Sikorski
„Der Dadaismus tritt im neuen Liederzyklus DaDa, komponiert für die Sopranistin Olga Heikkilä, noch deutlicher hervor als in anderen meiner Werke. Das Stück wurde im Januar 2026 fertiggestellt. In den letzten Jahren habe ich intensiv mit Olga Heikkilä zusammengearbeitet. Sie hat sich auf zeitgenössische Vokalmusik spezialisiert und promoviert derzeit über erweiterte Gesangstechniken. Heikkilä ist eine regelmäßige Sängerin in Kaija Saariahos Oper ‚Innocence‘, und da das Werk demnächst an der Metropolitan Opera in New York aufgeführt wird, wollte sie ein neues Werk von Räihälä mit nach Amerika nehmen.
In diesem Stück kehrte ich zu James Joyce zurück, dessen Texte ich bereits vor Finnegans ‚Wake‘ vertont hatte. Der Auszug stammt erneut aus Finnegans Wake, aus einer Passage, in die Joyce eine Reihe finnischer Wörter einfügte. Für die damaligen Leser muss das wie reines Kauderwelsch geklungen haben! Dementsprechend springt die Musik rastlos von einer Richtung in die andere.
Der Text des zweiten Satzes stammt aus Arno Schmidts ‚Zettels Traum‘, der oft als der wohl extremste Avantgarde-Roman aller Zeiten bezeichnet wird.
Die Texte im Abschnitt 'Zettels Traum' bestehen aus Wörtern verschiedener Sprachen, aber auch aus Satzzeichen: Klammern, Ausrufezeichen, Semikolons, Bruchrechnungen, kaufmännischen Und-Zeichen usw. Diese können natürlich nicht gesungen werden, sondern werden stattdessen durch verschiedene Hand- und Gesichtsausdrücke dargestellt. Für den Zuhörer wird es zu reinem Slapstick.
Laut Räihälä bildet der dritte und letzte Satz im Vergleich zu den vorhergehenden reinen Belcanto-Sätzen einen Gegensatz, und gerade dieser Kontrast unterstreicht den dadaistischen Charakter des Werkes. Sein Text ist unerwartet scharf, aktuell und politisch: Der letzte Satz trägt den Titel 'Release'. Ich habe den Text selbst geschrieben; er besteht nur aus wenigen Worten. Die letzten lauten 'Release the files now', und man muss kein Genie sein, um zu verstehen, dass ich mich auf einen gewissen bekannten Pädophilie-Skandal beziehe.“ (Osmo Tapio Räihälä)