Gabriela Ortiz’ Revolución diamantina erstmals in Europa
Mit Revolución diamantina erfährt eines der international meistbeachteten Orchesterwerke der letzten Jahre im Juni seine deutsche Erstaufführung. Die Berliner Philharmoniker unter Gustavo Dudamel musizieren Gabriela Ortiz’ vielfach ausgezeichnetes musikalisches Bekenntnis gegen Gewalt an Frauen.
Mitte Juni steht Gabriela Ortiz’ Revolución diamantina erstmals in Deutschland auf dem Programm. Gustavo Dudamel dirigiert die Berliner Philharmoniker sowie den Rundfunkchor Berlin am 18., 19. und 20. Juni und bringt damit eines der international erfolgreichsten zeitgenössischen Orchesterwerke der vergangenen Jahre erstmals auf europäische Konzertpodien. Weitere Aufführungen folgen im Sommer bei den BBC Proms in London sowie beim Edinburgh International Festival.
Die rund 42-minütige Komposition für großes Orchester und acht Frauenstimmen entstand ursprünglich als Ballettmusik und wurde 2023 vom Los Angeles Philharmonic unter Dudamel uraufgeführt. Seitdem hat sich Revolución diamantina rasch international etabliert – nicht zuletzt durch die vielfach ausgezeichnete Einspielung mit dem LA Philharmonic, die Gabriela Ortiz im Februar 2025 gleich drei GRAMMY Awards einbrachte, darunter den Preis für die beste zeitgenössische klassische Komposition.
Im Zentrum des Werks steht ein Thema von schmerzhafter Aktualität: Gewalt gegen Frauen und Femizide in Ortiz’ Heimat Mexiko. Ausgangspunkt waren die Proteste der sogenannten „Glitter Revolution“, die 2019 in Mexiko-Stadt begannen, nachdem Polizisten der Vergewaltigung einer Frau beschuldigt worden waren. Frauen gingen auf die Straße, warfen pinkfarbenen Glitter auf den Polizeichef und protestierten gegen institutionelles Schweigen und mangelnde Aufklärung. Gemeinsam mit der Autorin Cristina Rivera Garza entwickelte Ortiz daraus eine „poetische Dramaturgie“, die verschiedene Perspektiven feministischen Widerstands miteinander verbindet.
Die Komponistin beschreibt ihr Werk als Folge von sechs Szenen, die Themen wie Belästigung im öffentlichen Raum, emotionale Manipulation, Einsamkeit, Verlust und kollektiven Protest durchlaufen. Immer wieder treten Stimmen der Verschwundenen hervor; Demonstrationsrufe, rhythmische Zuspitzungen und fragile Momente der Stille stehen einander gegenüber. Am Ende formuliert das Werk die Hoffnung auf Solidarität und gemeinsames Handeln.
Für Gustavo Dudamel zählt Ortiz zu den „talentiertesten Komponistinnen der Welt – nicht nur in Mexiko, nicht nur auf unserem Kontinent: der Welt. Ihre Fähigkeit, Farben, Rhythmen und Harmonien zu schaffen, die sich unmittelbar mit den Menschen verbinden, ist etwas Einzigartiges.“ Ortiz, die seit Jahren zu den prägenden Stimmen der lateinamerikanischen Gegenwartsmusik zählt, war unter anderem Featured Composer beim Philharmonia Orchestra sowie Composer in Residence am Palau de la Música in Barcelona und am Concertgebouw Amsterdam. In der kommenden Saison bringt Alondra de la Parra Ortiz’ neues Orchesterwerk La Reina Roja – nach seiner Uraufführung Ende Juli in Mexiko – auch in Linz, Wien, Amsterdam und Paris zur Aufführung.
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Foto: Gabriela Ortiz (© Marta Arteaga)