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Nach ihrer Uraufführung an der Dutch National Opera kommt Leonard Evers’ jüngste Kinderoper Atman! erstmals auch nach Deutschland und Österreich. Die Theater in Kiel und Graz präsentieren das poetische Musiktheater über einen neunjährigen Jungen auf der Suche nach seinem Zuhause in neuen Inszenierungen.

Was bedeutet es eigentlich, sich zu verirren – nicht irgendwo in der Fremde, sondern ausgerechnet in der eigenen Stadt? Leonard Evers’ jüngste Kinderoper Atman! stellt diese scheinbar einfache Frage ins Zentrum einer poetischen Reise über Orientierung, Verlust und die Suche nach einem Ort, den man Zuhause nennen kann. Nach der Uraufführung im Dezember 2025 an der Dutch National Opera und einer anschließenden Tournee durch die Niederlande ist das Werk im Oktober erstmals in Deutschland und Österreich zu erleben.

Am 4. Oktober feiert Atman! im Foyer des Konzerthauses am Schloss in Kiel seine deutsche Erstaufführung in einer Neuproduktion von Susanne Disch mit Kristine Matvejeva als Atman und Antje Steen am Akkordeon. Weitere Aufführungen folgen am 31. Oktober und 28. November. Nur wenige Wochen später, am 21. Oktober, folgt im Café Stolz der Oper Graz die österreichische Erstaufführung in einer Inszenierung von Florian Kutej. Leah Bedenko übernimmt die Partie des Atman, Ivan Bonic ist am Akkordeon zu erleben; weitere Vorstellungen finden am 22. und 29. Oktober statt.

Atman ist neun Jahre alt und hat sich in seiner eigenen Stadt verlaufen. Den Schlüssel zu seinem Haus trägt er zwar in der Tasche – nur weiß er plötzlich nicht mehr, wo dieses Haus eigentlich steht. Was mit der Bitte an Passant*innen um Hilfe beginnt, entwickelt sich zu einer Reise voller Umwege, Begegnungen und Hindernisse, in der Vertrautes zunehmend fremd und das vermeintlich Alltägliche zum Abenteuer wird.

Für Atman! arbeitete Evers erstmals mit dem belgischen Schriftsteller Bart Moeyaert zusammen, einem der bedeutendsten europäischen Kinder- und Jugendbuchautoren der Gegenwart. Ausgangspunkt ihrer Zusammenarbeit war zunächst eine ganz andere Idee: Evers wollte ein kleinformatiges Stück über den Tod für ein junges Publikum schreiben. Im Gespräch über Kindheitserinnerungen, verlorene Gegenstände und die Bedeutung scheinbar kleiner Verluste entstand schließlich die entscheidende Frage: „Was wäre, wenn du dich selbst verlaufen hättest?“ Aus diesem Gedanken entwickelte Moeyaert sein erstes Opernlibretto, dessen sprachlicher Rhythmus Evers unmittelbar zum Komponieren anregte. „Selten konnte ich so intuitiv schreiben“, erinnert sich der Komponist. „Die Sätze sangen sich geradezu von selbst.“

Für seine musikalische Umsetzung kehrte Evers gewissermaßen zu einem eigenen Kindheitswunsch zurück. Seit seinem sechsten Lebensjahr wollte er Akkordeon spielen – gelernt hat er es nie. In Atman! macht er das Instrument nun zum einzigen musikalischen Gegenüber der Sängerin. Seine große klangliche und stilistische Bandbreite ermöglicht es Evers, mit denkbar kleinen Mitteln unterschiedlichste Welten entstehen zu lassen: „das weite Meer, große Wälder, die Kühle der geschäftigen Stadt“ ebenso wie die eigenwilligen Figuren, denen Atman auf seiner Suche begegnet. Nach dem international erfolgreichen Gold! erkundet Evers damit erneut die Möglichkeiten eines mobilen Musiktheaters, das aus einer bewusst reduzierten Besetzung eine ganze Welt entstehen lässt.

Auch Moeyaerts Text hat inzwischen eigene Anerkennung erfahren: Das Kinderbuch Atman! wurde 2026 mit dem renommierten niederländischen Woutertje-Pieterse-Preis ausgezeichnet. Die Jury würdigte insbesondere die Musikalität seiner Sprache, in der „jeder Satz singt“ und sich Humor, Spannung, Handlung und Reflexion miteinander verbinden. In Kiel findet diese Sprache nun erstmals in deutscher Version mit Evers’ Musik zusammen.
 

>  Further information on Work: Atman!

Foto: Szenenmotiv (© Theater Kiel)

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