Mieczyslaw Weinbergs Oper Lady Magnesia in Wien
Auf der Bühne hat der 1996 verstorbene, polnisch-russische Komponist Mieczyslaw Weinberg seine satirisch-unterhaltsame Kammeroper Lady Magnesia nie erleben dürfen. Nach der posthumen konzertanten Uraufführung 2009 in Liverpool und der szenischen Uraufführungen in Erfurt 2012 und Salzburg 2014 kommt das spritzige Stück jetzt am Theater an der Wien zur Aufführung.
Das Theater an der Wien präsentiert am 2. Juni 2026 eine neue Produktion Mieczyslaw Weinbergs Operneinakter Lady Magnesia nach dem Theaterstück Passion, Poison, and Petrifaction von Bernard Shaw. Die für ihre ungewöhnlichen Inszenierungsideen auch außerhalb des Theaters im öffentlichen Raum bekannte Opernregisseurin und -produzentin Anna Bernreitner führt Regie, Irene Delgado-Jiménez leitet das Wiener KammerOrchester. Weinbergs 1975 komponierte Oper um eine untreue Ehefrau, die den Gatten zu drastischer Gegenwehr veranlasst, passt thematisch perfekt zu der zweiten, am selben Abend ebenfalls aufgeführten Oper Zweimal Alexander von Bohuslav Martinu.
Mieczyslaw Weinberg selbst schrieb das Libretto zu diesem satirischen Stoff voll bitterböser, aber auch hochemotionaler Wendungen. Die reich verheiratete Lady Magnesia (in Wien von der deutsch-chilenischen Sopranistin Josefine Göhmann gesungen) hat nämlich ein Verhältnis zum Hausdiener Adolphus (Jacob Phillips). In der Absicht, mit einem Messer seine Gattin zu ermorden, erscheint ihr Ehemann Lord George Fitztollemache (Peter Kirk) in ihrem Schlafzimmer und wird ausgerechnet von dem anklopfenden Adolphus daran gehindert. Sogleich plant er um und kredenzt dem Angestellten ein vergiftetes Glas Sodawasser. Als dieser dann im Sterben liegt und Lady Magnesia dem gehörnten Ehemann wieder ihre Liebe erklärt, beschließt man, Adolphus mit aller Kraft zu retten, was aber gründlich daneben geht. Als Gegengift wählt Lord George in gutem Glauben den Kalk einer in heißem Wasser aufgelösten Gipsbüste seiner Gattin. Adolphus stirbt immerhin schmerzlos, aber erstarrt zu einer Statue mit ausgebreiteten Armen, vor der das wiedervereinte Ehepaar posiert und ironischerweise so wirkt, als nehme es seinen Segen entgegen.
Weinbergs Musik steckt voller Witz und stilistischer Vielfalt. Eine Tarantella, ein Walzer, aber auch ein Marsch vermischen sich mit der für ihn so typischen elegischen musikalischen Sprache, die die meist tragischen Stoffe seiner übrigen Opern ebenfalls prägt. Neben dem Sängerquartett besteht die Instrumentalbesetzung aus einem Streichquintett und nur wenigen Bläsern wie zwei Klarinetten, einem Altsaxophon, Horn und Posaune neben Klavier, Harmonium, Schlagzeug, Gitarre, E- und Bass-Gitarre.
Der im Februar 1996 verstorbene Mieczyslaw Weinberg hat seine gelungene Oper nie auf einer Bühne gesehen. Die Uraufführung fand posthum am 18. November 2009 szenisch in Liverpool und am 2. Februar 2012 szenisch am Theater Erfurt statt.
Mieczyslaw Weinberg:
Lady Magnesia
Oper in 1 Akt (1975)
Libretto vom Komponisten nach George Bernard Shaws _Passion, Poison, and Petrification', deutsche Fassung von Hans-Ulrich Duffek
Premiere: 2. Juni 2026 Kammeroper Wien
Musikalische Leitung: Irene Delgado-Jiménez
Inszenierung: Anna Bernreitner
Bühne und Kostüm: Manfred Rainer, Hannah Öllinger
Solist*innen: Josefine Göhmann, Peter Kirk, Jacob Phillips und Wilma Kvamme
Wiener KammerOrchester / Theater an der Wien (Kooperation mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
Folgeaufführungen bis 19. Juni 2026
Foto: © Theater an der Wien / Olga Rakhalskaya