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Als zweite Ehefrau Gottfried von Einems, den sie um ein Vierteljahrhundert überlebte, war die österreichische Schriftstellerin eine Autorin auch des Berliner Musikverlags Bote & Bock.

Für von Einem schrieb Lotte Ingrisch Libretti zur Mysterienoper Jesu Hochzeit, zu Tulifant und Luzifers Lächeln aber auch Gedichte zu mehreren Liedzyklen (Leb wohl, Frau Welt, Leib- und Seelensongs, Lieder vom Anfang und vom Ende, Lebenstanz, Waldviertler Lieder und Bald sing ich das Schweigen).

Ingrisch genoss als Theater- und Buchautorin größte Beliebtheit, kaum ein Genre von der Gesellschaftskomödie bis zur schwarzen Wiener Posse, vom Unterhaltungsroman bis zum Sachbuch, in dem sie nicht reüssierte. Sie kämpfte für den Tierschutz und, bis zu ihrem eigenen Tod, unterstützt von zahlreichen Künstlern, Wissenschaftlern und Intellektuellen, für das Sterberecht. Popularität und gesellschaftlicher Widerspruch schlossen sich nicht aus: Das katholische Österreich nahm den Titel von Jesu Hochzeit wörtlich, die Uraufführung 1980 geriet zum nationalen Skandal, der jahrelang Schmähungen und Morddrohungen gegen die Autoren nach sich zog. Dabei ging es um die „hohe Zeit“, um die „chymische Hochzeit“ der Alchimie, um spirituelle Wandlung, um Initiation im Sinne der Gnosis, um das Überwinden des Dualismus von Tod und Leben.

Lotte Ingrisch setzte in Tulifant, der „ersten grünen Oper“, als die sie sie selbst bezeichnete, dem Theologen und Philosophen Giordano Bruno ein Denkmal, einem der wichtigsten Brückenbauer zwischen antiker Naturphilosophie und heutiger Naturwissenschaft, auf den sie sich als Paten im Kampf gegen den zerstörerischen Materialismus unserer Zeit berief.

Als Tochter eines Erfinders und einer Malerin wurde sie nicht müde, für ein Bildungssystem zu kämpfen, das dem rechtshemisphärischen, kreativen Teil des Gehirns größere Aufmerksamkeit zukommen lässt. In Lotte Ingrischs Leben und Schaffen verbündeten sich die Extreme und scheinbaren Widersprüche: Sie lebte, außerordentlich bescheiden, in einer Wohnung in der „Gottfried von Einem Stiege“ in der Wiener Hofburg, den der österreichische Staat dem Ehepaar für seine Verdienste um die Kultur des Landes zur Verfügung gestellt hatte. Mit dem Tod stand sie auf gutem Fuß, sehnte sich nach dem Ende ihrer physischen Existenz und starb doch erst im hohen Alter von 92 Jahren. Sie genoss den Ruf einer Expertin fürs Übersinnliche, und war doch mit den bedeutendsten Wissenschaftlern ihrer Zeit befreundet. „Ich bin kein gewöhnlicher Mensch. Auch kein ungewöhnlicher. Ich bin überhaupt keiner“ verlautbarte sie in dem gemeinsam mit dem österreichischen Quantenphysiker Helmut Rauch 2017 veröffentlichten Buch Der Quantengott.

Lotte Ingrisch starb am 24. Juli 2022 in einem Wiener Krankenhaus an den Folgen eines Sturzes. Rechtsnachfolgerin der Autorin ist die in Wien ansässige Internationale Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch Gesellschaft. Wir gedenken ihrer in Liebe, Bewunderung und Dankbarkeit.
 

Photo: Lotte Ingrisch und Gottfried von Einem in Münster, September 1987 (© Christoph Girschik)

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