Expand
  • Find us on Facebook
  • Follow us on Twitter
  • Follow us on Instagram
  • View Our YouTube Channel
  • Listen on Spotify
  • View our scores on nkoda

Nach der Uraufführung 2019 in Winterthur brachte nun die Staatsoper Hannover die erste Folgeproduktion der Oper von Leonard Evers auf die Bühne. Der Science-fiction-Thriller wendet sich an jugendliches Publikum.

In der Literatur, in der Kunst, im Film und auch in der Musik ist das Verhältnis von Mensch und Maschine ein echter Dauerbrenner. Denken wir nur an die in eine Maschine verwandelte Maria aus Fritz Langs legendärem Stummfilmklassiker „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 oder an die gigantische vernunftbegabte Maschine des Erfinders Trurls in Stanislaw Lems Zyklus „Kyberiade“ – ein Stoff übrigens, den unser Komponist Krzysztof Meyer bereits vor vielen Jahren in eine Oper verwandelt hat. Der 1985 geborene niederländische Komponist Leonard Evers nun hat mit seiner Science-fiction-Kammeroper humanoid einen der jüngsten Beiträge zu diesem Genre geliefert.

Am 21. Februar 2019 war humanoid (Libretto: Pamela Dürr) am Theater Winterthur in der Schweiz zur Uraufführung gelangt und war anschließend auch in Bern zu sehen. Am 11. Juni 2022 erlebte das spannende Stück nun auch seine deutsche Erstaufführung am Staatstheater Hannover.

„Dieses Stück passt ganz offensichtlich in unsere Zeit“, schreibt der Kulturredakteur Alexander Diehl in seiner Premierenkritik am 13. Juni in der taz. Er betitelt seinen Text „Das Wollen der Androidin“ und berichtet weiter: „Wo künstliche Menschen geplant werden, geht die Geschichte oft schief. Sachte futuristisch erzählt davon die Oper humanoid in Hannover.“

humanoid handelt von dem jungen Computerprogrammierer Jonah, der mit Androiden experimentiert und dabei riskiert, dass die Grenzen zwischen dem Menschen und der künstlichen Intelligenz gefährlich verschwimmen. Jonahs durch ein Unglück ums Leben gekommene Partnerin Vivienne ersetzt er durch den Androiden Alma. Er vertraut diesem Wesen aber nicht und löscht die Erinnerungen der Maschine deshalb an jeden Abend. Die Oper setzt sich mit der Frage auseinander, wie weit wir der KI vertrauen können und wann wir Gefahr laufen, die „Gefühle“ einer Maschine mit unseren eigenen zu verwechseln. Das Leben mit Maschinen wird zu einer Gratwanderung.

Die deutsche Erstaufführung am Staatstheater Hannover ist eine Produktion des Internationalen Opernstudios, das damit auch ganz explizit ein junges Publikum ansprechen möchte. Die Sängerinnen und Sänger sind größtenteils Mitglieder des Opernstudios. Für die Inszenierung zeichnet Tobias Mertke verantwortlich, für die musikalische Leitung im Wechsel Giulio Cilona und Richard Schwennicke. Folgeaufführungen gibt es noch bis 22. Juni. Die Produktion wird in der Spielzeit 2022/23 wieder aufgenommen.

Leonard Evers wurde weithin durch sein vielgespieltes Mini-Musiktheater Gold! bekannt. Er arbeitet mit einer breiten Palette kompositorischer Mittel, im Fall von humanoid mit einer Leitmotivik zur Unterscheidung menschlicher und künstlicher Wesen, filmmusikalischen und hochdramatischen Elementen, tonalen Passagen und groovenden Anleihen beim Jazz. Der taz-Kritiker urteilte, der Komponist bediene sich „jenseits des Klassisch-Romantischen, lässt die überschaubare Besetzung mit viel Schlagwerk Jazziges und nach Videospiel Klingendes spielen, aber moderat Neutönendes, Berg-Beeinflusstes, Musik, die sich ‚an festgelegten Zahlen- und Intervallabfolgen orientiert‘.“ Evers bleibe dabei aber „erfreulich kohärent und sucht nicht etwa zu klingen wie die unterstellten Playlists des jungen Zielpublikums: kein Techno für diese sachte futuristische Oper.“

Zu seinem kompositorischen Konzept sagt der Komponist selbst in einem Interview mit der Staatsoper Hannover: „Im Stück gibt es einerseits diese Spiegelmomente, in denen die Roboter nur kopieren, und dann die, in denen ein echter Dialog entsteht. Dabei kommt es mir so vor, als könnte man Alma beim Lernen zuhören ... Almas Musik ist am Anfang so leer und naiv wie möglich komponiert. Hier ist sie nur ein weißes Blatt Papier, das von Jonah beschrieben wird. Aber wenn sie sich weiterentwickelt und eigene Gefühle ausbildet, reichert auch ihre Musik sich an. Ihr Tonraum erweitert sich, sie spricht flüssiger in längeren Sätzen mit größerem Wortschatz und mehr Ausdrucksmöglichkeit. Ihr Charakter füllt sich immer mehr mit Musik.“
 

>  Further information on Performance: humanoid

>  Further information on Work: Gold!

Abb.: Szenenfoto mit Tobias Hechler und Petra Radulovic © Staatstheater Hannover / Clemens Heidrich

>  News Search

Stay updated on the latest composer news and publications