Schnittkes Faust in Meiningen wieder auf der Bühne
Das Staatstheater Meiningen eröffnet seine Opernsaison am 18. September fulminant mit einer Neuinszenierung von Alfred Schnittkes Historia von D. Johann Fausten. Das anspruchsvolle Opus, 1995 in Hamburg uraufgeführt, beschäftigte den Komponisten viele Jahre – eine eigenwillige moderne Version des mythischen Stoffes.
Nachdem der Regisseur des Moskauer Taganka Theaters, Juri Ljubimov, in den 1970er Jahren Alfred Schnittke bereits um eine Oper zum zweiten Teil von Goethes Faust gebeten hatte, die aber nie realisiert wurde, erteilte 1980 auch Christoph von Dohnányi dem Komponisten einen Auftrag zu einem Bühnenwerk, das dann aber erst am 22. Juni 1995 an der Hamburgischen Staatsoper auf die Bühne kommen sollte: Historia von D. Johann Fausten.
Die kompositorischen Ursprünge zu dieser letzten Oper Schnittkes, entstanden nicht lange vor seinem Tod während seiner schwersten, von einem dritten Schlaganfall überschatteten Lebensphase, reichen zurück bis in das Jahr 1983. Damals arbeitete er an der Faust-Kantate Seid nüchtern und wachet ... nach dem letzten Kapitel des Volksbuches von 1587 – sie sollte später die Grundlage zum kompletten letzten Akt der Faust-Oper bilden.
In Schnittkes typischer Polystilistik stehen barocke Passionsarien neben Choral- und Cluster-Effekten, akustische neben elektronischen Musikteilen – um letztere hatte Schnittke seinen Sohn Andrej gebeten. Kommentare vom Chor und einem Erzähler greifen auf Bach-Oratorien zurück und schlagen Bögen zum epischen Theater à la Brecht. Die Handlung folgt dem Volksbuch und gipfelt im dritten Akt in einer Begegnung mit der schönen Helena – als verkappte Teufelin Mephostophila leitet sie das schreckliche Ende Fausts ein, das mit Spottreden der höllischen Geister und einem die Walpurgisnächte heraufbeschwörenden Ballettakt Fausts Fahrt in den Abgrund begleitet. „Was Schnittke in seinem Faust leistet, ist einzigartig; kein Komponist vor ihm ist dem Urschrecken der Geschichte so nahe gekommen“, urteilte die New York Times nach der Hamburger Uraufführung.
Erstmals seit der österreichischen Erstaufführung 2021 an der Neuen Oper Wien wagt sich mit dem Staatstheater Meiningen aktuell ein Haus daran, Schnittkes anspruchsvolles Vermächtnis auf die Bühne zu bringen.
Alfred Schnittke
Historia von D. Johann Fausten
Premiere: 18.09.2026 | Staatstheater Meiningen
Oper in 3 Akten und einem Epilog (1991/94)
Libretto von Jörg Morgener und Alfred Schnittke nach Johann Spies
Musikalische Leitung: GMD Killian Farrell
Regie: Eva-Maria Höckmayr
Bühne: Michele Taborelli
Kostüme: Julia Rösler
Video: Krzysztof Honowski
Chor: Roman David Rothenaicher
Dramaturgie: Matthias Heilmann
www.staatstheater-meiningen.de
Szenenfoto: Arno Raunig als Mephostophiles, Jürgen Freier als Doctor Johann Faustus und Eberhard Lorenz als Erzähler in Historia von D. Johann Fausten 1995 in Hamburg (© alpha photo)