Opern-Jazz von 1932: Erstaufführung von Józef Kofflers M.O.W.-Suite
Mit der posthumen Uraufführung des Musiktheaters Alles durch M.O.W. brachte das Theater Freiburg 2025 ein besonderes Werk von Józef Koffler (1896–1944) zurück auf die Bühne, aus dem erhaltenen Klavierauszug instrumentiert von Johannes Schöllhorn. Nun erlebt eine aus der Partitur zusammengestellte Orchestersuite ihre Premiere an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.
Als posthume Uraufführung zeigte das Theater Freiburg im Juni 2025 die Tanz-Oper Alles durch M.O.W. von Józef Koffler, in einer viel beachteten, von Friederike Scheunchen dirigierten Inszenierung von Peter Carp. Dank eines kurz nach der Komposition 1932 bei der Universal Edition gedruckten Klavierauszugs blieb das Werk erhalten – sein Komponist wurde von den Nazis verfolgt und 1944 ermordet. Johannes Schöllhorn, der sich seit Jahrzehnten für die Wiederentdeckung Kofflers einsetzt, komponierte die verlorengegangene Partitur nach der Klaviervorlage neu und schuf eine Hommage an die brillanten Orchestrierungskünste Kofflers.
Bei der im Stücktitel genannten, im Libretto von Alfred Rust nie aufgeschlüsselten „M.O.W.“ handelt es sich um den Namen einer Partnervermittlungsagentur. Hier finden durch Kontaktanzeigen Liebes- und lebenssüchtige Individuen aus aller Welt zusammen. Eine Choreografie der Beziehungen entfaltet sich, Flirts, Liebschaften – Affären mit kurzen Halbwertszeiten, ein veritabler Tanz auf dem Vulkan, durchdrungen von der Gier nach starken Emotionen und erotischer Erfüllung. Tänzer*innen verkörpern stilisierte Persönlichkeitsprofile, ein Querschnitt durch die europäische Gesellschaft auf dem Weg in den Faschismus: ein „zartbesaiteter Herr“ bandelt an mit dem „Girl mit den geistigen Ansprüchen“, den „Herrenfahrer“ zieht es zur „Rassenblondine“, und den „Nabob aus dem goldenen Westen“ zur „einstigen Montmartre-Schönheit“. Zwei Gesangssolist*innen betätigen sich als „M.O.W“-Agent*innen, der Chor kommentiert das Geschehen nach antiker Manier.
Józef Koffler, der in Wien studiert und promoviert hatte und zum engsten Umfeld der Zweiten Wiener Schule gehört, verschmolz in Alles durch M.O.W. Elemente der Revue, des Oratoriums und des Brecht’schen Lehrstücks zu einer brillanten Synthese musiktheatralischer Ansätze und musikalischer Stile seiner Zeit. Aus dem Bühnenwerk stellte Orchestrator Johannes Schöllhorn zusätzlich eine rund zwanzigminütige Orchestersuite zusammen, die den lebhaften, vom Tanz durchdrungenen Charakter für den Konzertsaal erschließt. Sie erlebt nun ihre Erstaufführung in Berlin:
Józef Koffler:
M.O.W.-Suite (1932,orch.2024/25)
für Orchester, mit Musik aus dem Musiktheater Alles durch M.O.W. (1932)
orchestriert und zusammengestellt von Johannes Schöllhorn (2024/25)
Einleitung, Choral und Jazz – Chanson – Pantomime – Intermezzo – Große Orchesterfuge – Finale
Erstaufführung: 24.04.2026 Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, Studiosaal
Eisler Sinfonietta
Musikalische Leitung: Manuel Nawri
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Foto: Józef Koffler / Alles durch M.O.W. am Theater Freiburg, 2025 (© Archiv Boosey & Hawkes / Paul Leclaire)