Streichquartett-Novitäten und -Klassiker in Amsterdam
Am 24. Januar eröffnet die Streichquartett-Biennale Amsterdam mit Brett Deans neuem String Quartet No.4 („A Little Book of Prayers“), gespielt vom Belcea Quartet. Auf dem weiteren Programm des einwöchigen Festivals stehen auch die Uraufführung von Alexander Raskatovs OASIA sowie unter anderem Werke von Osvaldo Golijov und Dmitri Schostakowitsch.
Die String Quartet Biennale Amsterdam („SQBA“) bringt alle zwei Jahre Künstler*innen aus aller Welt zusammen. Das dynamische und innovative Festival ist international das größte eigens für diese Besetzung. Das diesjährige Programm umfasst während acht Tagen über 60 Konzerte, Lectures, Meisterklassen und ein mannigfaltiges Rahmenprogramm, mit 25 Ensembles und vielen Solist*innen, Komponist*innen und Referent*innen.
Im Eröffnungskonzert des Belcea Quartet am 24. Januar erklingt als niederländische Erstaufführung das vierte Streichquartett von Brett Dean mit dem Untertitel „A Little Book of Prayers“. Das vor drei Monaten in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführte Stück ist dem Andenken der 2024 verstorben Laura Samuel gewidmet, Co-Gründerin und langjährige zweite Geigerin des Belcea Quartet. Alle Werkteile bilden sehr frei den Gestus unterschiedlicher Gebetsformen nach, wobei drei getragene und quasi ‚europäisch-christliche‘ Sätze mit den bewegteren „Speaking in Tongues“ (In Zungen sprechen) und „The Gospel Truth“ abwechseln, die die musikalisch-stilistische und kulturelle Perspektive weiten.
Das Konzept der SQBA umfasst traditionell die Vergabe von Kompositionsaufträgen. Zu den acht Uraufführungen der 2026er Festival-Ausgabe in diesem Programmteil gehört am 28. Januar auch OASIA für Streichquartett und Kirchenglocke ad libitum von Alexander Raskatov; Co-Commissioner ist die Association ProQuartet, es spielt das französische Quatuor Arod. Das Stück besteht aus sieben Teilen – die Zahl symbolisiert für Raskatov das Universum. In den einzelnen Sätzen vereint der Komponist traditionelle Muster (Synagogenliturgie und Znamenny-Gesang) mit der Idee von Zeit und Raum in Gestalt eines Pendels. „In OASIA wollte ich den gemeinsamen Geist alter Musikkulturen zum Ausdruck bringen und sie zu einem organischen Ganzen zusammenfügen. Die drei Glockenschläge am Ende unterstreichen den spirituellen Charakter des Werkes.“
Zum weiteren Festivalprogramm gehören auch ältere Standardwerke aus den Katalogen von Boosey & Hawkes | Sikorski. In zwei Konzerten am 26. Januar erklingen Tenebrae von Osvaldo Golijov, eine facettenreiche, Schönheit und Schmerz reflektierende Komposition aus dem Jahr 2002, die in der Vorstellung des Komponisten „wie das langsame, leise Lesen einer illuminierten mittelalterlichen Handschrift gehört werden kann“ und hier vom Animato Kwartet gespielt wird; sowie die ersten drei Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch mit dem Cuarteto Casals, das 2025 alle 15 Quartette des Komponisten anlässlich dessen 50. Todestag beim Label harmonia mundi auf CD eingespielt hat.
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Fotos: Brett Dean (© Bettina Stöß), Osvaldo Golijov (© Tanit Sakanini), Alexander Raskatov (© privat)