst dirigiert habe, könne er dem Orchester „mit einigem Selbstbewusstsein“ etwas vermitteln.
Ein besonderes klangräumliches Experiment bildet die zweite Uraufführung der Residenz: Vom 12. bis 14. Februar 2027 dirigiert Sakari Oramo Phantoms: Scenes for Orchestra(s). Gemeinsam mit dem Sounddesigner Bob Scott entwickelt Dean darin die Illusion eines Konzerts für zwei Orchester: Dem im Saal spielenden Ensemble tritt ein zuvor aufgenommenes elektronisches Abbild der Berliner Philharmoniker als „Phantomorchester“ gegenüber. Über zahlreiche im Raum verteilte Lautsprecher – ergänzt durch einzelne ebenfalls im Saal positionierte Musiker*innen – entsteht in der charakteristischen Architektur der Philharmonie ein vielschichtiges Wechselspiel zwischen realem und virtuellem Klangkörper. Die vier Abschnitte des Werks rücken, ganz im Sinne eines Konzerts für Orchester, jeweils unterschiedliche Instrumentengruppen in den Vordergrund.
Auch in kammermusikalischen Programmen ist Dean während seiner Residenz präsent. Am 19. September wirkt er als Bratschist in seinem Imaginary Ballet mit, das gemeinsam mit Werken von Cathy Milliken und Schumann erklingt. Am 11. April dirigiert er Musiker*innen der Karajan-Akademie in Dream Sequence und Epitaphs sowie Werken von Korngold, Beethoven und Kurtág. Den Abschluss der Residenz bildet vom 17. bis 19. Juni Deans Violinkonzert The Lost Art of Letter Writing: Isabelle Faust übernimmt den Solopart, Alan Gilbert dirigiert die Berliner Philharmoniker. Zuvor ist Faust mit dem Werk bereits im Februar beim Tenerife Symphony Orchestra und beim London Symphony Orchestra zu Gast.
Neben seiner Berliner Residenz stehen in der Saison weitere wichtige Musiktheaterprojekte Deans an. Im Oktober kehrt seine jüngste Oper Of One Blood in der gefeierten Inszenierung von Claus Guth und unter der musikalischen Leitung von Markus Stenz an die Bayerische Staatsoper zurück. Im Januar 2027 folgt am Linbury Theatre der Royal Opera in London die Uraufführung des neuen Musiktheaterwerks Good Sometimes Queen. Die von Ola Ince inszenierte, rund 50-minütige Produktion verbindet zwei Liedzyklen Deans nach Texten von Matthew Jocelyn: Madame ma bonne Soeur und And once I played Ophelia.
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Foto: Brett Dean (© Stefan Hoederath)