Enrico Chapela
Enrico Chapela, geboren 1974 in Mexiko-Stadt, hat sich in den letzten 25 Jahren mit seinem Schaffen zu einem der international profiliertesten und markantesten Komponisten entwickelt. Seine Werke geben der zeitgenössischen Musikszene prägnante Impulse, sowohl ästhetisch als auch kompositionstechnisch. Der Komponist überrascht immer wieder mit neuen Ansätzen und interessanten Herangehensweisen. In seinem Schaffen verarbeitet er im individuellen Zugriff Elemente aus mexikanischen Traditionen und anderen Musikkulturen der Welt, aus Heavy Metal, Jazz, aus unterschiedlichen Positionen der Neuen Musik, von frei eingesetzten seriellen Techniken über Improvisation, Klangkomposition, Live-Elektronik und Postminimalismus bis Spektralmusik. Rhythmische Gestalten, oft in komplexen Schichtungen, bilden häufig die Ausgangspunkte der mitreißenden, farbenreichen, sinnlichen und unmittelbar ansprechenden Kompositionen Enrico Chapelas. Er prägt bei der Arbeit an seinen Vokalwerken, seiner Kammermusik und seinen Orchesterstücken jeweils eine eigene Systematik für musikalische Strukturen und Texturen aus. Diese werden für jedes neue Werk von spezifisch konzipierten Gesetzmäßigkeiten abgeleitet. Inspiriert wird das musikalische Schaffen Enrico Chapelas von vielfältigen Disziplinen und Themenfeldern, beispielsweise vom Verlauf eines Fußballspiels, wie in seinem ersten internationalen Erfolg, dem Orchesterstück ínguesu (2003), aber auch von astronomischen Phänomenen, Parfumdüften oder von Details aus Geschichte und Mythologie. Gleichzeitig entstehen die Werke stets aus der unmittelbaren Erfahrung der Musikpraxis. Daneben hat er mehrere Soundtracks für Spielfilme komponiert.
Enrico Chapela begann seine musikalische Laufbahn als Gitarrist. In den 1990er Jahren spielte er in Rockbands und beschäftigte sich mit Latin Jazz. Am Centro de Investigación y Estudios de la Música (CIEM) in seiner Geburtsstadt Mexiko-Stadt studierte er die Fächer Gitarre und Komposition. Anschließend setzte er in Paris sein Studium an der Université VIII fort und machte dort den Abschluss bei Horacio Vaggione und José Manuel López López. Danach folgte das Promotionsstudium an der Universidad Nacional Autónoma de México in Mexiko-Stadt. Kompositionen Enrico Chapelas wurden bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. So erhielt er ein Guggenheim Fellowship der John Simon Guggenheim Memorial Foundation in New York City, seine Werke wurden beim International Rostrum of Composers der UNESCO prämiert, beim Sistema Nacional de Creadores de Arte in Mexiko, in den USA wurde ihm zudem The Barlow Endowment for Music Composition Prize verliehen.
Die Werke von Enrico Chapela werden weltweit aufgeführt. Kompositionsaufträge erhielt er u. a. vom Orquesta Sinfónica Carlos Chávez, Orquesta Simón Bolívar, Orquesta de São Paulo, Santa Rosa Symphony Orchestra, vom Los Angeles Philharmonic Orchestra, von der Carnegie Hall, vom Seattle Symphony Orchestra, Berkeley Smphony Orchestra, Cincinnati Symphony Orchestra, BBC Scottish Symphony Orchestra, von der Wigmore Hall, vom Birmingham Symphony Orchestra, von der Britten Sinfonia, vom Orchestre Philharmonique de Radio France, vom Nationaltheater Mannheim, von den Dresdner Sinfonikern, Düsseldorfer Symphonikern, vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus, von der Deutschen Welle und dem Beethovenfest sowie dem Nationalen Zentrum für Darstellende Künste in Beijing. Enrico Chapela schrieb außerdem Auftragswerke u. a. für das australische HD Duo, das Cuarteto Latinoamericano und das ÓNIX Ensemble aus Mexiko-Stadt.
Sein Schaffen wurde bei Festivals wie dem Tanglewood Festival vorgestellt, beim New Paths in Music Festival in Yorkshire, dem Vail Music Festival in Colorado, dem Festival MX und dem Festival Cervantino. Künstlerinnen wie der Gitarrist Jaime Márquez, der Saxophonist Andrés Santana, der Trompeter Dan R. Casso, der Cellist Johannes Moser und der Violinist Pekka Kuusisto haben Stücke von Enrico Chapela interpretiert, Dirigentinnen wie Esa-Pekka Saalonen, Gustavo Dudamel, Marin Alsop, Joana Carneiro, Krzysztof Urbanski, James Gaffigan, Thomas Dausgaard, Alondra de la Parra, Carlos Miguel Prieto und Andrew Litton haben Musik von Enrico Chapela in ihrem Repertoire.
Von 2011 bis 2017 leitete Enrico Chapela die Neue-Musik-Radiosendung „Metamúsica“ beim Sender Opus 94 des Instituto Mexicano de la Radio. Er hat zudem seit über 35 Jahren Lehrerfahrung, unterrichtete Gitarre, Musiktheorie, Instrumentation, Komposition und musikalische Akustik an Einrichtungen wie dem Centro de Investigación y Estudios de la Música in Mexiko-Stadt sowie La Casa del Teatro in Mexiko-Stadt und La Escuela de Música de Todos los Tiempos in Pachuca, Mexiko. Heute ist Enrico Chapela Leiter der Musikakademie Núcleo Integral de Composición (NICO) in Mexiko-Stadt, wo er auch Komposition unterrichtet, sowie Akademischer Direktor des Centro de Investigación y Estudios de la Música (CIEM), wo er einst selbst studierte. Im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft der Männer 2026 wird in Mexiko-Stadt das neue Werk World Monarch von Enrico Chapela uraufgeführt.
© Mai 2026