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Zum 400. Todestag des englischen Lautenisten und Komponisten John Dowland rücken wir Werke aus unseren Katalogen in den Fokus, die sich auf sein musikalisches Erbe beziehen – von Benjamin Britten bis Harrison Birtwistle und Mike Svoboda.

Kaum ein Komponist der elisabethanischen Zeit prägte die europäische Musiklandschaft so nachhaltig wie John Dowland (1563–1626). Als Lautenist von internationalem Rang und Schöpfer einiger der bekanntesten Ayres und Lautenlieder seiner Epoche war er weit über die Grenzen Englands hinaus geschätzt. Schon zu Lebzeiten verbreiteten sich seine Publikationen, allen voran das 1597 erschienene First Booke of Songes or Ayres, in ganz Europa und trafen mit ihrer charakteristischen Mischung aus Melancholie, Innigkeit und klanglicher Eleganz den Nerv der Zeit – eine Wirkung, die bis heute ungebrochen ist.

Auch in der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts bleibt Dowlands Ausdruckswelt präsent. In unseren Katalogen finden sich zahlreiche Werke, die sich direkt oder indirekt auf sein Schaffen beziehen und seine melancholische Klangsprache aus heutiger Perspektive weiterdenken.

Einen besonders prominenten Bezugspunkt bildet Benjamin Brittens Lachrymae für Viola und Streichorchester, hervorgegangen aus der ursprünglichen Fassung für Viola und Klavier von 1948 und 1976 kurz vor Brittens Tod orchestriert. Das Werk basiert auf Dowlands Lied „If my complaints could passions move“, das erst am Ende wörtlich erscheint, dessen wehmütige Grundstimmung jedoch das gesamte Stück durchzieht. Zwischen klagenden Aufschwüngen und introvertierter Zurücknahme entsteht ein klanglicher Dialog mit der Renaissance-Vorlage, der Brittens lebenslange Faszination für Alte Musik spiegelt.

Auch in der Oper Gloriana (1953) greift Britten die musikalische Welt des elisabethanischen Zeitalters auf. Statt direkter Zitate verwendet er stilistische Paraphrasen, um die Atmosphäre am Hof Elisabeths I. einzufangen. Aus der Oper entstand zudem eine sinfonische Suite sowie eine Reihe konzertant aufführbarer Tänze und Chorsätze, die den historischen Klangraum mit moderner Theatersprache verbinden.

Eine unmittelbare Annäherung an Dowlands Originale bieten die von Siegfried Behrend herausgegebenen Lieder für Singstimme und Gitarre. In seinen Bearbeitungen gelingt es dem Gitarristen, den charakteristischen Lautenklang auf das moderne Instrument zu übertragen, ohne Eleganz und Ausdruckskraft der melodischen Linien zu verlieren. Werke wie „Sweet, stay awhile“, „Say, love, if ever thou didst find“ oder „Who ever thinks or hopes of love“ zählen bis heute zum festen Repertoire.

Die Wirkungsgeschichte reicht jedoch weit über historisch informierte Bearbeitungen hinaus. Peter Maxwell Davies greift in Farewell – a Fancye (1986) ein Lautenstück Dowlands auf und überführt dessen chromatisch aufsteigendes Thema in ein farbenreiches Sextett für moderne Instrumente, wodurch die melancholische Grundhaltung des Originals eine neue klangliche Intensität erhält.

Harrison Birtwistles Semper Dowland, semper dolens (Always Dowland, always doleful) (2009), uraufgeführt von Mark Padmore und der London Sinfonietta in Aldeburgh, setzt sich auf besonders vielschichtige Weise mit Dowlands Vermächtnis auseinander. Grundlage bilden die sieben Lachrimae-Pavanen von 1604, die Birtwistle mit ausgewählten Lautenliedern kombiniert und für ein modernes Ensemble neu instrumentiert. Historische Anklänge treffen hier auf eine erweiterte Klangpalette, die den melancholischen Kern von Dowlands Musik in die Gegenwart überführt.

Schließlich knüpft auch Mike Svobodas Dowland Suite (2012/14) an Themen des Renaissance-Komponisten an. Hervorgegangen aus seinem Musiktheater Robin Hood – zu gut, um wahr zu sein, transformiert die Suite das Material für Bläserensemble und zeigt, wie flexibel und anschlussfähig Dowlands musikalische Sprache bis heute bleibt.

400 Jahre nach seinem Tod erweist sich John Dowland damit weniger als historische Figur denn als lebendige Inspirationsquelle. Seine Musik – zugleich introvertiert, leidenschaftlich und von stiller Intensität – wirkt weit über ihre Entstehungszeit hinaus und findet in den Werken späterer Komponist*innen immer neue Resonanzräume.
 

Foto: Titelblatt zu einer Druckausgabe des First Booke of Songes or Ayres von 1597 (© Wikimedia Commons, gemeinfrei)

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